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Deutsche Models in New York : „Man muss schon Nein sagen können“

Agnes: Vielleicht einen Pullover aus der letzten Saison.

Anne Sophie: Oder eine Tasche.

Die Casting-Leute scheinen eine unheimliche Macht zu haben über das Schicksal von Tausenden Models in den großen Modestädten.

Anne Sophie: Ja, und manchmal benehmen sie sich auch so. Neulich sagte einer von ihnen, beim Warten aufs Casting sollten doch die Mädchen bitte nicht reden, das störe ihn, er fordere da Respekt. Wir sitzen da wirklich stundenlang auf dem Fußboden im Flur und sollen uns nicht unterhalten? Wo bleibt da der Respekt für uns? Man kann ja auch nicht weggehen. Wenn man weggeht, sitzt da eine Andere.

Unter den Casting-Chefs hat sich in letzter Zeit besonders Piergiorgio Del Moro hervorgetan, der unter anderem für Yves Saint Laurent, Versace, Fendi und Victoria Beckham die Mädchen ausgesucht hat.

Agnes: Er ist der Beste. Aber so ein Monopol ist vielleicht auch nicht gesund. Er zieht Gigi Hadid, Kendall Jenner und Bella Hadid vor. Es ist so wie mit den Stylisten: Man muss sie kennen, damit sie an einen denken.

Man braucht also als Model ziemlich gute Nerven.

Anne Sophie: Ja. Daher sieht man so viele Mädchen nach einer Saison auch nicht mehr.

Agnes: Man muss stark sein, weil es so viele Unsicherheiten, so viel Warterei, so viel Konkurrenz gibt. Man darf auch keine Gefühle zeigen. Das Motto muss sein: immer lächeln, immer freundlich sein. Aber ich bin doch auch ein Mensch und habe Gefühle.

Heute werden die Models für Modenschauen oft gebucht nach der Zahl ihrer Follower auf Instagram.
Heute werden die Models für Modenschauen oft gebucht nach der Zahl ihrer Follower auf Instagram. : Bild: Helmut Fricke

Und wenn man so oft antritt und dann abgelehnt wird ...

Agnes: ... dann tut das weh. Aber dann sollte man eben auf die Toilette gehen und heulen.

Das haben Sie schon gemacht?

Agnes: Nein. Ich kann es aushalten.

Anne Sophie: Man muss schon einen Schutzwall aufbauen. Und manchmal muss man auch Widerworte geben. Bei einem Shooting auf einem Hochhaus in Tokio sollte ich ganz nah an die Dachkante treten. Da habe ich gesagt: Das mache ich nicht.

Das sind ja Verhältnisse wie bei „Germany's Next Topmodel“!

Anne Sophie: Ja, fast. Man muss schon Nein sagen können und sich nicht alles gefallen lassen. Es wird auch so viel schlecht geredet. Sprüche wie „Die ist zu dick“ über schlanke Mädchen zum Beispiel.

Eine andere Spielart der Missachtung: Bei einer Modestrecke in einem Magazin sind auf der ersten Seite Fotograf und Stylist groß genannt. Den Modelnamen findet man dann im Kleingedruckten auf Seite 14.

Anne Sophie: Wenn überhaupt. Manchmal taucht man gar nicht auf. Wirklich ärgerlich. Hätten ja auch die Leser mehr davon, wenn sie es wüssten. Bei Kendall Jenner schreiben sie es dann groß drauf.

Agnes: Dabei kennt man sie ja sowieso.

Es ist ein eigenartiges Missverhältnis: Sie haben so viele Fans, denn mehr Mädchen als je zuvor wollen Models werden - und auf der anderen Seite ist das Leben als Model oft schwierig.

Anne Sophie: Ja, in der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck: Wir gehen immer auf Partys, haben nur Spaß, werden dauernd toll geschminkt und fliegen nur Erster Klasse. Die negativen Seiten werden gar nicht gezeigt. Dieser Gegensatz wird durch soziale Medien wie Instagram noch verstärkt, weil sich dort ja jeder als glücklichster Mensch der Welt inszeniert. Und die Mädchen, die einem folgen, wollen natürlich nur das Schöne daran sehen.

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