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Modedesigner in Deutschland : „Trumps Einreiseverbot hat mich aufgewühlt“

  • -Aktualisiert am

Mit einer so konservativen Regierungspartei ist Polen vor zwei Jahren stehen geblieben. Was in den vergangenen 20 Jahren erreicht wurde, ist nun davon bedroht, wieder zerstört zu werden. Auf der anderen Seite gehen jeden Tag Hunderte, Tausende von Menschen auf die Straße, um zu protestieren. Bei der 2015 gegründeten liberalen Partei Nowoczesna gibt es eine aufstrebende Politikerin, Kamila Gasiuk-Pihowicz. Sie ist 34 Jahre alt, hochgebildet, engagiert. Das ist das neue Polen für mich. Das gibt Hoffnung.

Frankreich - Odély Teboul

 

Odély Teboul, Jahrgang 1985, wurde in Amiens geboren. Sie war Designerin bei Augustin Teboul. In diesem Jahr gründete sie Lou de Bètoly.

Während des ersten Durchgangs der französischen Präsidentenwahlen in diesem Jahr war ich in Paris. Es war merkwürdig und erschreckend, dass Marine Le Pen vom Front National es durch den ersten Wahlgang geschafft hat und dass es trotzdem kaum echten Widerstand oder Aufruhr gab.

Als ihr Vater, Jean-Marie Le Pen, als Kandidat des Front National im Jahr 2002 den ersten Wahlgang geschafft hatte, war ich 17 Jahre alt und noch zu jung, um zu wählen. Aber ich erinnere mich daran, wie entsetzt die Franzosen waren. Es war ein Skandal, die Menschen waren wirklich aufgebracht, rebellierten und gingen auf die Straße, um gegen den Front National zu demonstrieren.

Was mich dieses Mal so beängstigt hat: dass ich keine oppositionelle Reaktion gesehen habe. Und ich habe mich gefragt, was los war. Handelte es sich einfach nur um eine Protestwahl? Was hat die Menschen so wütend gemacht, dass sie sich der extremen Rechten hingaben? War es die Finanzkrise? Wenn Menschen unglücklich sind, neigen sie dazu, andere für ihre Situation verantwortlich zu machen. Und der Front National spielte mit seiner nationalistischen, einwanderungsfeindlichen Rhetorik in diese Stimmung hinein.

Im zweiten Wahlgang wurde dann Emmanuel Macron zum Präsidenten gewählt. Es ist eher eine Art Kompromiss, weil er natürlich kein Extremer ist, und dafür bin ich dankbar. Was auch immer seine politische Gesinnung sein mag, es kann eine Chance sein, einen jungen Präsidenten zu haben, der neue Perspektiven und Energie in die Regierung bringt.

Seitdem ich in Deutschland lebe, merke ich erst, wie stark soziale Strukturen in Frankreich verankert sind. Es gibt kostenlose Bildung, Gesundheitsversorgung und ein soziales Netz, das ist alles Teil dieses Landes und wird es hoffentlich auch bleiben, egal wer Präsident ist. Das Problem ist die wirtschaftliche Situation, mit der viele nicht zufrieden sind. Außerdem wird durch die Medien Angst geschürt, vor allem was Themen wie Migration oder die Terrorangriffe in Frankreich angeht. Bei diesen Themen generalisieren viele. Es ist beängstigend, dass es ein paar wenige Menschen gibt, durch die eine ganze Gruppe als böse stigmatisiert wird. Das geht gegen grundsätzliche Werte.

Abgesehen von der Politik wirft die gegenwärtige politische Situation Licht auf den Menschen aus einer philosophischen Perspektive. Darauf, wie er denkt und handelt. Auf der einen Seite werden die Grenzen durch die Europäische Union geöffnet. Auf der anderen Seite nehmen nationalistische Einstellungen zu. Es scheint schwer zu sein, aus der Geschichte zu lernen.

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