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Modefestival Reference Berlin : Eine Alternative zur Fashion Week?

  • -Aktualisiert am

Performance auf dem „Reference Berlin“ Bild: Sebastian Reuter/Getty Images

Modefans haben darauf gehofft, dass das Festival „Reference Berlin“ eine Alternative zur Modewoche wird. Trotz prominenter Teilnehmer hat sich diese Erwartung nicht erfüllt.

          Es ist sonnig und warm an diesem Samstagmitttag, in der Luft liegt der Geruch von Kleber und Graffiti, als die Einfahrt zu einem Parkhaus in Neukölln geöffnet wird. Über fünf Ebenen soll hier mehr als 24 Stunden lang das „Reference Berlin“, ein Festival für Mode, Musik und Kunst stattfinden, ein Happening, das immer wieder groß angekündigt wurde, eine innovative Plattform für die Präsentation von Mode in der Zukunft werden soll, und jetzt endlich passiert.

          Schon am Eingang werden die Besucher von einer Installation über institutionelle Videoüberwachung von „Highsnobiety“ begrüßt, dem renommiertesten Magazin für Streetwear und Sneakerkultur, die aber so kryptisch bleibt wie vieles andere an diesem Tag.

          Über die Fahrrampen geht es auf weitläufige Parkdecks, die zu einem El Dorado für Graffiti-Künstler geworden sind, seit das Gebäude nicht mehr genutzt wird. Auf vier Etagen erstreckt sich ein Labyrinth von Installationen, die manchmal nicht zu unterscheiden sind von der Kunst, die hier immer ist. Auf dem Programm, das erst am Tag zuvor veröffentlicht wurde und nicht viele Details verrät, stehen unter anderem Comme des Garçons, Dover Street Market und Wolfgang Tillmans – Namen, die in der Modewelt bekannt sind und respektiert werden, von denen am Ende aber weniger zu sehen ist als erwartet.

          Stattdessen sind zu sehen: Eine Licht-Installation der deutsch-kanadischen Manufaktur Bocci, die sich wunderbar in die industrielle Kulisse einfügt, eine Roboterband des Magazins 032c, die in einer Kurve unter Sonnenstrahlen spielt, eine Video-Kampagne des Fotografen Matt Lambert für die neue Duftserie „Clash“ zum 25-jährigen Bestehen von Comme des Garçons Parfums, die hier tatsächlich auch zum ersten Mal zu riechen sind, eine Performance des Künstler- und Designer-Duos Ortamiklos in Kostümen der britischen Desginerin Martine Rose, und zahlreiche Kunst-Installationen, die sich zwischen Graffiti und Ausblick auf die Neuköllner Nachbarschaft durch die großen Hallen verteilen. Auf dem obersten Deck, wo einst Verwaltungsbüros waren, findet man eine Art Instagram-Screening von Michel Gaubert (der zum Beispiel für Karl Lagerfeld die Show-Musik machte) und eine Präsentation der koreanischen Brillen-Designer Gentle Monster.

          „Etwas wirklich Neues schaffen“

          Daneben finden Diskussionsrunden statt, unter anderem mit Hans Ulrich Obrist und den Influencern „Fecal Matters“. Sie sollen Einblick geben, in das, was hier erprobt wurde. „Wir sehen gerade, wie sich ein neues Festival vor unseren Augen entfaltet“, moderiert eine Redakteurin des Magazins 032c die Eröffnungsrede an, die eigentlich Kurator Hans Ulrich Obrist halten soll. Stattdessen müssen sich die Besucher damit begnügen, dass er als verpixeltes Video-Avatar gezeigt wird und nicht über das neue Festival, sondern vor allem über Gegenwart und Identität spricht.

          Obwohl Obrist wenig erklärt, wird deutlich: „Reference Berlin“, das zeigen will, wie sich Mode in der Zukunft präsentieren soll und das kreative Potenzial der Stadt ausschöpfen will, das die Modeindustrie nach all den Fashion Weeks noch immer nicht auszunutzen vermag, ist ein großes Experiment. „Wir möchten eine Plattform schaffen, die Künstlern, Modemachern und Musikern die Möglichkeit gibt, zusammen – ganz im Sinne von ,Working out load' – neue Formate zu erkunden, ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu teilen und etwas wirklich Neues zu schaffen“, sagt Mumi Haiati, Gründer der Agentur Reference Studios, der das Festival mit der Unterstützung des Magazins 032c initiiert hat.

          So verheißungsvoll die Idee, ein Festival zu machen, das die kreative Energie der Stadt einfängt und Mode, Musik und Kunst zusammenbringt, so improvisiert scheint noch die erste Durchführung. Zumindest die Kreativschaffenden der Stadt kamen aber, sie wollten doch sehen, was die Alternative zu der immer dünner werdenden Modewoche sein soll. Trotz der prominenten Namen bleibt das Festival für viele aber hinter den Erwartungen zurück. Ein Besucher, der selbst lange in der Modeindustrie gearbeitet hat, sagt: „Die Idee, die Dinge, für die Berlin so bekannt ist, zusammenzubringen, hat wahnsinniges Potential. Aber was hier entstanden ist, ist inkohärent und scheint manchmal fast improvisiert. Trotzdem hoffe ich, dass Reference Studios das Festival weiterführen und professionalisieren wird, schließlich sucht die Industrie gerade dringend nach neuen Formaten.“

          Am Abend scheint die Sonne auf das Parkhaus, die Stimmung ist gut, im Hintergrund spielt Musik vom Kollektiv CCTV. Aber auch am Sonntagmittag, als das Festival nach 24 Stunden zu Ende geht, ist auf den weiten Decks wenig Verkehr. Berlin ist eine Stadt der Ideen, mehr als irgendwo sonst, nur werden viele nicht bis zum Ende durchdacht und realisiert. Die Erwartungen an „Reference Berlin“ waren groß, vielleicht so groß wie dieses leere Parkhaus in Neukölln, das auch durch die vielen Namen nicht gefüllt wurde. Und so wie in diesem Gebäude bleibt noch immer Platz für mehr.

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