https://www.faz.net/-hrx-9upe4

„Unsere Kundin hat keine Zeit“: Kampagnen-Bild der neuen Resort-Kollektionen von Mytheresa Bild: mytheresa

Mytheresa-Chef Michael Kliger : Was kostet die Welt?

Luxusmode per Mausklick nach Hause: Aber braucht es diese vielen Päckchen? Die aufwendige Verpackung? Die langen Transportwege? Michael Kliger, Chef des Online-Händlers Mytheresa, antwortet.

          9 Min.

          Michael Kligers Arbeit hat zwei Seiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die eine ist glamourös, mit Glitzerkleidern und Gläsern voll perlendem Champagner. Die andere besteht aus Zahlenreihen, Unmengen an Pappkartons und einem schlichten Glasgebäude im Herbstregen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Chef von Mytheresa steht zwischen diesen beiden Welten. Hier die Luxusmode, dort die Logistik des Online-Händlers. Sichtbar sein soll nur der Glitzer, der Rest soll reibungslos im Hintergrund vor sich hin schnurren. Nur ist das nicht so ganz einfach – in Zeiten, in denen die Lastwagen der Lieferdienste die Städte verstopfen, Kunden mit schlechtem Gewissen ihren CO2-Abdruck berechnen und Geschäfte in den Fußgängerzonen schließen.

          Je mächtiger die Online-Händler, desto kritischer schaut die Welt auf ihr Geschäftsmodell. Braucht es diese vielen Päckchen? Die aufwendige Verpackung? Die langen Transportwege? Michael Kliger ist sich dessen durchaus bewusst: „Ein Paket, das von München in die Welt verschickt wird, ist nie unproblematisch. Aber der Online-Handel hat auch viele Vorzüge. Und wir arbeiten an allen Stellschrauben, um die Nachteile zu minimieren. Trotzdem bleibt ein Internet-Kauf immer ein Kompromiss.“

          Ändert sich alles?

          Es geht an diesem Tag also um das Für und Wider. Der Morgen beginnt in der Mytheresa-Zentrale in Aschheim, dann geht's ins Logistikzentrum, von dort in die Boutique in der Münchner Innenstadt. Abends dann ein Dinner im Ägyptischen Museum.

          Im Industriegebiet spürt man in der dritten Etage wenig von der Emotionalität, mit der Luxusmarken wie Gucci, Prada, Balenciaga oder Valentino aufgeladen sind. Gegründet wurde Mytheresa von Susanne und Christoph Botschen. Das Ehepaar betrieb seit 1986 in der Münchner Innenstadt eine Designer-Boutique. Früh erkannten sie die Chancen des Internets. Während andere glaubten, nie werde jemand Kleider im Netz bestellen, zogen sie in Aschheim einen eigenen Internet-Shop auf. Zur Verblüffung der Branche schafften es die beiden Außenseiter, sich gegen die internationale Konkurrenz wie Net-a-Porter zu behaupten. 2015 verkauften sie ihre Anteile an den amerikanischen Kaufhauskonzern Neiman Marcus.

          „Ich bin wie das Gucci-Kleid“, sagt Michael Kliger. „Ich weiß nicht, ob ich morgen gekauft werde. Aber ich bin schön und würde vielen gut stehen.“

          Michael Kliger, den die amerikanischen Besitzer als CEO einsetzten, ist kein Modemensch, sondern ein Mann der Zahlen. Der Hüne, schlank und graumeliert, kommt von der Unternehmensberatung McKinsey, hat Karriere gemacht bei Real, Accenture, First Capital Partners und zuletzt bei Ebay. Seit er 2015 bei Mytheresa anheuerte, hat er den Umsatz von 100 auf 377 Millionen Euro hochgetrieben. Noch ist das Unternehmen, anders als die meisten Konkurrenten, „profitabel und cash-positiv“.

          Und das ist auch gut so. Denn seit einem halben Jahr sucht der Eigentümer Neiman Marcus nun schon nach einem Käufer für den Münchner Ableger. Alles ist möglich, der Prozess „ergebnisoffen“, wie Kliger es nennt. Ein Verkauf wäre denkbar, ein Börsengang ebenso, vielleicht bleibt auch alles beim Alten. Für Kligers Tagesgeschäft ist das erst einmal egal. Trotzdem dauert ihm das Prozedere zu lange. „Die Kundin goutiert es nicht, wenn sie das Gefühl hat, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen statt mit ihren Bedürfnissen.“ Einfluss nehmen kann der CEO nicht. „Ich bin wie das Gucci-Kleid“, sagt er lachend. „Ich weiß nicht, ob ich morgen gekauft werde. Aber ich bin schön und würde vielen gut stehen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hanau : Acht Tote bei Schießerei vor Shisha-Bars

          In Hanau starben durch Schüsse an mehreren Tatorten acht Menschen, mehrere wurden verletzt. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei gegenüber der F.A.Z. Nach den Tätern werde „auf Hochtouren“ gefahndet, die Hintergründe seien bislang noch unklar.
          Die Grippewelle in diesem Winter hat bereits rund 80.000 Erkrankungen verursacht.

          Influenza-Virus : Grippe grassiert in Deutschland

          Während sich die ganze Welt vor dem Coronavirus fürchtet, hat die diesjährige Grippewelle allein in Deutschland bereits 130 Tote gefordert. Insgesamt wurden bisher knapp 80.000 Erkrankungen gemeldet, die Hälfte davon in den vergangenen zwei Wochen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.