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Mode während Corona : Mit Mundschutz von Gucci

  • -Aktualisiert am

Eine der letzten Schauen der Saison: Bei Miu Miu galt am 3. März noch kein Abstandsgebot. Bild: Helmut Fricke

Auch die Modebranche erleidet durch Corona starke Einbußen, hilft dennoch durch Spenden oder Hilfsgüter in der Not – und erfindet schon wieder neue Trends.

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          Schnappschüsse der Welt von Gestern. Am 24. Februar begann die Pariser Modewoche, bei der Damenkollektionen für den Herbst und Winter 2020/21 vorgestellt wurden. Am Abend versammelten sich im Elysée-Palast 200 Gäste um Frankreichs Präsidentenpaar, unter ihnen Naomi Campbell, Jean Paul Gaultier und Anna Wintour. Danach verteilten sich die Modeleute an den Laufstegen, abends tranken sie Cocktails auf den Partys. Küsschen, Handschläge, Umarmungen. Wie viele Speicheltröpfchen flogen im Trubel dieser tollen Tage wohl von einer Schleimhaut auf die andere? 48 Stunden vor Eröffnung der Modewoche waren in der Lombardei, aus deren Hauptstadt Mailand wie stets ein starkes Kontingent angereist war, Italiens erste Covid-19-Tote gemeldet worden. Bis zum 3. März wurden die Defilees durchgezogen, nur hier und da von einem Anflug von Verunsicherung angekränkelt – bei Paco Rabanne und Dries Van Noten bekamen die Gäste Schutzmasken, die kaum jemand aufsetzte.

          Dann fielen die eisernen Läden herunter. Ein Land nach dem andern schloss Geschäfte und Grenzen, Modeunternehmen fanden sich in ein künstliches Koma versetzt, eine fiebermatte Vorhölle zwischen Leben und Tod. Branchenriesen wie H&M und Uniqlo verloren auf einen Schlag weit mehr als die Hälfte ihres Umsatzes; Luxusuhrenhersteller wie Hublot, Patek Philippe und Rolex stellten zeitweilig die Produktion ein; alteingesessene Kaufhausketten wie Debenhams in Großbritannien und Neiman Marcus in den Vereinigten Staaten gingen in Konkurs. Auch vor Modeschöpfern machte das Virus nicht halt: Sein berühmtestes Opfer ist bisher der italienische Schuhdesigner Sergio Rossi, der am 2. April im Alter von 84 Jahren an den Folgen starb.

          Die meisten Unternehmen haben ihre Kollektion für Frühling und Sommer abgeschrieben. Laut der McKinsey-Studie „The State of Fashion – Coronavirus Update“ dürfte die Bekleidungsindustrie ihren Umsatz in diesem Jahr um bis zu 30 Prozent einbrechen sehen, der Luxussektor gar um 39 Prozent. Symbolisch reagierten viele Firmen auf diese Prognosen mit zeitweiligen Gehaltskürzungen in der Chefetage: Das Monatssalär so mancher Vorstandsvorsitzender rutschte vom sieben- in den sechsstelligen Bereich.

          Folgen der Pandemie für Modetrends

          Schlimm wurde es nur fürs Fußvolk: Allein in Bangladesch müssen 2,3 Millionen Textilarbeiter darben. Auch hier treten die Schattenseiten der amerikanischen Hire-and-Fire-Mentalität zutage: Haben 87 Prozent der amerikanischen Bekleidungsunternehmen Bestellungen annulliert, elf Prozent sogar mehr als die Hälfte, sind es diesseits des Atlantiks bloß 66 respektive zwei Prozent. Europäische Auftraggeber schützen ihre Zulieferer besser als ihre Konkurrenten aus Übersee.

          Lassen sich für die nähere Zukunft schon Vorhersagen machen? Die Prophezeiungen sind widersprüchlich. Die einen sagen eine „cautious consumption“ voraus, mit zaghaftem Kaufentscheid und Fokus auf Minimalistisches und Zeitloses, die anderen ein Phänomen namens „revenge buying“: kompulsives Konsumieren als „Revanche“ für die langen Wochen des Eingesperrtseins zu Hause. Alle starren fasziniert auf eine Hermès-Boutique in Guangzhou, die am 11. April, nach Aufhebung der Ausgangssperre, buchstäblich leergekauft wurde: Tagesumsatz umgerechnet 2,5 Millionen Euro!

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