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Ralph Lauren : Ein Mann für die großen Stoffe

Nach 50 Jahren feiert Ralph Lauren seine Modemarke mit einer aufwendigen Show im Central Park. Bild: Helmut Fricke

Ralph Lauren feiert in New York das fünfzigjährige Bestehen seiner Marke. Ein Gespräch mit dem Designer über Gott und die Welt – und Ralph Lauren.

          8 Min.

          „Darf ich?“ Natürlich darf er. Gestern hat er nicht viel gegessen. War es die Aufregung vor der großen Schau? War es der Magen? Oder die Erkältung, die man am Dauerhüsteln erkennt? Egal, Ralph Lauren hat Hunger. Und warum soll das Gespräch in diesem eisgekühlten Bus im Central Park nicht mit einem Biss in einen Salat-Avocado-Wrap beginnen?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Schön, dass es überhaupt beginnt. Denn der Anlauf war lang. Im Jahr 1998 haben wir zuerst ein Interview mit dem legendären Designer angefragt. Da hatte er gerade das dreißigjährige Bestehen seiner Modemarke gefeiert, und wir dachten, das sei eine gute Gelegenheit. War es aber nicht. Seitdem haben wir die Bitte um eine Audienz zweimal im Jahr wiederholt, mal bei den deutschen Pressedamen in München, mal bei den europäischen Pressedamen in Paris, mal bei den internationalen Pressedamen in New York. 20 Jahre, 40 Anfragen. Jetzt, am Nachmittag vor der Feier zu seinem 50. Jubiläum, ist er so weit. Wenn er denn in seinen Salat-Avocado-Wrap gebissen hat.

          Und wenn man überhaupt zu ihm findet. Denn am Eingang zum riesigen weißen Modezelt im Central Park weiß zunächst mal niemand von nichts. Ein Bändchen bekommt hier nicht jeder, aber irgendwann dann doch. Es ist das größte Zelt, das die New Yorker Modewoche je gesehen hat. Backstage sitzen schon vier Stunden vor der Schau 170Models, dazu unendlich viele Model-Dresser, Model-Booker, Casting-Leute, Haar-Spezialisten, Make-up-Leute, Hausfotografen, Marketingmenschen, Schauen-Produzenten.

          Das Leben kann schön sein

          Und wo, please, geht’s zu Ralph? „Hintenraus!“ Hinterm Zelt stehen Touristen. Sie wundern sich, dass gerade zwei Dutzend junge, große, dünne Menschen aus der Tür kommen, um mal hinüberzugehen zur Bethesda Terrace, wo sie testhalber auf den rechten Weg gewiesen werden, den sie am Abend gehen sollen.

          David Lauren ist auch da, der Sohn des Patriarchen, „Executive Vice President for Global Advertising, Marketing and Communications“, aber jetzt in Freizeithemd, Military-Hose und Trekking-Sandalen in Listen vertieft. „So etwas hat es noch nicht gegeben“, sagt er. „So viele Models, so eine Location. Beispiellos!“ 500 Gäste werden kommen, zur Schau mit anschließendem Dinner. Prominente, Champagner, Essen unter freiem Himmel, Septemberstimmung im Park – das Leben kann schön sein.

          Designer Ralph Lauren im Jahr 1977.

          Aber wo ist nun sein Vater? „In diesem Wagen hier“, sagt David Lauren und zeigt auf ein dunkles Gefährt, das aussieht wie eine Kreuzung aus Riesen-Reisebus und aufgeblasenem Wohnmobil. Gleich mal anklopfen? Vielleicht doch besser noch warten. Da! Ein Wink des Assistenten aus der Tür! Schnell die Stufen hoch, und da sitzt er, in Jeans, Jeanshemd und kunterbunten Sneakern, erfrischend unspektakulär für den größten amerikanischen Designer. „Hi!“

          Sein Assistent stellt ihm einen Teller hin: der Salat-Avocado-Wrap. „Darf ich?“ Natürlich darf er. Aber bevor er zubeißt, hat er noch eine Frage: „Welche Schauen haben Sie denn schon gesehen?“ Ist das Höflichkeit? Ein Test? Oder will er nur seine Reibeisenstimme schonen? Also: Heute gab’s eine schöne Schau von Tory Burch, die früher mal für ihn gearbeitet hat. „Sie weiß, wie man’s macht“, sagt Ralph Lauren. „Smart girl, smart girl.“

          Von nichts zum Weltkonzern

          Da müssen wir gleich mal anschließen: Wie kommt es eigentlich, dass so viele Modemacher ihm nacheifern, dass so viele Menschen so sein wollen wie er? „Auch ich werde durch Menschen beeinflusst“, sagt er bescheiden. „Man wird angeregt. Aber dann muss man sein eigenes Ding machen. Man kann es nicht einfach so machen wie jemand, den man toll findet. Man muss die Anregungen zu eigenen Ideen entwickeln – und dann noch mehr entstehen lassen.“

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