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Kamala Harris’ „Vogue“-Cover : Sind die Vereinigten Staaten nun auch in Modefragen gespalten?

Offiziell oder inoffiziell: zwei „Vogue“-Cover, zwei Looks. Bild: AP

Auf dem Cover der „Vogue“ sei Kamala Harris zu leger abgebildet, sagen Kritiker. Das Land teilt sich dieser Tage überhaupt in Indoor- und Outdoor-Fraktionen. Die Kolumne Modeerscheinung.

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          Stellen wir uns für einen Moment vor, Annalena Baerbock würde bei der anstehenden Bundestagswahl zur Vizekanzlerin gewählt und die deutsche „Vogue“ würde sie zur Amtseinführung einige Monate später für den Titel gewinnen können. Daneben die Coverzeile: „Die Bundesrepublik Mode“. Die Diskussion würde nicht lange auf sich warten lassen: Ist so ein Auftritt, noch dazu mit so einer lächerlichen Coverzeile, einer Vizekanzlerin würdig?

          Schöner Coup für Anna Wintour

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein vergleichbares „Vogue“-Cover ist in dieser Woche in den Vereinigten Staaten erschienen. Kamala Harris ist darauf zu sehen, daneben ist zu lesen: „The United States of Fashion“. Für die Chefredakteurin Anna Wintour ist die Personalie ein schöner Coup, nicht zuletzt weil die Diskussion, die auch dort folgte, die Ausgabe größer macht, als sie ist. Die Frage, ob eine Vizekanzlerin zur Amtseinführung überhaupt auf einem „Vogue“-Cover erscheinen sollte, wird allerdings überschattet von einigen anderen. Zum Beispiel: Ist es respektlos, sie so leger abzubilden? In Jeans und Turnschuhen. Darum ging es in dieser Woche.

          Hier die Jogginghosen, dort die Pudelmützen

          Es gibt aktuell drängendere Fragen. Trotzdem lässt sich feststellen: Wenn die Vereinigten Staaten von Amerika aktuell in vielerlei Hinsicht gespalten sind, dann zeichnet sich der Riss auch an dem ab, was Menschen dort so tagtäglich tragen. Die gespaltenen Staaten der Mode. Auf der einen Seite ist da die Outdoor-Fraktion, die Pudelmützen- und Kombathosen- und Rucksackträger, die in der vergangenen Woche das Kapitol stürmten. Auf der anderen Seite gibt es die Indoor-Fraktion, die seit Monaten in Jogginghosen und Slogan-T-Shirts ihrer Arbeit vom eigenen Küchentisch aus nachgeht, wobei mit Arbeit häufig auch einfach eine Aneinanderreihung von Videokonferenzen gemeint ist, für die sich so ein gemütliches Jersey-T-Shirt mit aussagekräftigen Worten natürlich doppelt eignet.

          Kamala Harris auf dem Sweatshirt

          Auch Kamala Harris’ Nichte mütterlicherseits unterhält ein Loungewear-Label – Phenomenal Woman –, und nach der Wahl lancierte sie ein Sweatshirt mit dem Print ihrer Tante, die darauf das an ihre indischen Wurzeln erinnernde Bindi trägt.

          Vice President Aunty: Ein Sweatshirt von Phenomenal Woman, der Marke von Kamala Harris’ Nichte Meena.
          Vice President Aunty: Ein Sweatshirt von Phenomenal Woman, der Marke von Kamala Harris’ Nichte Meena. : Bild: Phenomenal/Instagram

          Die amerikanische „Vogue“ hingegen habe Kamala Harris’ Hautfarbe nachträglich aufgehellt, heißt es jetzt von Kritikern. Und dass die gewählte Vizepräsidentin unzufrieden mit der Auswahl des Bildes sei. Sie habe mit einem formelleren Anzug für den Titel der gedruckten Ausgabe gerechnet. Anna Wintour wiederum verteidigte die Wahl in dieser Woche – im Sinne der Indoor-Fraktion: „Wir alle waren der Auffassung, dass das weniger förmliche Foto die Zeit am besten reflektiert, in der wir mit einer entsetzlichen Pandemie leben müssen.“

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