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Modedesigner in Deutschland : „Trumps Einreiseverbot hat mich aufgewühlt“

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Ayzit Bostan, Jahrgang 1968, wurde in Torul in der Türkei geboren und lebt in München. 1995 hat sie ihr Label Ayzit Bostan gegründet. Seit 2012 lehrt sie als Professorin an der Kunsthochschule Kassel.

Ich bin in der Türkei geboren und mit vier Jahren nach Deutschland gezogen. Seit vergangenem Dezember habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft. Eigentlich wollte ich sie schon vor 20 Jahren beantragen, aber die bürokratischen Hürden haben mich immer wieder davon abgehalten. Weil das Reisen mit dem deutschen Pass viel unproblematischer ist, habe ich mich dann doch dazu überwinden können, die vielen Formalitäten endlich fertigzustellen. In der Türkei fühle ich mich seit vielen Jahren eher wie ein Tourist. Natürlich kann ich die Stadt, in der Regel ist es Istanbul, anders lesen als normale Touristen, weil ich die Sprache spreche. Nichtsdestotrotz ist es eher ein fremdes Land für mich. Was momentan in der Türkei passiert, verfolge ich genauso sehr wie mein politisch interessiertes kritisches deutsches Umfeld. Ich bin froh, dass ich in Europa aufgewachsen bin, dass ich mich nicht einschränken muss, dass ich meine Meinung frei äußern darf und nicht all das durchmachen muss, was die Menschen dort gerade durchmachen.

Die Entwicklung in der Türkei finde ich natürlich erschreckend, und es trifft mich emotional. Seit Recep Tayyip Erdogan an der Macht ist, scheint es für Andersdenkende immer schwieriger zu werden, in Freiheit zu leben. Ich glaube schon, dass eine Art Einschüchterung stattfindet. Wer nicht regierungskonform ist, kann sich nicht mehr so frei bewegen und so frei äußern, wie er es will. Mein Gefühl ist, dass es noch konservativer und strenger werden könnte. Aber ich weiß nicht, wie der Großteil der Bevölkerung reagiert. Das hängt sicherlich vom Bildungsgrad ab. Vielleicht wird die Mehrheit Erdogan weiterhin gut finden, solange sie Arbeit und genug zu essen haben. Ich kann mir aber vorstellen, dass vor allem die kreativen und gebildeten liberalen Türken das Land verlassen, wenn sie sich zu eingeschränkt fühlen und gehen können. Zur Zeit will ich selbst aufgrund der Stimmung auch gar nicht hinfahren. Das schadet aber natürlich dem ganzen Land und trifft unter Umständen die Falschen.

Ich habe auch eine Produktion in Istanbul, in der ich Sweatshirts und T-Shirts produzieren lasse. Die habe ich ein paar Mal besucht, seitdem funktioniert es aber auch per Telefon und Mail wunderbar. Mit dieser Firma würde ich gerne weiterarbeiten, wenn wir wieder T-Shirts in unserer Kollektion haben. So weit ich weiß, ist das weiterhin recht unproblematisch möglich.

Uganda - Bobby Kolade

 

Bobby Kolade, Jahrgang 1987, wurde in Khartum (Sudan) geboren und ist in Kampala (Uganda) aufgewachsen. Er ist Designer in Berlin.

Die gesellschaftliche und politische Situation in Uganda beschäftigt mich sehr, weil ich bis zu meinem 18. Lebensjahr dort aufgewachsen bin. Ich war auf einer Internationalen Schule, und allein das ist eine Ablehnung gegenüber dem örtlichen Bildungssystem. Wir haben dort kaum etwas über die Kolonialgeschichte des Landes gelernt, und uns wurde stetig vermittelt, alles aus dem Ausland sei besser. Das Lokale wurde ignoriert, das ist noch immer eine grundsätzliche Mentalität in Uganda. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft, weil die Menschen eher Produkte aus dem Ausland importieren wollen, statt selbst zu produzieren.

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