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Kolumne Modeerscheinung : Die Tasche vom Vorjahr – zum Neupreis

Neues Konzept? Der Online-Shop Stylebop unter P&C-Führung Bild: Hersteller

Nicht erst seit Corona steht der stationäre Handel unter Druck. Aber online ist kaum alles besser, wie das jüngste Beispiel Stylebop zeigt.

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          Das Prinzip ist aus der Gastronomie bekannt: Die Geschäfte wollen nicht mehr so recht laufen. Es könnte an der Küche liegen, an der Atmosphäre, am Service, am Standort. Der Betreiber schmeißt hin. Die Lokalität wird für tot erklärt. Dann, plötzlich, ist jemand zur Stelle, der unter altem Namen ein neues Süppchen kocht. Und man fragt sich: Kann das dieses Mal klappen?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine ähnliche Situation ist dieser Tage im Handel mit Mode zu beobachten. Übernahmen sind dort zwar keine Seltenheit, aber davon soll der Kunde für gewöhnlich nichts mitbekommen.

          Der Fall Stylebop ist anders. 15 Jahre lang handelte es sich um einen Online-Shop, der von München aus Luxusmode verkaufte, mit Betonung auf jungen Labels. Eigentümer Mario Eimuth war Stammgast der Berliner Modewoche und griff auch hin und wieder dort zu. Er verkaufte Entwürfe von Designern wie Marina Hoermanseder, William Fan und Nobi Talai. Im vergangenen Jahr musste Stylebop Insolvenz anmelden.

          Ein Online-Shop, für den die Online-Konkurrenz zu groß wurde

          Auch für einen Online-Shop wurde die Online-Konkurrenz irgendwann zu groß. Mytheresa, ebenfalls aus München, zog an Stylebop vorbei, dank finanzieller Mittel der amerikanischen Eigentümer, der Kaufhauskette Neiman Marcus, die in der Corona-Krise nun ebenfalls in Schwierigkeiten steckt.

          Die Schreckensmeldungen über die Zukunft der deutschen Fußgängerzonen nehmen derweil nicht ab. Ungewiss, was mit den Mega-Gebäuden passieren soll, wenn die Galeria Karstadt Kaufhofs des Landes dort erst einmal ausgezogen sind. Der Handel, komplizierte Angelegenheit.

          Stylebop unter neuer Führung

          Der Fall Stylebop macht es nicht gerade einfacher. Seit dieser Woche ist der Online-Shop nämlich wieder on, unter neuem Eigentümer: Peek & Cloppenburg. Dieser hat große Pläne. Dazu gehört: eine Eigenmarke. Stylebop soll künftig auch günstigere Marken anbieten.

          Vorerst scheint das Angebot aber teurer zu werden, jedenfalls steht aktuell nicht nur Ware aus dieser Saison zum Verkauf, sondern auch aus den vorherigen – zum Neupreis. Eine Weste mit Regenbogenmuster von Burberry aus der Kollektion für den Herbst 2018 zum Beispiel. Oder Korbtaschen von Jacquemus des vergangenen Sommers. Nachweislich keine Neuware, auch wenn Stylebop sie einfach mal unter „Neu“ listet.

          Wäre Stylebop ein Restaurant, dann würde man vermutlich am Ende des Abends auf die Rechnung schauen und überlegen: Zweite Chance oder niemals wiederkommen?

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