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Prêt-à-porter : Willkommen zur großen Revival-Show!

Die Wiederauffrischung funktioniert nicht immer

Aus alt mach neu - das muss nicht immer funktionieren. Bei Madeleine Vionnet hat man gerade den Designer Marc Audibet vor die Tür gesetzt. Bei Gianfranco Ferré in Mailand verschwand Lars Nilsson schon vor seiner ersten Schau. Auch bei Loewe war es lange schwierig: Erst machte sich Narciso Rodriguez daran, aus dem 160 Jahre alten Lederwaren- ein wirkliches Modehaus zu machen. Dann versuchte es mit modisch mäßigem Erfolg José Enrique Ona Selfa. Im Januar zog nun der 34 Jahre alte Stuart Vevers, der bis dahin Mulberry modernisierte, von London nach Madrid, um Taschen-, Shop- und Kampagnengestaltung zu überwachen. Seine in nur zwei Monaten geschaffene elegant-sportliche Kollektion lässt die nobel-betuliche Marke hoffen, dass auch sie nun echte "It-Bags" hervorbringt. Ein Modell aus dem Jahr 1940 hat Vevers schon aus dem Archiv geholt - und in pinkfarbenem Krokoleder wieder aufgelegt.

Verhaltener dürften die Aussichten bei Cacharel sein. Das japanisch-britische Designerpaar Wakako Kishimoto und Mark Eley lernt zwar gerade fleißig Französisch, und der Eurostar zwischen London und Paris ist ihr neues Zuhause. Aber muss man so viel Geduld aufbringen für eine Kultur, deren Sprache Eley für schwieriger als das Japanische hält? Für eine Marke, die vielleicht zu Recht vergessen ist und auch mit den farbigen Drucken der Neu-Designer keinen Eindruck hinterlässt? Und wer will eigentlich noch etwas wissen von Sonia Rykiel, der Grand Old Schachtel des Prêt-à-porter, die gerade ihre Assistentin Gabrielle Greiss zur Chefdesignerin gemacht hat?

Auch der erst 23 Jahre alte Esteban Cortazar wird es schwer haben. Er ist seit 2001 der vierte Designer in dem 1965 von Emanuel Ungaro gegründeten Haus. Cortazar, der in Bogotá geboren wurde, in Miami aufwuchs und schon seit 2002 seine eigene Marke aufbaute, hat zwar eine schöne Kollektion im Sinne des Gründers entworfen: Er drapierte Seide, Jersey und Grobstrick am Körper, machte mit Pastellfarben und Pflanzendrucken auf freundlich und erinnerte mit "shocking pink" an den Gründer. Aber hoffentlich läuft er auch noch in der übernächsten Saison so fröhlich über den Laufsteg!

Aus den verblassten Marken Profite quetschen

Denn die Wiederauffrischung ist nicht immer eine Frage des Designs. Vor allem geht es ums Geld. Die Investoren gehen zwar mit der Modekultur hausieren, und gutgläubige Moderedakteurinnen nehmen es ihnen gerne ab. Aber vor allem wollen sie natürlich Profite aus den verblassten Marken quetschen. Valentino ist dafür ein typischer Fall: Als der Finanzinvestor Permira die "Valentino Fashion Group" übernahm, hörte der alte Meister aus Rom vergangenes Jahr auf. Alessandra Facchinetti wiederum ist vor allem stark bei Accessoires, die bisher bei Valentino unterrepräsentiert sind, aber hohe Margen und ein Wachstum des Umsatzes von bisher 260 Millionen Euro versprechen. Wenn die Rendite ausbleibt, dann dürfte die Designerin ziemlich schnell wieder aussortiert werden.

Aber zunächst wird noch gefeiert, und zwar wie in Italien üblich: mit der Familie. Francesco, ihr jüngerer Bruder, und Roby Facchinetti, ihr Vater, liegen sich noch zwei Stunden nach der Schau siegestrunken vor den Kameras in den Armen. Francesco, Sänger, DJ und Moderator, erklärt den Erfolg so: "Sie hat mir schon mit zehn Jahren gesagt, was ich anziehen soll." Und Roby Facchinetti, in Italien ein bekannter Sänger, der mit seinen hochgeföhnten und braungefärbten Haaren auch noch so aussieht wie Valentino, meint über das älteste seiner fünf Kinder: "Sie ist einfach die Größte." Für die Valentino-Nachfolge ist das nun wahrlich keine schlechte Voraussetzung.

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