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Modedesigner in Deutschland : „Trumps Einreiseverbot hat mich aufgewühlt“

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Als die britischen Kolonialmächte in das Land kamen, haben sie den Leuten gesagt, dass die Art und Weise, wie sie Dinge machen, falsch ist, und ihnen die Ideale des weißen Manns aufgezwungen. Daraus hat sich ein Minderwertigkeitskomplex entwickelt, der noch heute koloniales Erbe ist. Uganda ist ein stolzes, warmherziges Land, aber die Kolonialzeit und die nachfolgende Abhängigkeit von westlicher Entwicklungshilfe ebenso wie die korrupte politische Riege erschweren die Entwicklung. Die Entwicklungshilfe, viel davon aus Deutschland, wird mittlerweile überwiegend vom privaten Sektor geführt. Der hat natürlich privatwirtschaftliche Interessen, was nicht unbedingt schlecht sein muss, weil so Arbeitsplätze und industrielle Infrastruktur geschaffen werden.

Das große Problem aber ist, dass den Ugandern noch immer das Selbstwertgefühl fehlt, etwas Eigenes aufzubauen, obwohl das Land ein wahnsinniges wirtschaftliches Potential hat. Die zwei großen Exportgüter sind Kaffee und Baumwolle. Aber während meiner 15 Jahre in Uganda hatte ich nicht ein einziges Kleidungsstück aus heimischer Baumwolle und heimischer Produktion - und genau das möchte ich als Designer mit meinen Projekten angehen. Die Leute haben sich stattdessen auf riesigen Flohmärkten gebrauchte Kleidung, eigentlich Abfallprodukte, aus Europa und Amerika gekauft. Nun wollen einige ostafrikanische Staaten die Einfuhr importierter Second-Hand-Kleidung reduzieren, um der eigenen Produktion eine Chance zu geben. Aber die Vereinigten Staaten drohen das internationale Handelsabkommen AGOA aufzukündigen, falls das passieren sollte, weil der Handel mit gebrauchter Kleidung für sie sehr profitabel ist. Das ist neokolonialistisch. So wie die Missionarsarbeit einiger christlicher amerikanischer Organisationen, die zwar Schulen bauen, aber zugleich konservative, homophobe Ideologien exportieren. Dabei handelt es sich dort, entgegen westlicher Vorurteile, um eine pluralistische Gesellschaft, in der Christen, Muslime und Hindus friedlich miteinander leben.

Vereinigte Staaten - Larry Tee

 

 Larry Tee, Jahrgang 1959, wurde in Seattle in den Vereinigten Staaten geboren. 2015 gründete er in Berlin das Modelabel Tzuji. Außerdem ist er DJ.

In der Nacht, in der Barack Obama die Wahl gewann, bin ich nach London gezogen. Die Stimmung war von Freude geprägt, weil das der amerikanische Traum schlechthin war: Du kannst aus dem Nichts kommen und alles erreichen. Das war für mich aufregend, weil ich einen Bezug dazu hatte. Wir hatten acht wundervolle Jahre, aber was jetzt passiert, gleicht eher einer Reality-Fernsehsendung. Ich selbst muss aufpassen, es nicht als Satire zu betrachten. Dabei ist die Situation in zweierlei Hinsicht interessant. In Deutschland haben wir noch alle Möglichkeiten, und auch in den Vereinigten Staaten gibt es sie. Dort gibt es aber auch viele Menschen, die diesen Möglichkeiten ein Ende setzen wollen. Erstaunlicherweise könnte das Ganze aber auch auf eine gute Weise enden, auch wenn es momentan kompliziert ist und sehr unangenehm für die meisten Amerikaner. Langfristig könnte es zum Beispiel das Thema der ökonomischen Disparität auf die Tagesordnung bringen, auf die Amerika und die Welt schauen müssen. Ich habe Donald Trump nicht gewählt, aber meine Mutter und mein Bruder. Ich versuche, nicht böse zu sein auf ihre politische Orientierung. Mein Bruder hört sich nur konservative Radiosendungen an, also weiß er auch nichts anderes. Beide leben im Bundesstaat Georgia, mein Bruder sieht sich als Republikaner. Meine Mutter sagt, dass sie einen Mann an der Spitze sehen will, der seine Meinung sagt.

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