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Verkauf von Birkenstock : Bald teurer, aber noch cooler?

Auf der Straße: Birkenstocks haben sich längst vom Öko-Image emanzipiert. Oder vielleicht kleiden sich ihre Trägerinnen heute ein bisschen bewusster. Bild: Claire Guillon/CAMERA PRESS/laif

Echte und selbsternannte Weltverbesserer, Modebewusste, Menschen, die es bequem mögen: Birkenstocks scheinen nicht nur den Deutschen an die Füße gewachsen zu sein. Jetzt steht das Unternehmen zum Verkauf. Was bedeutet das? Die Kolumne Modeerscheinung.

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          Man muss weit vorne in den Geschichtsbüchern der Mode blättern, aber dort findet man sie: Spuren von in Deutschland aufgewachsenen Menschen, die mit Unternehmen später woanders groß wurden. Thierry Hermès etwa wurde 1801 als Nachkomme von Hugenotten in Krefeld geboren. Dort absolvierte er eine Sattlerlehre, 1828 zog er nach Paris, 1837 eröffnete er ein Geschäft. Hermès ist heute – Hermès eben.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die spanische Antwort auf Hermès lautet: Loewe. Damit ist nicht das Fernseher-Unternehmen aus Kronach gemeint, sondern ein feiner, erfolgreicher Hersteller von Lederwaren und Mode aus Madrid. Er geht zurück auf einen gewissen Heinrich Loewe Rössberg, 1844 in Kassel geboren.

          Auch Dr. Martens, längst Teil der britischen Popkultur, wurden einst in Deutschland erdacht.

          1774 gegründet, bis heute in Familienhand

          Sollte in vielleicht zweihundert Jahren jemand die Ursprünge von Marken untersuchen, könnte er feststellen: Birkenstocks kamen auch einst aus Deutschland. Noch ist die Sandalen-Instanz, 1774 gegründet, in Familienhand in Linz am Rhein, aber das könnte sich bald ändern – Birkenstock steht zum Verkauf.

          Zu Hause: ein Paar für das Homeoffice
          Zu Hause: ein Paar für das Homeoffice : Bild: Lucas Bäuml

          Die Firma könnte einen ähnlichen Weg nehmen wie Rimowa. Die Alukoffer aus Köln waren schon lange ein Statussymbol, als sie noch in der Hand der Familie Morszeck waren. 2016 aber übernahm der Luxuskonzern LVMH, stilisierte den Koffer zum absurden Luxusobjekt und erhöhte dabei für den Kunden, der auf seinen Schatz am Gepäckband wartet, ordentlich die Preise.

          23,8 Millionen Paare verkaufte das Unternehmen zuletzt

          Können Birkenstocks unter neuer Führung wie dem angeblich interessierten LVMH-nahen Private-Equity-Unternehmen L Catterton noch cooler werden? Cooler, als dass die ehemalige Celine-Designerin Phoebe Philo sie nachentwarf? Cooler, als dass alle selbsternannten Weltverbesserer von Brooklyn bis Kreuzberg in ihnen herumschlappen? Oder erfolgreicher als die 23,8 Millionen Paare, die das Unternehmen zuletzt pro Jahr verkaufte?

          Auf jeden Fall ist mit aktuell 60Euro pro Paar noch Luft nach oben. Die gute Nachricht: Wer jetzt noch zuschlägt, hat lange etwas von seinem Paar. Es hält ja ewig.

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