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Muzeum Susch : Kunst im Dorf

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Noch unbekannt: Das abgelegene Bergdorf Susch. Bild: Stefano Grazian

Durch das Schweizer Bergdorf Susch fuhr man bisher nur durch. Das soll sich jetzt ändern – und zwar durch ein neues Kunstmuseum neben der Kirche des kleinen Ortes.

          Manchmal entstehen fernab der Metropolen Ausstellungshäuser, deren Macher den Mut haben, Kunst zu zeigen, die man an einem solchen Ort nicht erwartet. Susch zum Beispiel ist etliche Bergketten vom nächsten Kunstschauplatz entfernt, und der Ort in der Schweiz zählt auch nicht zu den vertrauten Namen im Engadin wie St. Moritz, Zuoz oder Scuol. Susch ist das „Passdorf“ im Unterengadin, am Fuß des Flüelapasses gelegen. Ein enges Tal, eine Straße, einige wenige graue Häuser: Durch Susch fuhr man bisher nur durch. Aber in zwei weiß getünchten, typisch Engadiner Gebäuden neben der Kirche am anderen Flussufer ist nun ein Kunstmuseum entstanden, das den 200-Seelen-Ort weithin bekannt machen dürfte.

          Auf 1500 Quadratmetern zieht zeitgenössische Kunst in jahrhundertealte Gemäuer, die von den Architekten Chasper Schmidlin und Lukas Voellmy aufwendig restauriert wurden. Sie gehören zu einem Kloster aus dem zwölften Jahrhundert und einer benachbarten Brauerei aus dem 19. Jahrhundert. Wer durch den Tunnel ins Museum gelangt, der die beiden denkmalgeschützten Gebäude verbindet, steht vor einer lädierten Treppe („Stairs“) der Künstlerin Monika Sosnowska. Das Werk windet sich krumm und verbogen himmelwärts durch den mehr als zehn Meter hohen ehemaligen Kühlturm der Brauerei. Nebenan spiegelt ein mannshoher, drehbarer Zylinder von Miroslaw Balka („Narcissus Susch“) die Wände einer roh aus dem Fels gehauenen Grotte. Von den Wänden plätschert Quellwasser. Die Arbeiten zählen neben Werken von Piotr Uklanski, Zofia Kulik, Heidi Bücher und Paulina Olowska zu einer Reihe permanenter Installationen im Muzeum Susch, die oft auf den Ort Bezug nehmen. Fragt sich nur: Wer kommt in dieses wilde Tal zwischen Dreitausendern, um sich solche Kunst anzusehen?

          Unterirdisch: Gewölbe im Bergdorf Susch.

          Tatsächlich ist im Engadin der Boden für zeitgenössische Kunst längst bereitet. Ein etabliertes Netzwerk international renommierter Galerien in Zuoz, S-chanf und St. Moritz, Events wie das St. Moritz Art Masters und die Engadin Art Talks oder das Kunsthotel Castell in Zuoz lassen das Vorhaben der Polin Grazyna Kulczyk nicht mehr ganz so gewagt erscheinen. „Mit dem Muzeum Susch kann sich das saisonal geprägte Engadin in ein Ganzjahresziel für Kunstfreunde verwandeln“, sagt Kulczyk. Die Sammlerin stammt aus Posen und hat dort schon eine ausgediente Brauerei in ein Einkaufs- und Kunstzentrum verwandelt. In Susch könnte ihr Ähnliches gelingen. „Die Menschen hier sind begeistert“, sagt sie. „Und sie sind neugierig auf das, was kommt.“

          Das Bild der Frau

          Das ist zunächst einmal die Eröffnungsausstellung, vom 2. Januar an: „A Woman looking at Men looking at Women“, kuratiert von Kasia Redzisz, Senior-Kuratorin an der Tate Liverpool. 30 Künstler setzen sich darin mit Kulczyks Herzensthema auseinander: dem Bild der Frau im Spiel der Geschlechter.

          Zwei Ausstellungen pro Jahr sollen nicht alles gewesen sein. So will die Mäzenin ein Wissens- und Produktionszentrum aufbauen. Ein jährliches Symposium, genannt Disputazions Susch, widmet sich zukunftsrelevanten Gesellschaftsthemen. Das Instituto Susch soll zu Genderfragen in Kunst und Wissenschaft forschen. Auch ein Performance- und Choreografie-Programm gehören dazu sowie ein Residence-Programm für Künstler, Autoren, Choreografen. Die Bewohner des Ortes hat Grazyna Kulczyk in Pläne und Bauarbeiten eingebunden. So freut sich der ortsansässige Tischler nicht nur über die gute Auftragslage – sondern auch darauf, dass er bald nicht mehr erklären muss, wo sein Zuhause liegt.

          Attraktion im Engadin: Mit dem Muzeum Susch will die Mäzenin Grazyna Kulczyk Kunstfreunde ins Bergdorf Susch bringen.

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