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Prêt-à-porter : Willkommen zur großen Revival-Show!

Schocking Pink: Mit manch drastischer Farbkombination bleibt Ungaro seiner Linie treu. Bild: dpa

In Paris debütierten letzte Woche gleich mehrere neue Designer bei alten Marken. Aber nicht immer gelingt es, aus alt neu zu machen und aus den verblassten Marken Profite zu quetschen.

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          Am Ende rasten die Zuschauer aus und rasen hinter die Bühne. Kaum hat sich Alessandra Facchinetti nach ihrer Premiere für Valentino verbeugt, müssen Sicherheitsleute und PR-Damen die zierliche Italienerin vor Stativen, Objektiven, Mikrofonen und deren menschlichen Anhängseln in Schutz nehmen. Denn diese Kollektion hat die Modeleute nicht nur überzeugt. Nein, die traditionsbewusste und doch leichthändige Neuinterpretation einer großen Marke hat die allermeisten Zuschauer - von Winona Ryder bis Anna Wintour - geradezu begeistert.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Valentino-Reanimation ist vielleicht das größte Modewunder der Prêt-à-porter-Woche in Paris, die von Balenciaga über Chanel bis zu Yves Saint Laurent für den nächsten Winter einen zurückhaltend-konservativen Look pflegte. Alessandra Facchinetti, 35 Jahre alt und nach der unergiebigen Gucci-Zeit als Tom-Ford-Nachfolgerin im Jahr 2004 nicht gerade eine Favoritin des Fachpublikums, scherte sich weder um herrschende Trends noch um hohe Erwartungen. Sie ging ins Archiv, weinte vor Rührung beim Anblick des beeindruckenden Ateliers, vertiefte sich in eine längst vergangene Epoche - und haucht der altersschwachen Marke neues Leben ein.

          Alte Marken neu einkleiden

          Und damit liegt sie dann doch wieder im Trend. Denn selten hat es in der Mode so viele Versuche gegeben, alte Marken, deren Gründer verblichen oder ausgeschieden sind, neu einzukleiden. So debütierte bei der zum LVMH-Konzern gehörenden spanischen Marke Loewe in dieser Woche der Brite Stuart Vevers. Für die betagte Pariser Marke Cacharel probierte es das britische Designerpaar Eley/Kishimoto zum ersten Mal. Bei Guy Laroche werkelt nun der 45 Jahre alte französisch-schwedische Modemacher Marcel Marongiu im Atelier. Und für Emanuel Ungaro war am Mittwoch der aus Kolumbien stammende Brite Esteban Cortazar am Start.

          Umjubelt: Alessandra Facchinetti lüftet bei Valentino durch

          Alles Ausländer also, und auch das passt ins Bild. Denn genau genommen ist ganz Paris eine große Revival-Show von Modemachern mit Migrationshintergrund wie Karl Lagerfeld (Chanel), Alber Elbaz (Lanvin), Ivana Omazic (Céline) oder Marc Jacobs (Louis Vuitton). Und die Italiener Stefano Pilati (Yves Saint Laurent) und Riccardo Tisci (Givenchy) sehen sich ebenso wie ihre Landsmännin Facchinetti mit noch lebenden Markengründern konfrontiert. Bei letzterer sitzt der auf weichem finanziellen Polster zwischen all den Picassos zu Hause - und ärgert sich über die Nachlassverwaltung zu Lebzeiten, weil er es eh schon immer besser wusste.

          „Ich wollte es clean und gleichzeitig scharf rüberbringen.“

          Valentinos Ärger wäre vielleicht nicht ganz so groß, wenn er denn bei der Schau gewesen wäre, anstatt in den Alpen Ski zu fahren. Giancarlo Giametti jedenfalls, mehr als 45 Jahre lang sein Partner, ebenso braun gebrannt, das Haar aber grau, sagt nach der Schau, als sich die Aufregung etwas gelegt hat: "Sie hat es schön weiterentwickelt und sein Lebenswerk respektiert." Und wie geht's Valentino? "Ihm geht es wunderbar!"

          Wie hat sie das nur geschafft? Alessandra Facchinetti stellte sich das Jahr 1968 vor, das in der Mode noch durch die Eleganz von Jacqueline Kennedy Onassis geprägt war, einer treuen Valentino-Kundin. Mit trapezförmigen Kurzmänteln und herrlichen Kaschmirkostümen, mit Wintertönen von Grau über Beige bis Nachtblau und mit genau zwei Abendkleidern in Valentino-Rot schließt sie an den Meister an. Mit Rüschendetails und leichtem "egg shape" setzt sie eigene Akzente. Fast in den Wahnsinn treibt die Zuschauerinnen der nachtblaue Traum eines kragenlosen Mantels, unter dem ein wippendes roséfarbenes Chiffonkleid herauslugt. Alessandra Facchinetti selbst sagt: "Ich wollte es halt clean und gleichzeitig scharf rüberbringen." Aber ist ihr Look nicht ein bisschen arg konservativ? "Ja, klar. Zurzeit trage ich selber auch nur Mäntel!"

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