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Erbe Yves Saint Laurents : Couture Future

  • -Aktualisiert am

Simon Freschard holt zwei Jacken aus der chinesischen Kollektion hervor, die dicht mit Pailletten bestickt sind. Wegen ihres Gewichts müssen sie flach gelagert werden. Bild: Helmut Fricke

Zwei Museen für einen Modeschöpfer: Pierre Bergé baut in Paris und Marrakesch am Nachleben von Yves Saint Laurent. Ein exklusiver Besuch bei den Vorbereitungen.

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          Die Schatzkammern sind mit schweren Türen gesichert. Nur zehn Angestellte haben hier Zutritt. Bevor man die Schwelle überschreitet, muss man Kittel und Schuhhüllen überziehen, um die wertvollen Archivalien vor Mikroben und Motten zu schützen. Brummende Maschinen sorgen für eine immer gleiche Temperatur von 18 Grad und eine niedrige Luftfeuchtigkeit. Wenn Simon Freschard an den großen Rädern dreht, bewegen sich die stählernen Magazinschränke zur Seite, und man kann geradewegs in die Geschichte der Mode schauen.

          Das Archiv der hochempfindlichen Haute-Couture-Modelle von Yves Saint Laurent lässt nichts mehr vom vornehmen Charme eines Ankleidesalons erahnen. Die klinische Stimmung ist weit entfernt von der flirrenden Spannung einer Modenschau. Aber wenn Simon Freschard, einer der Hüter dieses gigantischen Erbes, die wundervollen Tages- und Abendkleider, die Kostüme, Mäntel, Capes oder Hochzeitskleider aus den riesigen Stahlschränken herausholt, dann erschrickt man fast, wie gegenwärtig hier die sechziger und siebziger Jahre plötzlich sind.

          Die Schriftstellerin Franoise Sagan, die in den fünfziger Jahren mit ihrem Roman „Bonjour Tristesse“ berühmt wurde, sagte einmal: „Ein Kleid hat nur Sinn, wenn ein Mann Lust hat, es auszuziehen.“ Natürlich schwebte ihr dabei „une petite Saint Laurent“ vor, wie die Pariserinnen ein Kleid des Designers nannten, bei dem Sagan für ihr ziemlich ausschweifendes Leben schon Kleider bestellte, bevor Catherine Deneuve zur Muse des übersensiblen Modeschöpfers wurde.

          Catherine Deneuve trug dann das Mondrian-Kleid von 1965 mit femininer Verve. Ein Jahr später trug sie den androgynen Smoking mit selbstsicherer Verführungslust - Yves Saint Laurent hatte eine Hose zum Höhepunkt der weiblichen Garderobe gemacht. Indem der Couturier die veränderte Rolle der Frau in der Gesellschaft nicht nur begleitete, sondern sie auch provozierte, schrieb er ein Kapitel Kulturgeschichte mit. Gleichzeitig leitete er gemeinsam mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Pierre Berge eine Revolution in der Modebranche ein, als er die Pret-a-porter-Linie Rive Gauche gegen die Herrschaft der Couture stellte.

          Das Herzstück im eleganten Stadtpalais

          Seit 1974 ist der Sitz des Modehauses an der Avenue Marceau, Nummer 5. Es ist eines der eleganten Stadtpalais, die für das Viertel zwischen Trocadero und Champs-Elysees typisch sind. Bis zum Januar 2002, dem 81. und letzten Defilee, wurde in diesen Räumen die Saint-Laurent-Couture geschneidert. Hier lagen die Nähateliers und Anprobesalons, die immer größer werdenden Archivräume, vor allem aber das nervöse Zentrum und kreative Herzstück eines jeden Couture-Hauses: das Studio, in dem vom ersten zeichnerischen Entwurf bis zum letzten Accessoire die Kollektionen geschaffen wurden.

          Seit 2004 ist das ehemalige Modehaus nun Sitz der „Fondation Pierre Berge - Yves Saint Laurent“. Die Stiftung soll das künstlerische Erbe des Modeschöpfers erhalten und verbreiten. Sie organisiert in den eigenen Räumen thematische Ausstellungen, vergibt Leihgaben an Museen in aller Welt und arbeitet mit ihnen zusammen, zur Zeit mit dem Seattle Art Museum für die Schau „Yves Saint Laurent: The Perfection of Style“ (bis zum 8. Januar 2017). Außerdem baut die Stiftung gerade zwei neue Museen: In Marrakesch ist eine permanente Ausstellung mit etwa 50 bis 60 Couture-Kleidern geplant. In Paris werden thematisch in die Tiefe gehende Wechselausstellungen stattfinden.

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