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Deutsche Models in New York : „Man muss schon Nein sagen können“

Das Missverhältnis zwischen Schein und Sein wird also noch größer. Daraus erwächst auch eine Verantwortung für Sie. Was erzählen Sie denn Mädchen, die Model werden wollen?

Anne Sophie: Ich werde öfters nach Tipps gefragt und schicke dann immer eine Liste zertifizierter, seriöser Agenturen zurück - zum Beispiel die meiner Mutteragentur Modelwerk in Hamburg.

Saugt einen die Modeszene nicht mit Haut und Haar auf? Geben sich da nicht ganz viele Menschen Illusionen hin?

Agnes: Man muss auf seine Work-Life-Balance achten, mit Freunden ausgehen, mit der Familie telefonieren, Sport treiben. Man muss sich auch immer vor Augen halten, dass man eines Tages zu alt, zu dick und zu hässlich ist.

Anne Sophie: Ja, man muss ein bisschen Abstand wahren. Ich habe früher schon zwei Jahre hier in New York gelebt. Das wurde mir irgendwann zu viel. Immer wird man auf den Job reduziert. Immer schaut jemand in den Einkaufswagen, was du als Model so einkaufst. Immer spricht dich jemand auf deinen Beruf an. Da habe ich mir eine Auszeit genommen und bin ein Dreivierteljahr nach Berlin gezogen. Das war gut. Danach bin ich wieder hierher zurück, wo ich Geld verdienen kann. Aber man muss immer mal wieder raus aus New York, sonst wird es zu viel. Nach drei Monaten weiß ich: Jetzt brauche ich mal wieder Luft.

Agnes: Ja, das ist wichtig. Aber meine Mutter, die in Polen lebt, habe ich nun seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Die gebürtige Polin Agnes Sokolowska und die Deutsch-Dänin Anne Sophie Monrad werden von der Agentur Modelwerk in Hamburg vertreten.
Die gebürtige Polin Agnes Sokolowska und die Deutsch-Dänin Anne Sophie Monrad werden von der Agentur Modelwerk in Hamburg vertreten. : Bild: Helmut Fricke

Und wie sieht's aus, wenn sich die Karriere dem Ende zuneigt?

Anne Sophie: Das wird man dauernd gefragt, und es nervt. Wir beide müssen wohl selbständig werden. Wir arbeiten ja seit der Schule wie Selbständige. Man muss sich etwas Eigenes aufbauen. Vielleicht eröffne ich ja eine Bäckerei in Berlin, und im Hinterraum spielen die Kinder. Als halbe Dänin habe ich gute Rezepte von meinem Vater.

Agnes: Ich denke nur an die nächste Zukunft - und fliege bald nach Paris.

Anne Sophie: Da muss man sich wirklich öfters blicken lassen, wegen der Kosmetik-Kunden. Aber für die Schauen muss man nicht nach Paris, wenn man nicht schon für New York gebucht wurde. Denn die Casting-Chefs haben sich ja hier schon ihr Urteil für die ganze Saison gebildet.

Manchmal kommt das Glück aus heiterem Himmel: wenn man zum Beispiel spontan für eine Chanel-Kampagne gebucht wird.

Anne Sophie: So ganz spontan war es vermutlich nicht. Ich hatte kurz zuvor ein „Exclusive“ bei Givenchy.

Und was bedeutet das noch gleich?

Anne Sophie: Bestimmte Marken wie Prada, Givenchy oder Gucci buchen ein neues Mädchen, und sie darf sich keinem anderen Casting Director zeigen. Sie ist dann für die gesamte Saison blockiert.

Und das war bei Ihnen so bei Givenchy?

Anne Sophie: Nicht ganz. Ich hatte nur ein „Stadt-Exclusive“, durfte also in Paris auf keinen anderen Laufsteg.

Und was soll das alles?

Anne Sophie: Danach geht es richtig los. Denn man eröffnet und schließt die Schau, hat besondere Looks und fällt auf. Das war vor zwei Jahren, und ein paar Wochen später rief Chanel an.

Und für ein „Exclusive“ muss man dann nicht mehr durch alle Casting-Schritte.

Anne Sophie: In gewisser Weise doch. Ich habe es schon erlebt, dass vier Mädchen gebucht waren, drei am Ende gebraucht wurden und das vierte Mädchen kurz vor der Schau erfuhr, dass sie doch nicht laufen würde - obwohl sie alle anderen Schauen für diese eine Schau abgesagt hatte. Wenn mir so was passieren würde, dann würde ich auch mal heulen.

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