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Top oder Tuch? Eine Besucherin der Fashion Week in Kopenhagen in diesem Monat. Bild: Getty

Kolumne Modeerscheinung : Sommer ohne BH

Die Bewegung „#NoBra“ bekommt Rückenwind: mit einer Umfrage in Frankreich – und einem Top. Der Verzicht auf den BH ist mehr als Bequemlichkeit.

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          Fragen, die sich hierzulande gestellt haben, als das öffentliche Leben vor einigen Monaten heruntergefahren wurde: Wozu sich noch schminken? Wozu irgendetwas anderes außer Leggings und Kapuzensweater anziehen? In Frankreich, wo nicht die Nachfrage nach Toilettenpapier, sondern nach Kondomen und Rotwein besonders hoch gewesen sein soll, kam noch eine andere hinzu: Wozu überhaupt noch einen BH tragen?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Sommer ohne BH? Zumindest legen die Ergebnisse einer neuen Studie des französischen Umfrageinstituts Ifop diese Tendenz nahe. Eine erste Befragung vor dem Lockdown im Februar ergab, dass nur drei Prozent der Französinnen niemals einen BH trugen. Innerhalb der Folgemonate sei dieser Anteil dann auf sieben Prozent gestiegen. Besonders stark ausgeprägt sei der Verzicht demnach bei Frauen unter 25. Nur vier Prozent der jungen Frauen trugen im Februar keinen BH. Bei der zweiten Befragung gaben 18 Prozent an, niemals oder fast nie einen zu tragen.

          Auch mit der Rückkehr zur eingeschränkten Normalität sind die BHs junger Frauen eher in der Wäscheschublade liegen geblieben, so der Stand Ende Juli. Einer der traurigen Gründe für das Tragen eines BHs: die Angst vor Belästigungen auf der Straße (57 Prozent). Und einer gegen den BH, der darauf hindeutet, dass sich die Welt vielleicht doch zum Besseren verändert: „#NoBra“ – eine Geste des Protests gegen die Sexualisierung der weiblichen Brust (32 Prozent).

          Corona geht auch an die Wäsche: Ein Lingerie-Laden in Paris.
          Corona geht auch an die Wäsche: Ein Lingerie-Laden in Paris. : Bild: AFP

          Der Verzicht auf den BH unter Französinnen in diesem Sommer ist somit mehr als Bequemlichkeit. Er knüpft auch an jene Diskussion an, die schon seit einiger Zeit an vielen Orten auf der Welt ein Thema ist: Mit der Free-the-Nipple-Kampagne machen Frauen – berühmte wie Cara Delevingne und Lena Dunham und nicht berühmte – auf die unterschiedliche Wahrnehmung der männlichen und weiblichen Brust aufmerksam.

          Es gibt in diesem Sommer auch ein Top, das dabei helfen könnte: Modebewusste Frauen finden für das gemusterte bunte Seidencarré jetzt eine Zweitverwendung. Anstelle eines Oberteils tragen sie das Tuch geknotet um den Oberkörper, als „scarf top“. Jennifer Aniston in den Neunzigern und Christina Aguilera in den frühen Nullerjahren lassen grüßen. So wie die No-Bra-Bewegung dieser Zeit. Denn unter dieses Oberteil passt gewiss kein BH.

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