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Auf gut Kölsch

Von PETER-PHILIPP SCHMITT

15. Januar 2017 · Am Montag beginnt die Kölner Möbelmesse. Wir zeigen schon jetzt bemerkenswerte Neuheiten.

© Hersteller

Mera Längst sind Sofas nicht mehr nur zum Sitzen gedacht. Sie werden inzwischen auch so gebaut, dass man bequem auf ihnen liegen kann. Der Entwurf von Beck Design (Norbert und Silja Beck) aus Markdorf am Bodensee ist das beste Beispiel für die neue Funktionalität. Die Lehnen von Mera (Rolf Benz) lassen sich ab-, um- und hochklappen, so dass Flächen zum Längs- und Querliegen entstehen.

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Guard Filigran wirkt der Barschrank von Christian Haas, der auch beides sein soll: Bar und Schrank. Die Türen können komplett aufgeklappt und außen an die Seitenwände angelegt werden. So wird der Schrank zur offenen Bar – mit verspiegelter Rückwand, Böden aus Glas und LED-Beleuchtung. Auch wenn die Arbeit des Münchners (Schönbuch) instabil wirkt, so ist sie dennoch standfest. Der obere Teil aus Holz ruht auf einem massiven Gestell aus Metall.

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Pin Der Franzose Marc Venot hat sich von einem Notenblatt zu seiner Garderobe (Schönbuch) inspirieren lassen. Die Haken bestehen aus schwarzlackiertem Holz, das untere Ende aus poliertem Messing. Befestigt sind sie an einem Rahmen aus Metall. Pur und poetisch sollte sein Entwurf sein. Und praktisch: Die Stifte lassen sich herausklappen, so dass Mäntel, Schals und Mützen noch leichter aufgehängt werden können.

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Ovolo Der Schreibtisch hat einen abgerundeten Knick. Allerlei Krimskrams lässt sich darin unterbringen. Der Züricher Designer Moritz Schmid hat die Arbeitsfläche seines Vierbeiners (Röthlisberger Kollektion) mit Linoleum über zogen. Das Pult selbst besteht aus Räuchereiche, also Eichenholz, das mit Ammoniak begast wird und einen dunkleren Ton annimmt. Die Rückwand ist magnetisch – zum Anheften von Notizen.

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Leya Swing Seat Ein Stuhl mit extrem weicher Polsterung sollte es sein. So entstand Leya, den das Hamburger Designer-D uo Hoffmann Kahleyss (Birgit Hoffmann und Christoph Kahleyss) für Freifrau entworfen hat. Leya kann auf einem Fuß oder mehreren Beinen stehen, es gibt ihn als Sessel mit oder ohne Armlehnen, als Sofa, Barhocker und nun auch als Schaukelstuhl –allerdings ohne Kufen. Er wird an die Decke gehängt.

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Maschienenleuchte In Köln wird in diesem Jahr die Leuchtenmarke Midgard wiederbelebt. 1919 vom Ingenieur Curt Fischer im thüringischen Auma gegründet, ist das in der DDR enteignete Unternehmen vor allem für die erste bewegliche „Lenklampe“ bekannt. Die Leuchte aus Bauhauszeiten wir dnun in alter Tradition produziert – originalgetreu mit den historischen Werkzeugen.

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Vintage Pendants Balada &Co. gibt es erst seit zwei Jahren. Hinter dem Leuchtenunternehmen steckt allerdings ein „Solopreneur“: Christian von Petersdorff, Gründer, Inhaber und Designer in einem. Vor einem Jahr präsentierte der Münchner seine Debüt-K ollektion, nun stellt er in Köln seine Vintage-Leuchten vor – aus handgebogenem Vierkantstahl, um die ein Matt-Krepp- Gewebe gespannt wird. Die Stoffe sind abnehmbar und waschbar.

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Panton Chair Ein Stuhl ohne Hinterbeine – daran arbeitete Verner Panton schon während seines Studiums. Vor einem halben Jahrhundert brachte der Däne dann seinen Freischwinger aus Kunststoff auf den Markt. Sein Entwurf zählt seither zu den bekanntesten Möbelentwürfen überhaupt. Zum Jubiläum bringt Vitra eine limitierte Ausgabe des S-förmigen Stuhls heraus, im sommerlichen Farbton Sunlight.

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Oki Marmor steht wie kaum ein anderes Material für Härte und Beständigkeit. Das liegt natürlich auch daran, dass der Naturstein ein gehöriges Gewicht auf die Waage bringt. Genau das macht seinen Reiz für die Österreicher Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gründl aus, die sich als Designer-Gemeinschaft Eoos nennen. Bei ihnen erscheint die Platte über dem filigranen Gestell (Walter Knoll) schwerelos.

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Roc Wie Arme umschließen die Lehnen jeden, der sich in dem Sessel niederlässt. Schon der Stuhl Roc (das Wort rückwärts gelesen ergibt den Hersteller Cor) von 2015 besitzt eine schützende Schale. Der neue Entwurf von Uwe Fischer will Geborgenheit bieten. Das tut er als Leichtgewicht, um schnelle Ortswechsel im Raum zu ermöglichen. Auf Wunsch gibt es Roc auch als Drehsessel.

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S 18 Der Kreis soll das prägende Element des Beistelltischs von Uli Budde sein. Das Kreismotiv versteht der Berliner Designer als Ode an Bugholzklassiker – damit spielt er auf die runde Sitzfläche des Kaffeehausstuhls von Michael Thonet an. Zugleich verweist die in sich geschlossene Schleife des Untergestells aus Rundstahl auf die Bauhaus-typische Linienführung Marcel Breuers, die man als unendlich empfindet.

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Tama Living Das Sofa von Eoos (Walter Knoll) steht auf schmalen Holzkufen, die Polsterelemente scheinen fast auf dem Boden aufzuliegen. Das österreichische Designer-Trio spielt mit klaren Linien und Symmetrien. Geschickt lassen sich Beistelltische und Abstellflächen integrieren, die, passend, ebenfalls mit feinem Sattelleder bezogen sind. So bildet die Gesamtkomposition eine butterweiche Sitzlandschaft.

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ga stuhl Aus eins mach zwei, und aus zwei mach eins: Das war Hans Bellmanns Idee. 1955 wurde die innovative Arbeit des Schweizers, der am Bauhaus in Dessau und Berlin und danach für Mies van der Rohe gearbeitet hatte, erstmals in Serie hergestellt. Produzent war bis 1970 Horgenglar us. Nun legt die älteste Tisch- und Stuhlmanufaktur der Schweiz den „ga stuhl“ mit zwei halben Sitzschalen wieder auf.

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Frog Mit seinen leicht versetzten Beinen erinnert der Stuhl tatsächlich an einen großmäuligen Frosch, der zum Sprung ansetzt. Ursprünglich stand die Arbeit von Herbert Hirche (1910–2002) in Hörsälen. Nun bringt Richard Lampert den stapelbaren Frog neu heraus. Die Sitzfläche ist geringfügig erhöht, die Rückenlehne weniger geneigt als bei dem Original aus dem Jahr 1958.

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Mesh Regal, Vitrine, Sideboard, Schrank, Schreibtisch: Werner Aisslinger hat mit Mesh ein Möbelprogramm (Piure) entworfen, das gut ergänzt und erweitert werden kann. Die Elemente bestehen aus Aluminiumprofilen, die durch Klappen, Türen und Schubsysteme aus unterschiedlichen Materialien ergänzt werden können. Zum Systembaukasten gehören sogar Büro-Arbeitsplätze.

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Sax Der Tisch stammt schon aus den Neunzigern. Christoph Böninger hat ihn aber für Classicon überarbeitet und stellt ihn in Köln neu vor. Die Tischhöhe ist stufenlos verstellbar. Dafür sorgt ein Scherengestell, das an Gleitelementen befestigt ist, die sich entlang der Tischkante hin und her bewegen können. Einkleiner Dreh genügt, und Sax verwandelt sich vom niedrigen Beistelltisch in einen hohen Servierwagen.

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

Veröffentlicht: 13.01.2017 15:51 Uhr

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