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Accessoires zur Impfung : Der Sommer der Vaxinistas

Pharma-Merchandising: Die Frage, was man „bekommen habe“, erübrigt sich mit diesem T-Shirt (über Etsy). Bild: Pinehart/Etsy

Das Slogan-T-Shirt, das Statement-Pflaster: Kommt jetzt das Impf-Merchandising? Die Kolumne Modeerscheinung.

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          Zu den absurden Randerscheinungen dieser Corona-Krise mag es natürlich gehören, dass ein Gesundheitsminister zurücktreten musste, weil er mit einer Affäre am Arbeitsplatz gegen die Abstandsregeln verstoßen hat, wie es in Großbritannien gerade geschehen ist. Aber auch die Karriere des Pflasters ist in dieser Hinsicht bemerkenswert, und anders als beim Fall Matt Hancock geht es hier um einen klaren Aufstieg. Von einem rechteckigen, schmalen, hautfarbenen Etwas ist es zu einem an warmen Tagen gut sichtbaren und in diesem Sommer ausgesprochen begehrten Accessoire geworden, nicht zuletzt, weil es auch als Fotomotiv taugt.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Post-Impf-Bilder von Berühmtheiten wie Joe Jonas oder Kate Mulgrew zeigen es. In den sozialen Netzwerken finden sich aber auch ganz ähnliche Pflaster-auf-Oberarm-Posts unserer Freunde, Bekannten und Kollegen.

          Fashionista + vaccine = Vaxinista

          Nicht, dass so ein Impf-Ereignis nach anderthalb Jahren Pandemie nichts wäre, was man nicht lauthals der Welt verkünden wollte. Die britische Zeitung Guardian kamfand für diese Gruppe Menschen nun auf einen passenden Begriff: Vaxinista, als Kreuzung aus Fashionista und vaccine, also Impfstoff. Damit sind mit Sicherheit nicht nur Frauen gemeint, auch Männer können Vaxinistas sein.

          Erst war auf dem T-Shirt Platz für Witze, die Männer höchstens unter sich machen, dann für feministische Botschaften, anschließend für Corona-Sprüche. Nun folgen die Impf-Botschaften.
          Erst war auf dem T-Shirt Platz für Witze, die Männer höchstens unter sich machen, dann für feministische Botschaften, anschließend für Corona-Sprüche. Nun folgen die Impf-Botschaften. : Bild: Foto Spreadshirt

          Die/der/das Vaxinista trägt ihr/sein Pflaster also stolz ein paar Tage lang, anstattelle es direkt am Abend abzuziehen, und geht in der Impfeuphorie vielleicht noch einen Schritt weiter. Die Industrie steht bereit, mit Pharma-Merchandising, T-Shirts, mit Sprüche-Tassen und mit hübschen Hüllen für den Impfpass.

          Impf-Shirts als logische Folge

          Das Prinzip ist bekannt. Das Slogan-T-Shirt hat sein denkbar schlechtes Image spätestens abgelegt, als darauf nicht mehr nur Witze für Männer zu lesen waren, sondern auf einmal auch feministische Botschaften („We Should All Be Feminists“). Mit der Pandemie kamen zum Anlass passende Corona-Modelle hinzu („Ich habe Corona. Hast Du Limetten?“, „Social Distancing – If You Can Read This You Are Too Close“). Nun folgen – logisch – die Impf-Shirts. Auch das Lager der Impfgegner wird berücksichtigt, die Rede ist vom Chip, von Bill Gates, auf so einem T-Shirt ist viel Platz.

          Die Hülle für den Impfpass (über Etsy) ist hübsch und in Zeiten des digitalen Zertifikats vor allem ein schmückendes Accessoire.
          Die Hülle für den Impfpass (über Etsy) ist hübsch und in Zeiten des digitalen Zertifikats vor allem ein schmückendes Accessoire. : Bild: himmelherzpapier/Etsy

          Käme den Vaxinistas („Team Moderna“, „Drück mich – Ich bin geimpft“) natürlich niemals in den Kleiderschrank. Diese T-Shirts erinnern eher an jene, die es zum Abitur gibt („Officially Vaccinated“). Wobei ausgerechnet viele Abiturienten ohne genügend Impfstoff noch lange nicht zu den Vaxinistas gehören dürften.

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