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Label Kate Spade : Wie eine Frau ein Modeimperium erneuert

  • -Aktualisiert am

Vor der Schau: Chefdesignerin Nicola Glass während der Generalprobe zur Präsentation im Februar in New York. Bild: AFP

In den Neunzigern machte sich Kate Spade in Rekordzeit einen Namen. Nicola Glass, die heutige Chefin der Marke, tickt anders als die Gründerin – und nimmt sich doch ihres Geistes an. Ein Treffen in New York.

          Nicola Glass ist anders, als man sich eine Kate-Spade-Frau vorstellt. Letztere lebt wahrscheinlich an der Upper East Side oder in München, trägt statt Hosenanzügen eher Röcke und Blusen zur Arbeit, manchmal auch von Michael Kors und Tory Burch. Die Kate-Spade-Frau ist eine Frau von verspielter Klasse; sie ist eine, die sich bei der Auswahl ihrer Lockenwickler hat beraten lassen.

          Nicht so Glass, die neue Chefdesignerin der Marke. In ihrem Büro an der Park Avenue in New York sitzt sie an einem Glastisch, der von modern-schlichten Möbeln umstellt ist. Rosa Plüschsessel gibt es hier auch, doch irgendwie passen sie nicht ganz zu der zierlichen Frau, die mit ihrem markanten Undercut und dunklen Eyeliner einen Hauch von rebellischer Coolness mitbringt, der eigentlich nicht zum Repertoire der treuen Kate-Spade-Kundin gehört. Ihre größte Inspiration, sagt Glass, sei die irische Architektin und Möbeldesignerin Eileen Gray, die für ihre industriell-abstrakten Kreationen bekannt ist. Glass selbst, die an diesem frühen Frühlingstag ein langes Sommerkleid mit einer lässig-eleganten weißen Jacke kombiniert, beschreibt ihren Kleidungsstil als „feminin mit Kante“.

          Moderne Lockerheit erhält Einzug

          Es ist genau dieser Ansatz, mit dem sie im Januar vergangenen Jahres die Regie bei Kate Spade übernommen hat. Die Nicola-Glass-Variante der Kate-Spade-Frau bleibt zwar der Marke treu, doch sie trägt auch dunkelgrüne Hosenanzüge aus Cord, locker geschnittene knallblaue Jeans und Retro-Muster, wie sie im Museum of Modern Art hängen könnten. „Ich wollte diese moderne Lockerheit in die Kollektion bringen“, sagt Glass, „aber trotzdem bewahren, wofür die Marke bekannt ist.“ Denn natürlich sind auch die verspielten, rosa und gelben Kleider noch da, mit Rüschendetails am Kragen und Blümchenmustern hier und da. Glass spricht von einer gewissen „Elektrizität – die Marke hatte immer schon feminine Details, aber ich wollte mich diesen auf einem anderen Weg nähern“, sagt sie.

          Pik als Drehverschluss: Das Logo erinnert an die Namensgeberin Spade. Aber die Tasche hat Glass entworfen.

          Dem Modehaus tut es gut – denn von dem Gründerinnen-Geist der Marke, welche die Jungdesignerin Kate Spade 1993 in New York als Rebellion gegen die damals konventionellen Frauenhandtaschen ins Leben gerufen hatte, war zuletzt nicht viel übrig geblieben. Glass, deren Vorgängerin Deborah Lloyd zehn Jahre an der Spitze des Hauses gestanden hatte, bringt Kate Spade also somit ein Stück weit zurück zur Kernidee. Die Gründungsgeschichte der Marke, sagt sie, sei „inspirierend“, „eine Geschichte, die auf viele Frauen wirkt“. Spade, die damals den Weg frei machte für andere weibliche amerikanische Designerinnen ihrer Generation, sei eine „Vorkämpferin“ gewesen, sagt Glass.

          Sie selbst konnte damals in Großbritannien, ihrem Heimatland, nur von Spades Erfolgen lesen; davon, wie ihr Name innerhalb von wenigen Jahren dort jeder Frau ein Begriff geworden war, oder davon, wie sie und ihr Ehemann Andy in New York eines der bekanntesten Taschenunternehmen des Landes aufbauten, dessen Modelle so luxuriös wie erschwinglich waren, dass sie als Requisiten in „Sex and the City“ funktionierten und zugleich in den Geschäften der Malls im Mittleren Westen angeboten wurden. Die Kate-Spade-Frau zu jener Zeit war Kate Spade, eine Unternehmerin und eine Ehefrau, die aus dieser Perspektive auch diverse Stilbücher für ihre Fans schrieb. Schon wenige Jahre nach Gründung, 1996, stieg die amerikanische Kaufhauskette Neiman Marcus bei Kate Spade ein, im Jahr 2007 verkauften die Spades ihre letzten Anteile, ließen das Unternehmen hinter sich und begannen, eine zweite Marke aufzubauen, der es an fröhlichen Farben ebenso wenig fehlte wie der ersten.

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