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Label Kate Spade : Wie eine Frau ein Modeimperium erneuert

  • -Aktualisiert am

Treffen kann auch Nicola Glass, die heute in ihren späteren Vierzigern ist, die Gründerin und Namensgeberin Kate Spade nicht mehr. Diese nahm sich im Juni vergangenen Jahres im Alter von 55 Jahren in ihrer Wohnung in New York das Leben. Die Vorstellung von Glass’ erster Kollektion für das Haus war für die New Yorker Modewoche nur drei Monate später angesetzt. Auf den Platzkarten der Schau wurde an Spades „Funkeln“ erinnert, das sie „überall, wo sie hinging, hinterließ“. Auch Glass betont im Gespräch immer wieder, wie wichtig ihr der Kern der Marke sei. Das machte sich nicht zuletzt auch an der Führung bemerkbar: Wenn Kate Spade in den frühen Neunzigern von einer Frau erdacht wurde, dann sind dafür heute eine Geschäftsführerin und die Chefdesignerin Glass verantwortlich. Bei wenigen Marken in der Mode ist das der Fall.

Eigene Looks statt Einheitsstil

Nicola Glass sagt, sie möge es nicht, wenn „die Dinge übermäßig gestylt“ daherkämen, und finde es wichtig, dass es Frauen in ihren Kleidern bequem hätten. In ihren bisherigen Kollektionen hat sie daher weichere Stoffe verwendet und die Models auf dem Laufsteg als Individuen präsentiert, jede in einem ganz eigenen Look, statt wie oft im Einheitsstil, des schönen Bildes auf den Fotos wegen.

Anders und doch gleich: Einer der neuen Looks von Chefdesignerin Glass.

Die neue Chefdesignerin wird auch so offen und unvoreingenommen an die Arbeit gehen, weil sie bislang in der Mode andere Aufgaben hatte. Mit der Frühjahrslinie 2019, die sie im September vorstellte und die seit einigen Wochen weltweit erhältlich ist, zeigte sie ihre erste Kleiderkollektion überhaupt. Zuvor war die gebürtige Nordirin Chefdesignerin für Accessoires bei Michael Kors gewesen. Dort hatte sie im Jahr 2004 angefangen, hatte davor für Gucci in Italien gearbeitet. Sie hat in London und Edinburgh studiert, ist gelernte Schmuckdesignerin. Dennoch sagt sie, jetzt für Kate Spade zum ersten Mal Kleider zu entwerfen sei eine „natürliche Evolution dessen, was ich davor gemacht habe“.

Die Seiten wechselte sie trotzdem, denn Michael Kors gehört zu Capri Holdings, und das wiederum konkurriert mit dem Modekonglomerat Tapestry, das Kate Spade im Jahr 2017 aufkaufte. Auch unter dessen Führung wird aus der ehemaligen Handtaschenmarke für Amerikanerinnen ein Unternehmen, das sich mit seiner Mode an Kunden auf der ganzen Welt richtet. Mehr als 175 Geschäfte sind es mittlerweile, 140 davon zwar in der Vereinigten Staaten, aber auch hierzulande ist die Marke zunehmend präsent. Am kommenden Freitag eröffnet der erste Kate-Spade-Store in Deutschland, in München.

Das Erbe von Spades ursprünglicher Geschäftsidee steht trotz der Modernisierungen von Nicola Glass nicht auf der Kippe. Auch wenn diese nun ihre Spuren hinterlässt. Die erste von ihr entworfene Handtasche hat sie nach ihr selbst benannt, es ist die „Nicola Bag“. Aber das Logo der Marke, ein Pik, dessen englische Übersetzung spade ist und somit an die Namensgeberin erinnert, ist hier zum Drehverschluss umfunktioniert. So kommt beides zusammen, der Geist der Gründerin und die Ideen der Nachfolgerin.

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