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Möbel : Blühendes Kerbholz aus Bosnien

Geschnitzte Blüten: Tisch „Daisy“ von Salih Teskeredzik mit altbosnischem Muster. Bild: Zanath

Zwei Brüder führen in vierter Generation ein Familienunternehmen, das Möbel mit Hilfe einer einfachen Schnitztechnik herstellt. Nur noch wenige Künstler beherrschen dieses Handwerk.

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          Sein Bericht über die wirtschaftliche Zukunft Palästinas und wie viel die „Zone C“ im Westjordanland als blühende Landschaft zu ihr beitragen könnte, machte Schlagzeilen. Immerhin geht es um 3,5 Milliarden Dollar, das entspricht 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der palästinensischen Autonomiegebiete. Für ein kleines Land ist das eine enorme Summe, die Palästina aber nicht zugute kommt, weil die „Zone C“ weiterhin kaum entwickelt werden darf. Orhan Niksic, Autor der Studie, arbeitet eigentlich für die Weltbank. Doch er führt auch mit seinem Bruder ein Unternehmen, das auf seinen Urgroßvater zurückgeht. Gano Niksic entdeckte vor mehr als 100 Jahren in der Nähe der bosnischen Stadt Konjic eine im Grunde sehr primitive Technik, Holz zu dekorieren. Mit einem Hohlbeitel werden Kerben ins Holz geschnitzt und geschlagen, die sich am Ende zu Mustern in Form zum Beispiel von Bordüren oder Blumen zusammenfügen.

          Die Kerben von Zanath ergeben dekorative Blütenmuster. Bilderstrecke
          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das alte Handwerk wäre vielleicht längst in Vergessenheit geraten, hätte Gano Niksic’ Sohn Adem daraus nicht ein gutgehendes Geschäft gemacht. Seine aufwendig gearbeiteten Möbel sind noch heute in Villen und Museen vor allem in Sarajewo, aber auch im Rest des Landes zu finden. Allerdings fiel es der Schnitzer-Familie Niksic in kommunistischen Zeiten und während der Balkankriege schwer, ihren Familienbetrieb aufrechtzuerhalten. In vierter Generation führen nun die Brüder Orhan und Adem Niksic zusammen mit einigen Freunden das unter neuem Namen firmierende Unternehmen Zanat. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, den bosnischen Konjic-Stil, wie sie die Schnitzkunst nennen, die nur noch wenige Künstler in der Region beherrschen, am Leben zu erhalten. Einen ersten Etappensieg haben sie schon errungen: Die bosnische Regierung hat ihr Handwerk für eine Aufnahme auf die Unesco-Liste des Welterbes nominiert.

          Die Niksic-Brüder wollen aber nicht nur die geschnitzten Möbel ihrer Vorväter vermarkten. Im Januar haben sie eine Kollektion mit neuen Entwürfen von skandinavischen Designern vorgestellt, darunter das „Branch (Marked) Sofa“ von Gert Wingårdh und Sara Helder aus Schweden und der bequeme Sessel „Igman Lounge Chair“ vom Finnen Harri Koskinen. Modern solle Zanat werden, sagt Orhan Niksic. Und modern ist Koskinens Holzsessel mit seinen dicken Polstern aus weichem Leder – auch wenn die Armlehnen auf altbosnische Weise verziert sind.

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