https://www.faz.net/-hrx-7jqku

Mohair-Wolle : Etwas Flauschiges für die kalten Tage

Angesagt: Der Strickpulli des Winters ist aus Mohair-Wolle Bild: Rüchel, Dieter

In einer immer weniger haptischen Konsumwelt entdeckt die Mode jetzt die Mohair-Wolle wieder. Taschen, Pullover und andere Textilstücke, die aus der haarigen Wolle angefertigt wurden, haben sich längst als neuer Trend etabliert.

          2 Min.

          Wer weiß, ob Richard Steiff ahnte, welche Karriere sein Teddybär mit dem Knopf im Ohr hinlegen würde, als er für ihn 1902 den weichen Mohair-Plüsch auswählte. Sicher ist, das Mohair wird am Erfolg der Bären nicht unbeteiligt gewesen sein, ist es doch so flauschig, dass die Leute kaum anders können, als es mal anzufassen. Für den Verkauf von Kuscheltieren ist so eine Eigenschaft natürlich elementar. Aber auch zur Veräußerung von Kleidungsstücken könnte Mohair durchaus dienlich sein.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Mode ist es zurzeit jedenfalls furchtbar angesagt, Mohair zu tragen. Die Wolle der Saison wird nicht nur vom Rücken des gewöhnlichen Hausschafes geschoren, sondern auch von der verwuschelten Angoraziege. In den cremefarbenen Mohair-Kleidern von Valentino wirkt selbst die rigorose Geschäftsfrau zahm wie ein Schwanenbaby. Und die Mohair-Clutchtaschen von Céline sind so kuschelig, dass man sie auch als Kissen zweckentfremden könnte. Aus dem passenden Mantel wird zur Not die Zudecke. Dick einpacken kann man sich auch in den Strickjacken mit Sternenprint aus Mohair von Saint Laurent, ein Bestseller in dieser Saison. Als die Models darin im vergangenen März im Schnellschritt über den Laufsteg schlappten, zweifelten viele Gäste noch an ihrer Daseinsberechtigung. So wie sie überhaupt gerne die Entwürfe des rotznäsigen statt hochnäsigen Saint Laurent-Chefdesigners Hedi Slimane in Frage stellen.

          Es wird haarig: Mohair-Pullover von Brunello Cucinelli

          Fester Platz in der Grunge-Ära

          Slimane ist nicht der erste Unangepasste, dem Mohair besonders gut zupasskommt. Edie Sedgwick, Weggefährtin von Andy Warhol, trug in den Sechzigern Mohairpullover zu schwarzen Strumpfhosen. Wenn Kurt Cobain nicht im Flanellhemd auf eine Bühne trat, wählte er zur Pyjamahose den lindgrünen Mohair-Cardigan. Seinen festen Platz hatte der Proteststoff in der Grunge-Ära wie im Punk, jener Zeit, die kürzlich mit einer Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art ein Revival erlebte. Bis in die Fußgängerzonenläden deutscher Provinzstädte ist das nun sichtbar, denn da hängen die Teile aus haariger Wolle.

          Möglich, dass selbst Kunden mit einem völlig angepassten Lebensentwurf die Mohair-Idee reizvoll finden. Schließlich gehört sich ethisch Fragwürdiges wie etwa Pelz immer weniger. (Das mit Pailletten bestickte Top von Zara ist von moralischen Fragen natürlich ausgenommen.) Mohair erinnert optisch an das Fell von Tieren und ist zugleich so vertretbar wie gewöhnliche Schafwolle. Die hat seit einigen Monaten einen besonderen Platz in der Mode, denn immer mehr Frauen schlüpfen statt in die dünne Seidenbluse lieber in den dicken Strickpullover. In einer Studie zur Strickware der „Textilwirtschaft“ sagten 84 Prozent der befragten Handelsunternehmen, dass die Masche weiter an Bedeutung gewinnen wird. Und laut dem Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels setzen Händler so viel mit Hosen und Jeans um wie mit Strick.

          Die scheinen solche Hoffnungen in die Masche zu legen, dass sie damit gleich ihre Läden ausstatten. Im neuen Maison von Bottega Veneta in Mailand sind die Möbel aus Mohair. Im Flagshipstore von Chloé in Paris ein ähnliches Bild – Mohair-Sofas in Senftönen. Wahrscheinlich sollen die Stücke zum Verweilen einladen, in einer immer weniger haptischen Konsumwelt, die geprägt ist von Onlineshops, Blogs und Newslettern. Die Vorzüge von flauschigem Mohair hat ja schon der Erfolg des Steiff-Teddys bewiesen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Segelboote bei einer Regatta in Antigua

          Deutsche Segler in Gefahr : Geleitzug aus der Karibik?

          Hunderte Deutsche sitzen wegen der Corona-Pandemie zwischen Antigua und den Bahamas auf ihren Segelschiffen fest. Eine Gruppe von ihnen plant deshalb, in zwei großen Verbänden zurück über den Atlantik zu segeln. Ein riskantes Unterfangen.
          Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez

          Liveblog zum Coronavirus : Spanien verschärft Ausgangsbeschränkungen

          Alle nicht überlebenswichtigen Unternehmen geschlossen +++ Über 10.000 Tote in Italien +++ Trump erwägt Quarantäne für New York +++ Rückholaktion von Touristen eines deutschen Kreuzfahrtschiffs +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.