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Netflix-Serie „Halston“ : Alles für den schönen Schein

Läuft bei Netflix: Die Serienfigur Halston in seinem New Yorker Atelier. Bild: AP

Halston war einer der ersten amerikanischen Modedesigner, der es auch in Europa zu etwas brachte. Netflix widmet dem Modemacher nun eine Mini-Serie, kratzt aber nur an der Oberfläche. Die Kolumne Modeerscheinung.

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          Nimm einen Depeche-Mode-Song und mach ihn langsamer, schnapp dir dazu eine Geschichte, die in den wilden Siebzigern und den heftigen Achtzigern spielt, such dir einen Modemacher aus, der mit egozentrischen Kommentaren und ausschweifendem Drogenkonsum auffällt – und fertig ist der Netflix-Abklatsch dessen, was einmal ein echtes Künstlerleben gewesen sein muss.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin

          Der Designer Halston ist es, dem diese Ehre zuteil wird und der wohl nur in Übersee als „Mode-Ikone“ bezeichnet wird. Er war einer der ersten amerikanischen Modedesigner, der es auch in Europa zu etwas brachte, und deshalb ist man drüben zu Recht stolz auf ihn und seine Visionen. Andererseits aber ist nicht nur die Marke Halston, über deren Namen der Designer selbst am Ende seines Lebens nicht mehr bestimmen durfte, längst in Vergessenheit geraten, in Europa gilt auch der Modeschöpfer selbst allenfalls als Kultfigur.

          In Amerika eine Mode-Ikone der Vergangenheit: Der Designer Roy Halston in seinem Showroom in New York im Juni 1975.
          In Amerika eine Mode-Ikone der Vergangenheit: Der Designer Roy Halston in seinem Showroom in New York im Juni 1975. : Bild: AP

          Nun hat sich also Ryan Murphy der Geschichte angenommen, neben Shonda Rhimes ein weiteres Produzenten-Schwergewicht, das von Netflix exklusiv verpflichtet wurde. Er ist der Schöpfer von Wahnsinnsserien wie „Glee“ oder „Pose“ und galt lange als Garant für gute Unterhaltung. Diese Garantie hat er in der letzten Zeit mit Filmen wie „The Prom“ verspielt. Und er hat eigentlich eine ähnliche Geschichte wie der Designer Halston: In den USA ist er ein Superstar, in Europa kennt man seinen Namen kaum.

          In „Halston“ jedenfalls gibt es wahnsinnig schöne Szenen, etwa, wenn der Designer, gespielt von Ewan McGregor (ja, der Star-Wars-Dude), seiner späteren besten Freundin Liza Minnelli begegnet, die nach einem verbalen Schlagabtausch lächelt und sagt: „I like him“. Oder wenn er Minnelli zum ersten Mal einkleidet: Aus einem Stück rotem Stoff wird mit ein paar Handgriffen ein elegantes Abendkleid, das Minnelli wie eine neue Frau erscheinen lässt. McGregor hat das Kleid in diesem Moment übrigens wirklich angefertigt: Er lernte für den Dreh, wie man Textilien richtig zuschneidet.

          Ein Vorteil der Mini-Serie gegenüber dem Featurefilm ist ja, dass Lebensläufe ausführlicher gezeigt werden können, Figuren und Charaktere sich entwickeln. Genau dies aber versäumt „Halston“, trotz der Länge: Ewan McGregor raucht zwar wie ein Weltmeister, hat sich den eigentümlichen Akzent des ursprünglich aus Indiana stammenden Halston angeeignet und ist herrlich arrogant – doch dabei bleibt es. Ein Kratzen an der exzentrischen Oberfläche eines kokainsüchtigen Künstlers, dessen Beweggründe und artistische Motivation zu keinem Zeitpunkt offenbart werden.

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