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Möbel-Label TYP : Zwei in Einem

  • -Aktualisiert am

Die Stühle von Erich Dieckmann sind zum Großteil in Vergessenheit geraten. Bild: Mafalda Rakos

Bezahlbares Autorendesign, produziert in Europa: Typ heißt die neue Möbelmarke von Helen Thonet und Florian Lambl. Dafür haben sie vergessene Entwürfe aus dem Archiv geholt.

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          Am Anfang stand der Stuhl. Als Helen Thonet und Florian Lambl beschlossen, gemeinsam eine Möbelfirma zu gründen, hatten sie nicht den großen Plan oder die schlaue Strategie. Aber sie hatten einen Stuhl, genauer: die Stuhlentwürfe Erich Dieckmanns, die sie für sich entdeckt hatten. Dieckmann gilt als einer der einflussreichsten Möbelgestalter der ersten Jahrhunderthälfte. Er hatte am Weimarer Bauhaus eine Tischlerlehre absolviert und leitete später die Tischlerwerkstätten der Staatlichen Bauhochschule Weimar und der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein Halle. Von den Nationalsozialisten entlassen, starb er schon 1944.

          Anders als Marcel Breuer, dessen Stahlrohrmöbel bis heute in großer Zahl produziert werden, gerieten Dieckmanns Arbeiten in Vergessenheit, nur das Fachpublikum kennt heute noch seinen Namen. Das wollten Helen Thonet und Florian Lambl unbedingt ändern. „Dieckmann hat es verdient“, sagt Thonet. Im Oktober starteten sie die neue Möbelmarke Typ. Teil der ersten Kollektion: drei Stuhlmodelle von Dieckmann aus Holz, D1, D1+ und D2. So kurz und nüchtern die Produktnamen sind, so langwierig und komplex war es, die historischen Entwürfe in die Gegenwart zu holen. Dabei bringen die beiden Gründer einiges an Erfahrung in der Branche mit: Helen Thonet ist bei Thonet für Echtheitsbestimmung alter Modelle zuständig, sie hat in die Möbeldynastie eingeheiratet; und der studierte Kommunikationsdesigner Florian Lambl baute als Artdirektor die italienische Möbelmarke Mattiazzi mit auf. Am Ende dauerte es trotzdem drei Jahre, bis die Dieckmann-Stühle reif für die Serienproduktion waren.

          Wien: Florian Lambl nahe ihres provisorischen Showrooms; der eigene TYP-Showroom soll 2022 eröffnet werden.
          Wien: Florian Lambl nahe ihres provisorischen Showrooms; der eigene TYP-Showroom soll 2022 eröffnet werden. : Bild: Mafalda Rakos

          Ein Erfolg trotz anfänglicher Komplikationen

          „Wir haben viele Rückschläge erlebt“, erinnert sich Thonet, die in Wien lebt, wo Typ seinen Sitz hat. Beim Gespräch in Lambls Berliner Büro ist sie per Videocall zugeschaltet. „Unsere ersten Prototypen waren schlicht zu groß“, ergänzt Lambl. Sie hätten lange keinen der Stühle im Original zur Verfügung gehabt, weil die wenigen erhaltenen Stücke schlichtweg viel zu teuer seien. „Als wir irgendwann doch einen kaufen konnten, haben wir gemerkt: Sie sind ja viel filigraner“, sagt der Designer.

          Mit der Begeisterung für Erich Dieckmann kam Typ also in die Welt – Typ übrigens deutsch ausgesprochen wie „der Typ“. Doch als die Pandemie 2020 das Leben zum Stillstand brachte, mussten Helen Thonet und Florian Lambl den Start der Marke verschieben. Sie nutzten die Gelegenheit, weitere Entwürfe zur Serienreife zu bringen. Neben den drei Dieckmann-Stühlen gehören zur ersten Kollektion nun Sitzmöbel des Bauhaus-Meisters und Künstlers Josef Albers, ein Sofa der 2020 gestorbenen italienischen Architektin und Designerin Cini Boeri und ein Stahlrohrstuhl aus den Dreißigerjahren namens PEL, in einer vom britischen Designer Jasper Morrison verantworteten Version.

          Wiederentdeckt haben die beiden Gründer Helen Thonet und Florian Lambl auch Stühle
von dem Bauhäusler Josef Albers.
          Wiederentdeckt haben die beiden Gründer Helen Thonet und Florian Lambl auch Stühle von dem Bauhäusler Josef Albers. : Bild: Mafalda Rakos

          In seinem Berliner Büro hat Lambl mehrere Prototypen und erste Serienmodelle um sich versammelt. Zwischen Schreibtisch, Sofa und Stuhlstapeln bleibt kaum noch freie Fläche. Beim Gespräch sitzt er auf einem PEL mit schwarzem Gestell und olivfarbener Bespannung. Der so einfach wirkende Stuhl erwies sich ebenfalls als ziemliche Herausforderung. Ursprünglich 1931 vom österreichischen Gestalter Bruno Pollock entworfen, produzierte die britische Firma Practical Equipment Ltd (daher PEL) den Stuhl seit 1934 in verschiedenen Varianten. Dabei war es noch der leichteste Teil der Aufgabe, den durchaus eigensinnigen Jasper Morrison für eine Überarbeitung zu gewinnen: Thonet und Lambl hatten gehört, dass der Brite schon lange ein großer Fan dieses Modells ist, er sagte binnen eines Tages zu. Als Problem stellte sich aber die textile Bespannung des Stuhls heraus. PEL sollte draußen so gut wie drinnen funktionieren, die Gründer mussten lange nach einem dafür geeigneten Canvasstoff suchen. Und während früher die Stücke für Rücken und Sitzfläche passgenau einzeln gewebt wurden, gibt es den Stoff heute nur noch von der Rolle. Lambl holt einen der PEL-Prototypen und zeigt, wie sie die Befestigung des Stoffs am Rahmen ausgetüftelt haben. Die Details von Wien und Berlin aus mit Jasper Morrison in London zu entwickeln, zog sich wegen Brexit und Corona hin. „Das waren zum Teil sehr lange Prozesse“, sagt Thonet.

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