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Echtschmuck in der Mode : Ware Liebe

Kaleidoskopisch bis farbenfroh: Bei Dior ist die Haute Joaillerie längst eine Institution. Bild: Hersteller

Lange schlummerte das kostbarste Accessoire. Nun endlich entdecken Modemarken den wahren Wert von Echtschmuck für sich.

          Vögel aus Silber, mal in ihren typischen Retro-Käfigen, mal mit Beute - mit kreisrunder grüner Topaz- und Amethysten-Beute. Wenn die wertvollen Echtschmuckstücke von Salvatore Ferragamo auf den ersten Blick surrealistisch anmuten, dann sollen sie spätestens auf den zweiten Blick alltagsnah sein. „Ich liebe Sonderbares“, sagt die Schmuckdesignerin Daniela Villegas, der kreative Kopf hinter der Vogel-Kollektion. „Aber ich möchte auch, dass meine Kunden Geschichten zu ihren Schmuckstücken zu erzählen haben.“ Deshalb die vielen Tiere: „Denn zu Tieren hat doch jeder etwas zu sagen.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Echtschmuck als Gesprächsstoff. Die lustigen Tiere von Daniela Villegas, die sie für Salvatore Ferragamo entworfen hat, erzählen wirklich viel. Sie sind nicht nur Gesprächsstoff für ihre Besitzer, sie stehen beispielhaft für eine immer größer werdende Luxusbranche, die jetzt Echtschmuck für sich entdeckt. Es war fast noch modemarkenloses Terrain, als Marc Jacobs 2001, damals Chefdesigner bei Louis Vuitton, aus einer Laune heraus ein Charm-Armband mit echten Juwelen fertigen ließ. Das Teil, ein Verkaufsschlager, war drei Jahre lang erhältlich und schließlich doch nicht mehr.

          Eine Studie unterlegt Echtschmuck-Trend

          Dann sprach eine Kundin den Designer im Flugzeug an: ob er nicht mal wieder ein paar neue Charms für ihr Armband entwerfen könne. Also begann die Marke mit einer eigenen Echtschmuck-Kollektion, fertigt seit 2009 sogar Haute Joaillerie. Mittlerweile gibt es nicht nur an der Place Vendôme in Paris, woher der teuerste und schönste Schmuck der Welt kommt, eine Louis-Vuitton-Schmuck-Boutique. Dior unterhält schon lange ein Haute-Joaillerie-Atelier. Auch für Bottega Veneta, Dolce & Gabbana, Versace, Martin Margiela und Salvatore Ferragamo ist das Thema in den vergangenen Jahren wichtiger geworden. Bei Ferragamo läuft die Linie sogar so gut, dass jetzt auch noch für Daniela Villegas' Vögel Platz ist, „die wertvollste Art von Accessoire“, sagt Massimiliano Giornetti, bis Ende März Kreativ-Direktor von Salvatore Ferragamo.

          Lieblich bis beschwingt: Blüten von Louis Vuitton.

          Echtschmuck wird jetzt zum Accessoire für jeden Tag. Er ist somit präsenter im Leben von Frauen, die diese Juwelen nicht nur im Safe hüten. Sie brauchen mithin auch entsprechend mehr Stücke. Also bauen jetzt viele Luxushäuser nicht nur kunterbunte Modeschmuck-Linien auf für den schnellen Spaß, die alle Großtrends unserer Zeit durchdeklinieren, bei deren Teilen dann aber doch mal schnell ein Haken oder eine Öse bricht. Echtschmuck hingegen ist der nächste und glaubwürdigere Schritt - schließlich würden Luxushäuser auch keine Taschen aus Kunstleder fertigen.

          Die Reduktion auf Weniges macht Luxus aus, erst recht für Kunden, die zwischen etlichen Kollektionen eines Hauses pro Jahr den Überblick verlieren oder Sorge haben, dass ihr Kleid aus der Sommerkollektion schon morgen vom Kleid aus der Vor-Herbstkollektion überholt sein könnte. Die Unternehmensberatung McKinsey hat den Markt 2013 untersucht. In ihrer Studie nahmen die Fachleute damals an, dass das Thema innerhalb weniger Jahre um ein Vielfaches wichtiger sein würde. Juwelen-Ohrringe dürften also schon heute mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur von Tiffany oder Cartier sein, sondern ebenso selbstverständlich von Gucci oder Versace.

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