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Deutsche Models in New York : „Man muss schon Nein sagen können“

Agnes: Ja, da kam sozusagen alles zusammen. An Editorials mochte ich am liebsten ein schönes Shooting hier in New York mit dem Fotografen Kenneth Willardt, für die Juni-Ausgabe der amerikanischen „Harper's Bazaar“.

Anne Sophie: Mein schönstes Shooting war die Chanel-Parfum-Kampagne von Jean-Paul Goude. Das sind die besten Jobs, die man erreichen kann, schließlich ist es ein legendärer Fotograf. Jetzt habe ich für die Chanel-No.-5-Online-Kampagne geshootet, das war auch super.

An Editorials haben mir vor allem die Aufnahmen mit der deutschen Fotografin Ellen von Unwerth gefallen, weil sie schön crazy ist.

Den Weg zu guten Jobs bewachen also die Casting Directors. Sie sind wichtiger geworden wegen der Arbeitsteilung: Die Designer können sich nicht um alles kümmern, nicht die ganze Modelszene im Blick haben und Kontakt zu den Agenturen halten, von denen es heute viel mehr gibt.

Agnes: Ja, und sie wollen eben Neues entdecken, bevor es die anderen tun.

Und scheinen gleichzeitig auf Nummer sicher gehen zu wollen. Denn mit einem Casting ist es ja nicht mehr getan vor den großen Schauen.

Anne Sophie: Genau. Manchmal fährt man für eine einzige Schau vorher drei Mal zum Casting. Aber drei Mal ist dann auch das häufigste.

Das muss nervenaufreibend sein: Drei Mal hinfahren und am Ende doch nicht genommen werden.

Agnes: Das Schlimmste ist, wenn man nach drei Mal denkt, man hat's, und dann erfährt man, dass man's nicht hat.

Anne Sophie Monrad: „Die Casting-Agenten schauen auf Social Media, wie man lebt, wie man sich bewegt, wie man gerade aussieht.“
Anne Sophie Monrad: „Die Casting-Agenten schauen auf Social Media, wie man lebt, wie man sich bewegt, wie man gerade aussieht.“ : Bild: Helmut Fricke

Also nochmal für Anfänger: Wie läuft die Auswahl ab?

Agnes: Es beginnt mit dem Casting.

Anne Sophie: Halt, du hast das Pre-Casting vergessen!

Agnes: Also gut. Beim Pre-Casting, das ist das Go-See, trifft man erst einmal den Casting-Chef. Da macht er eine grobe Auswahl für seine vielleicht acht oder zehn Schauen, die er betreut.

Und dann?

Anne Sophie: Dann kommen Casting, Requested, Call-Back, Fit-to-confirm und Fitting.

Agnes: Fit-to-confirm ist wirklich ein großer Quatsch.

Nochmal eins nach dem anderen. Wohin muss man, wenn man das Pre-Casting erfolgreich überstanden hat?

Anne Sophie: Zum Casting. Da sucht er dann für eine bestimmte Show die Mädchen aus, sagen wir für Marc Jacobs, und man sitzt da mit vielen anderen und hofft, dass man die Schau bekommt. Die Ausgewählten müssen - oder besser: dürfen - dann zum Call-Back, dort sehen sie auch Marc Jacobs selbst. Und der sagt dann: Let's do a fit-to-confirm.

Dafür muss man also nochmal hinfahren.

Anne Sophie: Ja, man macht ein Fitting, zieht also die Sachen an, und sie schauen, wie es wirkt. Dann kann es sein, dass es nicht richtig aussieht oder die Haare nicht so gut zum Look passen. Wenn es stimmt, dann rufen sie dich schließlich an und sagen: Komm bitte zum Fitting. Man sollte also Tag und Nacht das Handy griffbereit haben.

Manche Mädchen geben sogar das Handy, wenn sie in der Model-WG unter die Dusche gehen, einer Mitbewohnerin, damit sie nur den alles entscheidenden Anruf nicht verpassen.

Agnes: Ja, man muss wirklich aufpassen. Bei Marc Jacobs kann ein solcher Anruf auch mal um zwei oder drei Uhr in der Nacht kommen.

Dann geht man also zum Fitting, zur Anprobe.

Anne Sophie: Ja, und dann zur Schau. Da muss man drei Stunden vorher sein.

Und was bekommt man zum Dank nach der Schau? Außer den Gebühren für Ihre Agentur nur einen Kuss, oder?

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