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Digitale Modewochen : Reden ist Gold

Mitten in der Stadt: Miuccia Prada und Raf Simons im Gespräch in Mailand. Bild: AP

Es ist Fashion-Week-Zeit: Warum Modenschauen jetzt zu Talkrunden werden. Die Kolumne Modeerscheinung

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          Man hört mehr von Esther Perbandt, als man Arbeiten von ihr sieht. Es ist Montagmittag, und es läuft die Digital-Präsentation des Berliner Salons. Designer zeigen hier, womit sie sich im vergangenen halben Jahr beschäftigt haben. „Es wird oft gesagt, dass ich mit meiner Marke für den Berliner Lebensgeist stehe“, sagt Perbandt. „Für Subkultur, die Musik- und Clubszene, für all das, was wir schmerzlich vermissen.“ Und sie sagt noch etwas: „Ich zeige tatsächlich eine neue Kollektion.“

          Mode für ungewisse Stunden

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein bisschen absurd ist es: In Berlin und Mailand standen digitale Modewochen an – ausgerechnet jetzt, während die einen morgens das Haus verlassen, um in vorrangig funktionaler Arbeitskleidung Tätigkeiten nachzugehen, die man nicht am Küchentisch erledigen kann, und die anderen ebendort, bekleidungstechnisch gemütlich, sitzen bleiben. Wie immer auf Modenschauen wurden kaum Teile präsentiert, die für die eine oder die andere Fraktion in Frage kommen, sondern solche für Restaurantbesuche, für Hochzeiten oder gar den Club. Und nächste Woche geht es in Paris mit Couture weiter.

          Esther Perbandt in Berlin: „Ich zeige tatsächlich eine neue Kollektion.“
          Esther Perbandt in Berlin: „Ich zeige tatsächlich eine neue Kollektion.“ : Bild: Getty

          Aber mehr, als dass man Mode sah, hörte man Modeleute über Mode sprechen. Mode schauen ist Silber, über Mode reden Gold. Vielleicht quatschen sie sich auch für Clubhouse warm, das neue digitale Unterhaltungsformat auf Einladung, was so exklusiv klingt, dass auch der nichteloquente Designer ein natürliches Interesse daran hat.

          „Kleider sind Dienstleister des Lebens“

          Zwischen Miuccia Prada und Raf Simons, die seit einem halben Jahr gemeinsam entwerfen, war es jedenfalls sie, die das Grundsätzliche, um das es in diesen Runden oft geht, auf den Punkt brachte: „Kleider sind Dienstleister des Lebens.“

          In Berlin wiederum wurden Zahlen von Oxford Economics im Auftrag des Fashion Council Germany vorgestellt: 76 Milliarden Euro gaben Konsumenten hierzulande für Bekleidung und Schuhe 2019 aus. Etwas weniger als die Briten, aber im weltweiten Vergleich liegt Deutschland damit auf Platz sechs.

          Müssen Modenschauen sein?

          Die Sehnsucht nach neuer Mode könnte also zurückkommen, darauf hofften nicht nur die Designer, die brav vom Homeoffice aus über Mode redeten, sondern auch ein paar wenige, die Schauen ohne Gäste organisierten. Wie etwa die Designerin Lana Mueller, die ein Heer an Visagisten und Models mit und ohne Masken und Plastikschutz backstage filmen ließ. Geredet wurde auch: „There’s a tomorrow – let’s do better“, hörte man, als Anspielung auf die grüne Mode. Was nicht auftauchte, war die Frage, wie nachhaltiges Bewusstsein jemals entstehen soll, wenn es mit der Vernunft noch bei einer konkreten Krise wie der aktuellen so eine Sache ist.

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