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Kolumne Modeerscheinung : Zwiebellook und Sneaker

Zweckmäßig in der Warteschlange: Wähler am 3. November in Pittsburgh, Pennsylvania. Bild: EPA

Biden-T-Shirts und Kappen mit Trump-Sprüchen sah man vor der Wahl an vielen Amerikanern. Doch was trug man am Ende für den Gang zum Wahllokal?

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          Auf der Website der amerikanischen „Vogue“ erschien vergangene Woche eine praktische Packliste. Sie bestand aus Teilen, mit denen man gut gerüstet gewesen wäre für einen Tagestrip in einen der Nationalparks des Landes. Der Redaktion ging es aber um eine andere Art von Outdoor-Erlebnis, um den Gang zur Wahlurne und das damit vorgeschaltete, häufig stundenlange Schlangestehen. Bequeme Schuhe seien wichtig, stand dort geschrieben. Stücke, die einen Zwiebellook ergeben. Eine wasserabweisende Jacke, Maske, Powerbank, Thermoskanne, Kopfhörer. Was dort nicht vorkam: Wahlbekleidung.

          Friedrich Merz auf dem T-Shirt?

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Rede ist von jenem Modegenre, das sich wohl nur in einem Land als feste Größe etablieren konnte, in dem Promi-Kultur auch Kulturgut ist. T-Shirts mit dem Konterfei von Olaf Scholz, Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Armin Laschet wären hierzulande jedenfalls undenkbar.

          In den Vereinigten Staaten aber, so der Eindruck, machen viele mit. Sie tragen die Trump-Kappe oder ein Biden-T-Shirt. Überhaupt die Anzahl der New Yorker Designer, die das Team Biden/Harris unterstützten, ist aus europäischer Sicht beachtlich, mit T-Shirts und Statement-Masken und Schlapphüten als Gegenentwurf zur roten Slogan-Kappe.

          Politisch in Pink: Die Schauspielerin Rosario Dawson in einem Anzug von Argent und Supermajority.
          Politisch in Pink: Die Schauspielerin Rosario Dawson in einem Anzug von Argent und Supermajority. : Bild: Instagram

          Am Tag der Tage, am vergangenen Dienstag, durften all diese Stücke allerdings nur bedingt zum Einsatz kommen und nicht, wenn man in diesem Look seine Stimme abgeben wollte.

          Wählen, nicht werben

          Auch ein Wahl-T-Shirt in der Nähe von Wahllokalen ist Wahlwerbung. Das merkte Vanessa Friedman, die Modekritikerin der „New York Times“, zu Beginn dieser Woche an. Erlaubt seien demnach allenfalls subtilere Botschaften. Das nicht weniger populäre und schlichtere „Vote“ gehört dazu, das zum Beispiel Julia Roberts in den Wochen vor der Wahl dutzendfach bedruckt auf einem Anzug auf Instagram trug. Oder ein Hosenanzug in leuchtendem Pink, den die amerikanische Marke Argent in Kooperation mit Supermajority lanciert hatte, einer aktivistischen Vereinigung, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt. Auch dieser stellte sich als dankbare Requisite für viele Prominente heraus, deren Social-Media-Accounts in den Tagen vor dem 3. November wirkten wie Fußgängerzonen-Wahlkampf übertragen in die digitale Welt. In dem pinkfarbenen 400-Dollar-Teil erschienen unter anderen: Amy Schumer, Mandy Moore, Rosario Dawson, Zoe Saldana, Hillary Clinton. Ein weiteres Lehrstück in Sachen Fan-Mode-Kultur.

          In den Schlangen vor den Wahllokalen trugen die Amerikaner, die nicht ihre Stimme per Briefwahl abgegeben hatten, dann aber eher den „Vogue“-Outdoorlook: bequeme Schuhe, Regenjacken und Thermoskannen in der Hand.

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