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Designer Grcic im Gespräch : „Wer wäre ich zu sagen: Ich erfinde das Jackett neu?“

  • -Aktualisiert am

Konstantin Grcic führt seit 1991 ein Studio für Industriedesign, seit vergangenem Jahr in Berlin. Er entwirft Möbel und Produkte, aber auch Szenografien für Ausstellungen. Seine Kollektion für Boss ist jetzt online und in ausgewählten Boss-Geschäften erhältlich. Bild: Foto: Simeon Ortmüller

Der Möbeldesigner Konstantin Grcic hat zuletzt Kleidungsstücke für Boss entworfen. Welchen Unterschied für ihn ein Knopf weniger am Jackett macht und warum er den alten Mann für ein gutes T-Shirt-Motiv hält, verrät er im Interview.

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          Herr Grcic, Sie sind eigentlich Möbeldesigner, haben jetzt aber Kleidungsstücke für Boss entworfen. Wie unterscheidet sich diese Zusammenarbeit von Ihren sonstigen Projekten?

          Die Arbeit an diesem Projekt war ganz anders als sonst. Normalerweise fängt ein Entwurf mit der Konzeption an: Was ist das überhaupt, was ich entwerfen will? Für Boss habe ich nicht etwas von Grund auf neu entworfen. Es gab klare Vorgaben: Es sollten ein Jackett und ein Mantel sein, als Teil der Herbst-Winter-Kollektion 2019. Und wer wäre ich zu sagen: Ich erfinde das Jackett neu? Ich habe die Kleidungsstücke mit dem Blick von außen und mit meiner Erfahrung aus verwandten Disziplinen kommentiert, in Form von Interventionen. Mir hat diese Arbeit großen Spaß gemacht, weil ich dabei viel gelernt habe.

          Was für Interventionen sind das?

          Für Hugo Boss ist das Herren-Jackett eines der Schlüsselstücke jeder Kollektion. Mein Entwurf sieht aus wie ein richtiges Jackett und ist auch wie ein richtiges Jackett konstruiert. Die wichtigsten Veränderungen haben wir bei den Taschen vorgenommen. Mit ihnen markieren wir eine Art horizontalen Schlitz am Oberkörper. Deswegen verläuft die Brusttasche auch gerade und nicht wie gewöhnlich schräg. Dasselbe Detail findet sich an den Ärmeln wieder. Außerdem haben wir einen Knopf weggelassen. Das Jackett ist eigentlich ein typisches Zwei-Knopf-Modell, aber den unteren braucht man doch sowieso nicht. Die erste Reaktion des Teams in Metzingen war: Das können wir nicht machen! Für mich war das keine große Sache, aber für Hugo Boss stellte das eine Art Bruch dar.

          Das Thema der Herbst-Winter-Kollektion 2019 ist Reisen. Inwiefern hat das eine Rolle gespielt?

          Wenn man unterwegs ist, hat man viele Dinge dabei, die man nah am Körper tragen möchte. Gleichzeitig leicht erreichbar und gut geschützt. Deshalb haben wir im Jackett so viele Innentaschen untergebracht, wie wir nur konnten. Sie bestehen aus einem durchsichtigen Material und sind eingeklebt, nicht genäht. Genauso beim Mantel, nur dass einige der Taschen hier mit Reißverschlüssen geschlossen werden.

          Urbanes Artwork: Konstantin Grcic für Boss Bilderstrecke
          Shirts von Konstantin Grcic : Für Hugo Boss

          Was macht den Mantel sonst noch aus?

          Den Mantel kann man auf zwei Arten tragen. Wenn man die Front wie ein Revers umklappt, wirkt er wie ein richtiger Mantel. Geschlossen, mit hochgeklapptem Kragen, wirkt er wie ein Outdoor-Teil, sehr funktional.

          Sie haben auch mit Illustrationen gearbeitet.

          Es gibt diese Figur des alten Mannes mit Mantel und Hut, die ich schon vor vielen Jahren erfunden habe. Er taucht in der Kollektion auf den Innentaschen auf und in drei Illustrationen für T-Shirts. Ich finde, der alte Mann ist eine interessante Figur. Einerseits hat er viel Lebenserfahrung, er ist weise. Andererseits ist er ein wenig befremdet. Ab einem gewissen Alter halten wir ja nicht mehr mit den neuesten Entwicklungen mit, zum Beispiel in der Technologie. Die Zeichnungen haben etwas Schrulliges. Ich sehe das als etwas sehr Spielerisches.

          Warum hat Hugo Boss Sie denn gefragt?

          Wir haben schon einmal zusammengearbeitet, bei der Gestaltung der Yacht für den britischen Segler Alex Thomson, mit der er an der Vendée Globe teilgenommen hat. Boss ist Thomsons Sponsor und lud mich ein, das Äußere des Boots zu gestalten. Sie wussten also, dass man mit mir gut zusammenarbeiten kann. Weil es mir nicht darum geht, nur mein eigenes Ding durchzuziehen. Ich versuche immer, mich stark auf eine Kooperation einzulassen.

          Sie haben schon mehrfach für Modeunternehmen gearbeitet, etwa für Prada oder kürzlich für das junge Label Aeance. Was interessiert Sie an Mode?

          Mode mag und verfolge ich, aber ich bin nicht Teil der Modewelt und habe auch keine Ambitionen, Mode zu machen. Was mich interessiert, ist Kleidung, sie ist essentiell, hat viel mit unserem Körper zu tun und ist Ausdruck davon, wer wir sind und was wir sein wollen. Es gibt so viele Parallelen zum Produktdesign. Das gilt auch für das rein Handwerkliche: Man baut etwas aus einem Material. Ich habe schon seit 15 Jahren eine Nähmaschine im Büro, wir nähen viel. Die Frage ist: Wie geht es jetzt weiter? Nach diesen Erfahrungen möchte ich gerne Möbel aus Stoff machen. So wie man eine Jacke konstruiert, könnte man ja auch Möbel konstruieren – denke ich mir jedenfalls. Das wird Spaß machen.

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