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Modenschau von Max Mara : Nofretete ist nicht allein

Die Resort-Kollektion trägt inzwischen viel zum Umsatz bei. Bild: Max Mara

Zum ersten Mal findet eine Modenschau im Neuen Museum in Berlin statt: Die Marke Max Mara und ihre Resort-Kollektion passen dahin.

          „Man weiß nie, wen man vor sich hat.“ Nicola Gerber Maramotti ist über den Hosenanzug im Bilde. „Der große Vorteil der eher männlichen Garderobe: Wenn man einen Tuxedo trägt, geht man auf Nummer sicher – vor allem, wenn man sich als Frau behaupten muss.“ Man weiß schließlich nie, welche Männer man vor sich hat.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nicola Gerber, die aus Hannover stammt, Wirtschaft studierte, das Wempe-Geschäft in New York leitete und in die Textildynastie der Maramottis in Reggio Emilia heiratete, muss es wissen. Denn sie ist bei Max Mara für Handel zuständig und hat es in der Führungsetage der italienischen Modemarke vor allem mit Männern zu tun – unter anderen mit ihrem eigenen Mann, Ignazio, und dessen Bruder Luigi, denn die Brüder führen das Unternehmen, das ihr Vater Achille Maramotti 1951 gegründet hat. Da schadet „rigore“ nicht, wie sie es – nach fast drei Jahrzehnten in Italien – nennt, also die Strenge der klaren Linien, für die Max Mara schon immer bekannt war.

          Am Montagabend hat die architektonische Strenge ihr passendes Umfeld gefunden: Im Neuen Museum in Berlin zeigt Max Mara die Resort-Kollektion, die inzwischen viel zum Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro beiträgt. Zum ersten Mal überhaupt ist eine Modenschau in dem Museum zu sehen, das von David Chipperfield spektakulär renoviert und vor zehn Jahren eröffnet wurde.

          Wie eine Rückkehr nach Hause

          Designer Ian Griffiths nutzt die Atmosphäre: Der oft kreideweiße Look passt in jedem Wortsinn. Ute Lemper führt einen Smoking mit weiter Palazzo-Hose vor, Carolyn Murphy einen Marlene-Dietrich-Mantel aus Doubleface-Kaschmir und Wolle – im monumentalen Treppenhaus, das hoch zu Nofretete führt. Nicht zuletzt inspirierten die Bronzezeit-Artefakte des Museums die skulpturalen Armreifen, Ketten und Ohrringe, die in Zusammenarbeit mit Schmuckdesignerin Reema Pachachi entstanden sind.

          Für Nicola Gerber Maramotti ist der Abend wie eine Rückkehr nach Hause. Als Anregung, so erzählt sie nach der Schau beim großen Dinner, dienten die beiden Berlin-Ikonen Marlene Dietrich und David Bowie, „vor allem die Looks, die Marlene trug, und die Emanzipation, für die sie schon damals stand“. Marlene hat ja sogar der Hose, die an diesem Abend auch im Publikum so oft zu sehen ist, ihren Namen gegeben. Und noch eine deutsche Referenz und Reverenz: Die Schultern des Carolyn-Murphy-Mantels sind mit Blumen bestickt, nach Meissener-Porzellan-Muster.

          „Modern und antik, dieses Museum hat das alles in sich“, sagt Nicola Gerber Maramotti – und denkt auch an ihren Schwiegervater, der die Strenge alter Uniformschnitte zur weiblichen Emanzipation nutzte. „Er spürte sofort, dass ich nicht glücklich würde, wenn ich nur im Garten des Schlosses von Matilde di Canossa, wo wir wohnten, herumspaziere.“ Also gab er ihr gleich mal Aufträge fürs Unternehmen. Auch Karl Lagerfeld, der einst für Max Mara arbeitete, habe über ihren Schwiegervater gesagt: „Ein großer Mann, von dem ich viel gelernt habe.“

          Die drei Töchter und der Sohn von Nicola und Ignazio Maramotti haben ihren „nonno“, der 2005 gestorben ist, ebenfalls verehrt. Alle vier sind mittlerweile volljährig, und alle haben schon in Düsseldorf, Paris oder Reggio Emilia hinter der Ladentheke gestanden. „Sie mussten nicht, sie haben das freiwillig gemacht“, sagt ihre Mutter. „Die Kinder haben die freie Wahl zu machen, was sie wollen.“

          Aber was sollen sie schon machen bei diesem Vorbild? Nicola Gerber Maramotti selbst ist dauernd in Max-Mara-Läden zu sehen. Leider kennen die meisten Verkäufer sie schon. „Ich war gerade in Neapel, da sind sie mir schon auf der Straße entgegengekommen.“ So bekannt will man bei der diskretesten Modemarke Italiens nun wirklich nicht sein.

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