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Brautkleid mieten statt kaufen : Etwas Geliehenes

Für den einen Tag: Carrie Symonds, hier mit Boris Johnson, in einem Kleid des Designers Christos Costarellos, in Großbritannien zu mieten über die Plattform My Wardrobe HQ. Bild: AP

Carrie Symonds und Boris Johnson haben geheiratet. Sie trug ein Kleid zur Miete. Damit ist sie ein echtes Vorbild. Die Kolumne Modeerscheinung.

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          Carrie Symonds und Boris Johnson sind in den vergangenen Monaten nicht wirklich durch Sparsamkeit aufgefallen. 30.000 Pfund im Jahr stehen dem britischen Premierminister für die Renovierung seiner privaten Räumlichkeiten an der Downing Street zur Verfügung. Die jüngsten Umbaukosten sollen sich auf etwas um die 200.000 Pfund belaufen. Um dem „John-Lewis-Albtraum“, wie Carrie Symonds das von den Vorgängern einst herangeschaffte zweckmäßige Mobiliar nannte, zu entkommen, wählten sie unter anderem eine dicke Tapete. 840 Pfund die Rolle. Die war dann leider so schwer, dass sie sich direkt wieder von den Wänden löste.

          45 Pfund für das Brautkleid – pro Tag

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am vergangenen Wochenende hat das Paar nun heimlich geheiratet, und ihr Kleid – war nur gemietet. 45 Pfund pro Tag, ein Schnäppchen gemessen daran, dass die Kosten für ein Hochzeitskleid schnell vierstellig zu Buche schlagen. Die große Party folgt zwar erst im kommenden Jahr, und es ist durchaus möglich, dass Carrie Symonds dann kleidertechnisch alle Register ziehen wird, aber für den Moment ist sie jetzt mal die überraschend Bescheidene. Die Ressourcensparende mit einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit, die zeigt, wie man auch heiraten kann. Es passt in die Zeit, da Micro-Weddings, also unaufgeregtere Feierlichkeiten, ohnehin an die Stelle von Marathon-Hochzeiten rücken. Ein Kleid zu mieten ist natürlich vorbildlich, denn obwohl kaum eine Frau ihre Brautrobe zweimal trägt, leiht auch kaum jemand eine aus. Das Hochzeitskleid ist sozusagen ein Eins-a-Mietobjekt. Man benötigt es für eine gewisse Zeit, nämlich für einen Tag, anschließend ist man es schnell los. Gute Idee.

          Für den Alltag: Die Bestände der Kleiderei, einer Mietplattform mit Abonnement-Konzept in Köln und Freiburg
          Für den Alltag: Die Bestände der Kleiderei, einer Mietplattform mit Abonnement-Konzept in Köln und Freiburg : Bild: Henning Bode

          Dabei ist das Kleidermieten nichts Neues. Viele mieten seit Jahren Kleidungsstücke, um sich alltags in möglichst verschiedenen Outfits zu zeigen oder für Insta fotografieren zu lassen. Klar ist das umweltschonender, als ständig etwas Neues zu kaufen, aber was ist eigentlich so schlimm daran, sich immer wieder in denselben Sachen sehen zu lassen? Was spricht gegen eine begrenzte Garderobe mit lauter Lieblingsstücken, mit denen man gute und schlechte Zeiten hat? Natürlich auch: die Stars und Influencer, die häufig Kleider geschenkt bekommen und so problemlos vorleben können, dass zu einem glamourösen Lebensstil offenbar der Besitz endlos vieler Klamotten gehört.

          Carrie Symonds, nicht gerade unberühmt, geht mit ihrer Brautkleid-Miete also den umgekehrten Weg und zeigt: Nicht mal das muss man besitzen. Vielleicht mietet sie es im kommenden Jahr, für die große Party, sogar noch mal.

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