Textilproduktion : Wer fertigt unsere Kleidung?
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Die Textilfabrik Rana Plaza stürzte vor acht Jahren ein. Seitdem stellen sich immer mehr Menschen die Frage: Was ist der wahre Preis neuer Kleider? Und wer stellt sie her? Die Kolumne Modeerscheinung.
Vor acht Jahren ist in Bangladesch die Textilfabrik Rana Plaza eingestürzt. Wenige Wochen zuvor eröffnete an der Frankfurter Zeil eine Primark-Filiale. Die Chefin der Billigkette, Breege O’Donoghue, war damals aus Irland angereist und verkündete: „Mein gesamtes Outfit kostet 57 Euro.“ Bei dem bisher größten Unfall der Textilgeschichte ein paar Wochen später starben mehr als tausend Menschen, die in einem maroden Gebäude unter erbärmlichen Bedingungen Kleidungsstücke fertigten, damit sie für den wohlhabenden Teil der Welt absurd billig sein können.
Seit dem Tag vor acht Jahren hat sich nichts und alles verändert. Die Mehrzahl der Kleidungsstücke ist weiterhin so günstig, dass es vielen schwerer fallen dürfte, sie im Laden liegen zu lassen, als sie zu kaufen. Laut Greenpeace legen sich deutsche Kunden im Durchschnitt sechzig Kleidungsstücke im Jahr zu und tragen sie nur noch halb so lang wie vor 15 Jahren. Andererseits hat der Einsturz von Rana Plaza vielen schon vor Augen geführt, wie dreckig günstige Mode ist. Aber wie es den Menschen geht, die Mode fertigen, die ein bisschen teurer ist, das ist leider in vielen Fällen auch nicht transparenter.
Fashion Revolution, eine Verbraucherbewegung, hat zu dieser entscheidenden Frage einen Hashtag: Who made my clothes? In der vergangenen Woche war besonders viel los, denn es stand Fashion Revolution Week an. Keine Modewoche im Sinne neuer Kollektionen oder geladener Gäste, sondern eine, bei der alle mitmachen können. Alle bedeutet: Menschen überall auf der Welt. Auch ohne Demos wie in vorvergangenen Jahren gab es kontaktlose Kleidertauschaktionen, Menschen, die ihre Kleidungsstücke auf links trugen, um so auf das „Made in“-Schild hinzuweisen, andere, die sich Fashion-Revolution-Schilder mit der Frage zur Bewegung ins Fenster hängten.
Kein Post zeigt, was wirklich abgeht
Hauptaustragungsort dieser Bewegung aber blieben natürlich die sozialen Medien. Auf Instagram zum Beispiel kann man Menschen wie Angela sehen, Näherin in einer Jackenfabrik im Osten Großbritanniens, die sich mit der passenden Antwort auf dem Schild fotografieren ließ: „I made your clothes“.
Aus den entscheidenden Ländern der Textilproduktion kam hingegen erheblich weniger unter dem Hashtag zusammen. Die Öko-T-Shirt-Marke The Living Tee, eine Ausnahme, postete aus ihren Fabriken in Bangladesch und Indien.
Klar, auch ein Post verrät nicht, unter welchen Bedingungen die Näherinnen tatsächlich arbeiten, ob sie Windeln tragen müssen, weil sie während der langen Schicht nicht einmal zur Toilette dürfen, und wie es mit den Löhnen für ihre Arbeit aussieht, wenn mit den Ladenschließungen in anderen Teilen der Welt auch die Subunternehmer häufig auf ihr Geld warten.
Aber wer mit solchen Methoden arbeitet, der wird hoffentlich nicht auch noch die Mitarbeiter für das schöne Schauspiel vor die Kamera zerren. Und wer es besser macht, hat das, was sich immer mehr Kunden wünschen: eine Antwort.