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Designer Kostas Murkudis : „Meine Mode ist Architektur in Bewegung“

  • -Aktualisiert am

Weil er Angst vor der Größe des Künstlerberufes hatte, wurde Kostas Murkudis Designer. Bild: Magnus Reed

Kostas Murkudis wollte Künstler werden. Nun hat er es ins Museum geschafft – als Modeschöpfer. Es ist eine Ehre und eine Genugtuung: In Deutschland, klagt Murkudis, gelten Designer als Schwachköpfe.

          5 Min.

          Kostas Murkudis steht in seinem Büro in Berlin-Charlottenburg, vor sich einen Grundriss des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, und sagt: „13 Stationen.“ So viele Themenbereiche sind geplant für die erste große Ausstellung, die dem 54 Jahre alten Modedesigner gewidmet ist. Eine Riesenehre, eine Herkulesaufgabe. Der smarte Berliner, geboren als Kind griechischer Kommunisten in der DDR, ist ein Museumsfan. Nun bestückt er selbst eines.

          Herr Murkudis, vom Freitag an zeigt das MMK Kleiderentwürfe von Ihnen.

          Und ich habe nach wie vor Herzflattern, wenn ich daran denke.

          Weil das Museum für Sie ein heiliger Ort ist?

          Ein Altar! Ich interessiere mich seit meiner Jugend für Kunst. Vor dem Status des Künstlers habe ich Respekt. Selbst nun in einem weißen Raum stattzufinden, das birgt natürlich die Chance, die eigenen Arbeiten anders zu sehen, aber auch Risiken. Dass man sich zum Beispiel pompös darstellt. Ich habe versucht, bescheiden zu bleiben.

          Ist es geglückt?

          Ich hoffe. Meine Mode durfte ich mit Kunstwerken aus der Sammlung des Museums präsentieren. Ich hätte einen Andy Warhol herausholen können, lieber habe ich leisere Kunst gewählt. Zum Beispiel Werke von Blinky Palermo, einem großartigen abstrakten Künstler, der recht jung gestorben ist. Neben zwei Gemälden von ihm sehen Besucher skulpturale Arbeiten aus Bast, Kunstleder und Rosshaar von mir. Die haben direkt nichts miteinander zu tun, höchstens in der Auswahl der Farben, der Großzügigkeit der Flächen. Durch diese Beziehung will ich zeigen - was in meinem Hirn passiert, wenn ich etwas entwerfe. Außerdem sind die gezeigten Kleider nicht aus Kollektionen im klassischen Sinne, sondern Unikate, die nur für den einen Anlass einer Modenschau hergestellt wurden. Das ist nicht mal Couture, sondern eine Stufe drüber.

          Um sich dieses Experiment leisten zu können, haben Sie für andere Marken wie Balenciaga gearbeitet. Knapp zwei Jahre lang waren Sie Chefdesigner bei Closed, 2013 sind Sie gegangen.

          Ich habe von Aufträgen gelebt, für andere Unternehmen war ich Berater, bin Kooperationen eingegangen, um mir meine Experimente leisten zu können. Mir machen beide Bereiche Spaß. Es sind nur andere Rahmenbedingungen in Modefirmen: Termindruck, Vertriebsmöglichkeiten, Preisvorschriften. Ich habe das jahrelang gemacht, ich bin Profi und weiß, wie man Probleme angeht.

          Wie gehen Sie das Problem an, Ihre Kleider zu inszenieren?

          Ich will, dass die Besucher nah rankommen und einen anderen Blick darauf werfen. Zum Beispiel auf einen Saum, der für mich ein skulpturaler Teil an einem Kleidungsstück ist. Die Menschen sollen den vielleicht sogar anfassen, jedenfalls will ich nicht, dass die Stoffe in Glasvitrinen versteckt werden wie Kirchengewänder, die 500 Jahre alt sind und vor dem Licht geschützt werden müssen.

          Giorgio Armani im Guggenheim, Jean Paul Gaultier im Barbican . . .

          Das waren immer Kostümschauen. Ich glaube, ich bin nach Martin Margiela im Münchner Haus der Kunst erst der zweite Modeschöpfer, der in einem Kunstmuseum als Einzeldesigner ausstellt.

          „Zeigen, was in meinem Hirn passiert, wenn ich entwerfe“: Polaroid Bilder von Murkudis

          Warum entdecken Museen Modeschaffende für sich?

          Die Herangehensweise von Künstlern und Modeschöpfern ist nicht grundverschieden. Am Ende steht zwar ein anderes Produkt für einen anderen Zweck, aber der Prozess der Recherche ist ähnlich. Das habe ich vor vielen Jahren im Haus der Kunst festgestellt, als ich eine Ausstellung der Architekten Herzog und de Meuron gesehen habe. Ich war fasziniert von den Recherchemodellen aus Styropor. Diese Zwischenentwürfe besaßen einen Skulpturcharakter, das war fast Kunst. In der Mode gibt es das auch, denken Sie an die vielen Skizzen oder Modelle, mit denen Designer ihre Lösungen finden. Darüber hinaus gibt es ein wachsendes Interesse an Kunst und Mode. Latent war das schon vorhanden, nur in den nuller Jahren wurde es auf eine professionelle Ebene gehoben.

          Inwiefern?

          Marc Jacobs hat für Louis Vuitton begonnen, Tascheneditionen mit Künstlern wie Stephen Sprouse oder Takashi Murakami zu machen. Olafur Eliasson hat plötzlich Schaufenster mit einigen seiner Objekte bestückt.

          Dries van Noten sagt: „Mode ist nicht Kunst, es ist angewandte Kunst.“

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