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Modenschau im Juli : Auch Dior bleibt im Rhythmus

Im vergangenen Jahr kam das Publikum noch in den Genuss der Dior Cruise Show. Bild: Reuters

Die Pariser Modemarke will die Cruise-Kollektion am 22. Juli auf der Piazza in Lecce vorstellen – ohne Publikum. Das ist eine bemerkenswerte Nachricht.

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          Am 22. Mai wollte Dior in Lecce in der süditalienischen Region Apulien die Cruise-Kollektion vorstellen. Die Präsentation wurde wegen der Corona-Krise abgesagt, aber die Idee nicht verworfen. Wie Geschäftsführer Pietro Beccari am Montag in einer virtuellen Pressekonferenz vor 600 Journalisten ankündigte, wird die Modenschau nun am 22. Juli auf der Piazza in Lecce stattfinden – ohne Publikum.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          In einer Zeit, in der Schauen generell in Frage gestellt werden, ist das eine bemerkenswerte Nachricht. Einige Modemarken sind nämlich wegen der Krise schon aus dem bewährten System ausgeschert. Gucci will nur noch zwei statt wie bisher fünf Kollektionen öffentlich präsentieren. Saint Laurent (wie Gucci Teil der Kering-Gruppe) will keine Kollektion „in den vorgegebenen Terminplänen von 2020 präsentieren“. Modeschöpfer Dries Van Noten forderte seine Kollegen sogar dazu auf, Zwischenkollektionen abzuschaffen – wie zum Beispiel Cruise-Linien, die eigentlich für Kundinnen sind, die über Weihnachten auf Kreuzfahrt gehen, die aber den Jahresrhythmus durcheinander bringen, weil so die Frühjahrsware schon im Spätherbst in den Läden hängt (und die Winterware dann bei schönstem Sommerwetter).

          Dior-Designerin Maria Grazia Chiuri auf der virtuellen Pressekonferenz zur Cruise-Schau.

          An den großen Pariser Marken geht der Wandel, den wegen Corona nun viele herbeiwünschen, wohl vorbei. Auch Chanel veröffentlichte vor zwei Wochen die Cruise-Schau und bleibt bei seinem Rhythmus. Mit Dior hat sich nun eine Marke aus dem LVMH-Konzern zu diesem System bekannt. Beccari machte am Montag deutlich, dass Dior auch die Prêt-à-Porter-Schau im September in Paris veranstalten will, aber vermutlich eingeschränkt wegen des Abstandsgebots. Das könnte ein Signal für weitere Marken sein, die Frühjahrskollektionen im September und Oktober vorzustellen. Bisher galt das nicht als ausgemacht. Auch der Pitti Uomo in Florenz, die größte Herrenmodemesse der Welt, zunächst auf September verschoben, findet nun erst wieder im Januar 2021 statt.

          Ein Zeichen des Neubeginns

          Pietro Beccari wollte zu den Dior-Halbjahreszahlen noch nichts sagen. Gerechnet wird wie bei den meisten Luxusmarken mit starken Umsatzeinbußen wegen der vielen Geschäftsschließungen. Insofern ist die Schau in Apulien ein Zeichen des Neubeginns. Beccari hob aber hervor, die Präsentation sei als Signal an die Zulieferer, Schneiderinnen, Models, Produzenten, Veranstaltungstechniker, Fotografen und Musiker zu verstehen, die eine solche Schau vorbereiten. Viele der Kunsthandwerker, die Dior beschäftigt, sitzen in Italien.

          Große Show: die Präsentation der Cruise Kollektion von Dior im Mai 2018

          Eine besondere Verbindung zu der Region ergibt sich auch durch Dior-Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri. Ihr Vater, dem sie die Kollektion widmen will, stammt aus Apulien. Die Modemacherin hält sich oft in den Ferien in Apulien auf – weshalb sie die Cruise-Entwürfe dort auch schon teils vorbereitet hatte, bevor sie den Lockdown in Rom erlebte.

          Für die französische Marke wird es also eine durch und durch italienische Schau. Außer dem Geschäftsführer und der Designerin stammen auch weitere Zuträger aus dem von Corona gebeutelten Land: Die Künstler Marinella Senatore und Francesco Ruffo werden – wie stets bei Chiuris Design – viel mitzureden haben.

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