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  • Modewoche in New York

    Yeezy ist einfach nur cheesy

  • Die New Yorker Modewoche beginnt mit einigen Entdeckungen und manchen Nullnummern. So richtig negativ fällt aber nur ein prominenter Rapper auf. Eine Bilderstrecke mit Kommentaren.

    Von ALFONS KAISER

  • Tommy Hilfiger Er hat natürlich wieder alles richtig gemacht. Tommy Hilfiger, der vor einem halben Jahr ins Rentenalter gekommen ist, aber fröhlich weiterarbeitet, nimmt alle Trends mit. Erstens „see now, buy now“ – alles, was an diesem Abend an Pier 16 auf Höhe des South Street Seaport zu sehen ist, kann man sofort im Geschäft und übers Netz kaufen. Zweitens Promis in der ersten Reihe: Von Pop-Stern Taylor Swift bis Im-Kreis-Fahrer Lewis Hamilton machten viele bekannte Gesichter Werbung für sich und für Tommy. Drittens Zusammenarbeit mit Instagram-Stars: Übermodel Gigi Hadid durfte 36 der 72 Looks für Tommy entwerfen, und sie bedankt sich für die Ehre (und das Geld) mit einigen schönen Posts für die 22,6 Millionen Fans, die ihr folgen. Viertens gute Stimmung: Eine Schau am Abend, noch dazu unter freiem Himmel und mit Catering, finden alle toll. Tommy hat alles richtig gemacht. Aber in die Modegeschichte geht er damit trotzdem nicht ein.

    AP
  • Akris Albert Kriemler, gerade in New York mit dem Preis „Artistry of Fashion“ ausgezeichnet, wollte der Stadt seiner Träume etwas zurückgeben – also ließ er seine Akris-Schau in Manhattan über die Bühne gehen und widmete sie auch noch der lange vergessenen und nun endlich wiederentdeckten New Yorker Künstlerin Carmen Herrera. Die frische Brise dieser Sommerkollektion passt gut hierher: Längsstreifen als Leitmotiv, überraschende „ripped“-Hosen mit Schlitz am Knie, viele Lochmuster und schöne Reißverschlussdetails. Die Schau ist auch passend, um in Amerika sichtbar zu bleiben, wo viele Läden die Schweizer Marke führen. Aber schon nächstes Mal wird er seine Mode wieder in Paris zeigen. Dort gehört sie, ehrlich gesagt, auch hin.

    AFP
  • Jason Wu Was für ein Stress! Am Freitag präsentierte das ewige Wunderkind Jason Wu seine eigene Kollektion, am Mittwoch geht er für Boss auf die Bühne. Seine Marke hat sich durch die Arbeit an den Boss-Damen schon verändert, wie man auch an dieser Kollektion sieht: Die Looks sind mit der vielen Spitze noch filigraner, mit den Blütenstickereien noch aufwendiger (und teurer), und mit den See-through-Kleidern auch etwas gewagter geworden. Nur die glänzenden Technostoffe könnten schwierig sein. Denn was auf dem Laufsteg viel verspricht, hält oft im Alltag wenig.

    AFP
  • FTL Moda Es ist wie am Mount Everest: Jeder darf hinauf. Schwangere, Alte, Dicke, Magersüchtige, Kinder, Behinderte – alle waren schon auf dem Laufsteg der New Yorker Modewoche. Und nun eben ein Säureopfer. Das ist ein schönes Symbol dafür, dass sogar in der Glamourbranche integrativ gedacht wird. Aber der Auftritt der von einer Säure-Attacke gezeichneten Inderin Reshma Qureshi für FTL Moda hat trotzdem einen bitteren Beigeschmack. Natürlich war die Neunzehnjährige, die vor zwei Jahren von ihrem Schwager und dessen Freunden mit Säure übergossen wurde, als sie sich schützend vor ihre Schwester stellte, stolz auf ihren Auftritt. Aber dass sich hinter dieser „Plattform junger italienischer Designer“ eine Marketingagentur versteckt, die vor allem auf sich selbst aufmerksam machen möchte – das sollte langsam zu der Frage führen, ob hier ein Opfer noch einmal zum Opfer gemacht wird.

    AFP
  • Diane von Fürstenberg Diese Frau macht natürlich weiter. Wenn nun der schottische Designer Jonathan Saunders bei „DVF“ entwirft, heißt das nicht, dass Diane von Fürstenberg aufhört. Die Erfinderin des Wickelkleids, die im neuen Jahrtausend eine Renaissance erlebt und an Silvester 70 Jahre alt wird, braucht nur ein bisschen Hilfe. Und Saunders, der seine eigene Marke Ende vergangenen Jahres aufgegeben hat, ist der richtige Mann dafür. Denn er macht natürlich weiter mit Wickelkleidern, macht sich in all seinen Variationen aber auch ein bisschen lustig darüber. Und er führt den Mustermix der Marke weiter, ist aber gar nicht erst in die Archive hinabgestiegen, um den Vorstellungen der „grand old lady“ zu entsprechen. Saunders hat ein gutes Gespür für poppige Farben und krasse Kontraste. In seinem neuen Job kann er es ausleben.

    Reuters
  • Yeezy Wie cheesy! Yeezy will einfach immer auch Kunst sein. Und ist am Ende nicht einmal Mode, sondern nur artifiziell und sogar peinlich. Kanye West, eigentlich Rapmusiker, und zwar ein ziemlich guter, ist leider kein Universalgenie. Also ist auch „Yeezy Season 4“ ein gespreizter Auftritt, bei dem nur die Aussicht im Four Freedoms Park auf Roosevelt Island überzeugen kann – nicht jedenfalls die fleischfarbene Unterwäsche der von Vanessa Beecroft arrangierten Models, von denen zwei wegen der Hitze unter freiem Himmel dann auch noch zusammenbrachen. Diese Mode muss nicht sein, nein, nein, nein.

    AP
  • Lacoste Eine französische Marke in New York – in diesem Fall, und fast nur in diesem, passt das hervorragend. Denn Sportswear versteht in Amerika jeder. Felipe Oliveira Baptista, der aus Portugal stammende Lacoste-Chefdesigner, ist aber smart genug, den sportiven Charakter der vergangenen Saisons mit Design zu brechen. Witzig die knallgelben Regencapes aus Plastik und geradezu paradigmatisch die Jogginghosen, deren Zierstreifen man als Galon eines Smokings oder als sportive Stoffstreifen à la Adidas interpretieren kann. Man könnte sie also beim Sport, im Büro oder auch bei einer Party tragen. Die Sport-Mode-Verbindung, wie Adidas und Puma sie vorgemacht haben – Lacoste kriegt sie inzwischen auch ganz gut hin.

    AFP
  • Thakoon Die vielen Asian-Americans unter den New Yorker Designern sind für so tragbare wie perfekte Mode bekannt. Manchmal fehlt aber die anarchische Power. Thakoon Panichgul, der in Thailand geboren wurde, in Nebraska aufwuchs und seit zwölf Jahren in New York seine Marke aufbaut, bringt schon durch seine ländliche Jugend in der amerikanischen Pampa irritierende Elemente wie rustikale Karohemden oder tantenhafte Blümchenkleider ins Spiel. Diese Kollektion ist eine wunderbare Mischung aus fein und grob, zart und rauh. Zudem noch hervorragend gestylt: ein Fest für die Augen.

    AP

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 11.09.2016 14:09 Uhr