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Phoebe Philo bei Céline : Das seid doch ihr

Mehr Garderobe als Kollektion: Die zweite Schau von Phoebe Philo für Céline im Jahr 2010. Bild: Helmut Fricke

Niemand hat die Mode in den vergangenen zehn Jahren stärker geprägt als Phoebe Philo bei Céline. Jetzt geht sie. Mit ihrem Nachfolger ist das Ende einer Ära sicher.

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          Zum Debüt damals sollen manche Moderedakteurinnen den Tränen nah gewesen sein. Andere Frauen im Publikum sortierten schon mal ihre Wunschlisten für das kommende Frühjahr neu. Und alle erhoben sich nach der Schau, zur standing ovation. Natürlich, auch ein paar Männern wird die Mode gefallen haben, die da auf dem Laufsteg im Oktober 2009 zu sehen war, die so gar nichts mit den gerade angesagten Fetzen von Balmain oder den futuristischen Entwürfen von Balenciaga zu tun hatte. Um diese zwei Marken ging es zu der Zeit bis dato vornehmlich. Fasziniert von Céline aber waren die Frauen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass man hier so klar zwischen den Geschlechtern trennen muss, hat nichts mit veralteten Klischees zu tun. Es geht nicht um Mode, die angeblich nur Frauensache ist. Es liegt vielmehr daran, dass Phoebe Philo damals im Jahr 2009, zur ersten Schau für Céline, diesen Frauen aus der Seele sprach, die direkt dort im Publikum saßen. Oder jenen, die sich anschließend durch die Bilder auf Style.com klickten. Phoebe Philo stellte ihnen mit dieser ersten Serie Kleider, die weniger eine Kollektion war, sondern eher eine ultimative Garderobe, gewissermaßen einen Spiegel auf. Mit den Hosen und Röcken aus Jute, den auf Hochglanz polierten Lederhemden, den dicken Keilabsätzen. Als wollte sie sagen: Seht her, das seid doch ihr. Nur besser angezogen.

          Es war damals der Anfang ihres konsequent frauenfreundlichen Konzeptes, mit dem sie die Mode der vergangenen zehn Jahre so stark geprägt hat wie kein anderer Designer. Man muss jetzt in der Vergangenheit sprechen, denn kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, verkündete das Haus, dass Phoebe Philo zurücktreten wird. Klar, knapp zehn Jahre sind in der Mode eine Ewigkeit, da kann man mal den Job wechseln. Viel hatte die 45 Jahre alte Britin ihrem Stil auch nicht mehr hinzuzufügen. Aber da seit vergangenem Sonntag bekannt ist, dass ihr Nachfolger Hedi Slimane heißen wird, ist auch nicht davon auszugehen, dass der Stil, den sie bei Céline geprägt hat, überhaupt noch lange existiert.

          Jener, mit dem erst einmal keine Frau wegen ihres Alters ausgeschlossen wird, mit dem es für jede eine Mode-Lösung gibt – vorausgesetzt, das Geld spielt keine so große Rolle. „Unter Phoebe Philo war es eine Ansammlung von wahnsinnig schönen Einzelteilen für Frauen, die es in der Form nicht mehr geben wird“, sagt auch Andreas Murkudis, der Céline in seinem gleichnamigen Store in Berlin als einer der wenigen Händler in Deutschland verkauft, an Frauen von 18 bis 68. Wenn Phoebe Philo 2015 Joan Didion, damals 80 Jahre alt, eine Riesen-Sonnenbrille aufsetzte und sie für die Frühjahrskampagne fotografierte, dann war das natürlich ein Marketing-Kniff, aber zugleich ein bisschen mehr. Die amerikanische Schriftstellerin stand ja auch für eine Altersgruppe, die sich von Céline durchaus angesprochen fühlen konnte.

          Sexy, düster und superschmal

          Mit dem Designerwechsel bei Céline, das ist schon jetzt sicher, geht auch eine Ära zu Ende. Denn dass Hedi Slimane kein Problem damit hat, Kontrolle zu übernehmen, das zeigen nicht nur seine Titel. Er ist jetzt dreimal Chef: Kreativdirektor sowie zugleich der erste künstlerische und Image-Direktor des Hauses. Neben Damenmode wird er künftig auch für Herren entwerfen, er soll Couture und Parfums lancieren. Hedi Slimanes Kontrolle ist spätestens legendär, seit er 2012 bei Yves Saint Laurent den Markennamen um ein Wort verkürzt hat, um den Vornamen des Gründers. Was wird er jetzt bei Céline machen? Mit seiner Mode – sexy, düster, superschmal – Kunden ignorieren, die jenseits der dreißig sind? Mindestens den Apostroph im Namen streichen? Das Logo ändern?

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