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Modemarke Etro : Revolutionärer Paisley

Die Mailänder Marke Etro, im Jahr 1968 von Gerolamo (“Gimmo“) Etro gegründet, wird von seinen vier Kindern Kean, Ippolito, Jacopo und Veronica geführt. Veronica Etro (44) entwirft die Damenmode, Kean Etro (54) die Herrenkollektion. Bild: Etro

Die Geschwister Veronica und Kean Etro über das 50. Jubiläum ihrer Marke, die Faszination für indische Muster, die Chancen eines Familienunternehmens – und den eigenen Nachwuchs.

          Signora Etro, wir können uns auch auf Deutsch unterhalten. Sie haben die Deutsche Schule in Mailand besucht und sprechen die Sprache noch sehr gut.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Veronica: Gerne. Meine Söhne sind jetzt übrigens auf derselben Schule. Einer von ihnen war gerade in den Ferien in Bayern, am Spitzingsee, um die Sprache zu vertiefen. Aber ich weiß nicht, ob Kean das Interview auch so gern in Deutsch machen möchte?

          Kean: Lieber nicht.
           

          Warum haben Sie eigentlich nicht Deutsch gelernt?

          Kean: Ach, nein, das war nichts für mich. Aber meine älteste Tochter Alice war auch auf der Deutschen Schule.

          Veronica: Ja, als ich in die Schule ging, habe ich sie immer mitgenommen in den Kindergarten.

          Kean: Meine drei Söhne sind dann lieber auf die britische Schule gegangen.

          Kollektion zum 50 jährigen Jubiläum: „Etro 50“

          Da wir schon beim Thema Kinder sind, die Schlussfrage vorab: Werden Ihre Kinder eines Tages in der Firma landen, so wie Sie?

          Veronica: Meine zwei Jungs, zehn und 14 Jahre alt, interessieren sich vor allem für Autos. Aber über Social Media sehen sie dann doch, was in der Mode los ist.

          Kean: In einem Familienunternehmen bekommt jeder alles mit. Und selbst wenn die Kinder nicht bei uns arbeiten, kommen sie nicht vom Thema los: Alice, die hier in Mailand Mode studiert hat, arbeitet in der Firma ihrer Mutter, die Stoffe herstellt. Und mein Sohn Joyce ist Marketingspezialist in New York und hat auch schon für uns gearbeitet. Die Kinder kommen auch zu den Modenschauen.
           

          Man kann der Familie nicht entfliehen.

          Kean: Man hat aber immerhin die Wahl. Jedenfalls haben die Kinder alle einen Sinn für Handwerk mitbekommen. Ich will nicht sagen für Business, das Wort mag ich nicht, denn darin steckt das Wort „busy".

          Dabei sind Sie gerade gut beschäftigt. Am 21. September ist Ihre Damenmodenschau für Frühjahr und Sommer 2019. Und am nächsten Tag wird im Mudec-Museum hier in Mailand Ihre Ausstellung "Generation Paisley" eröffnet.

          Veronica: Ja, aber die Damenkollektion habe ich rechtzeitig im Juli abgeschlossen. Wenn man das nicht schafft, wird's eng, weil ganz Italien im August in Urlaub ist.
           

          Ihre Schwester ist sehr gut organisiert, oder?

          Kean: Natürlich! Dies ist überhaupt eine gut organisierte Firma.

          Veronica: Deutsche Disziplin!

          Kean: Ja, wir produzieren selbst, liefern selbst aus und verkaufen selbst, da muss alles reibungslos laufen.

          Veronica: Ich habe auch schon längst mit der Arbeit an Herbst und Winter 2019 begonnen. Unsere Paisley-Muster werden immer noch mit der Hand gezeichnet, das dauert. Last minute können wir nur Kleinigkeiten regeln.

          Von Hand: Etro malt sich seine Muster noch selbst - woher auch immer sie kommen.

          Sie werden mehr mit der Ausstellung beschäftigt sein, Kean, Sie sind ja eine Art Haus-Historiker.

          Kean: Ja. Ich arbeite vor allem an der digitalen Darstellung. Wir haben aber natürlich viele Kuratoren, für die Videos, fürs Licht, für die Werbekampagnen.

          Veronica: Und wir arbeiten an einem Shop für die Ausstellung, mit einer kleinen Jubiläumskollektion: einfachen, lustigen Entwürfen, die nicht so teuer sind. Wir haben Muster aus den fünf Jahrzehnten hervorgeholt. Die Millennials kennen das ja alles gar nicht.

          Kean: Videospiele mit Paisley-Mustern! Heute ist vieles Unterhaltung, und wir wollen die Leute zum Spielen bringen.
           

          Als Sie jetzt zurückgeschaut haben auf die Marke, die Ihr Vater vor einem halben Jahrhundert gegründet hat: Was war die überraschendste Erkenntnis?

          Veronica: Ich bin jetzt erst seit 20 Jahren hier im Unternehmen, mein Bruder seit gut 30. Die Zeit davor war uns recht unbekannt. Da gab es keine Modekollektionen, sondern Etro produzierte nur Stoffe für andere Marken wie Lancetti, Walter Albini, Oscar de la Renta, Ungaro oder Yves Saint Laurent.
           

          Für diese Designer war Ihr Vater der Fachmann für Paisley?

          Veronica: Nicht nur für Paisley! Für alle Muster, von Blumen bis Streifen.

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