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Wanda Ferragamo : Auf leisen Sohlen

„Man muß nicht Tausende ausgeben, um elegant zu sein”: Wanda Ferragamo Bild: F.A.Z., Helmut Fricke

Man muß nicht Tausende ausgeben, um elegant zu sein. Ein Hausbesuch von Alfons Kaiser bei Wanda Ferragamo in Florenz, der Urgroßmutter der Mode.

          6 Min.

          Wanda Ferragamo läßt bitten. Im Palazzo Spini Feroni, ganz in der Nähe des Ponte Vecchio, auf einer Höhe mit den Glockentürmen von Florenz, herrscht gedämpfte Stille. An den Wänden des Empfangssaals alte Stiche von den Siegen des chinesischen Kaisers Qian Long.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Werke des Jesuiten Giuseppe Castiglione aus dem 18. Jahrhundert waren eigentlich für den Kaiserlichen Palast in Peking vorgesehen. Jetzt hängen sie in Wanda Ferragamos Reich, knapp darunter die Fotos aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Salvatore Ferragamo mit der ganzen Familie. Salvatore Ferragamo mit Christian Dior und einer hübschen Frau. Wer ist denn das?

          „Das bin ich!“ Wanda Ferragamo ist nicht beleidigt. In den viereinhalb Jahrzehnten, in denen sie nun ohne ihren Mann eine Großfamilie und ein Großunternehmen regiert, hat sie stets den guten Namen ihres Mannes vor sich hergetragen, hat sie sich diskret hinter diesem Namen versteckt. Auch an diesem Morgen möchte sie nicht allzusehr ins Licht der Öffentlichkeit treten. Denn montags haben alle Friseure in Florenz geschlossen. „Bitte kein Foto“, bittet die Pressefrau. Aber die Frisur ruht in sich. Und eine Patriarchin genießt wohl auch deshalb Respekt, weil sie am Mittag kurzerhand kippt, was sie am Morgen an Regeln aufstellte. Am Nachmittag ist sie ganz glücklich mit dem Bild, das sich der Fotograf von ihr gemacht hat.

          Model Nadja Auermann im Ferragamo-Kleid, 1996
          Model Nadja Auermann im Ferragamo-Kleid, 1996 : Bild: AP

          Verlasse dich niemals auf den Ruhm!

          Doch Außenwirkung ist nichts ohne Innenleben. Wanda Ferragamo, die 83 Jahre alte Präsidentin einer der wichtigsten italienischen Modemarken, ist Aufsichtsrat der Salvatore Ferragamo Italia S.p.A., der Ferragamo Finanziaria S.p.A. und der Palazzo Feroni Finanziaria, die unter anderem die Hotelkette Lungarno Alberghi S.p.A. kontrolliert. Die Ferragamo-Gruppe, die sich im ersten Halbjahr 2005 mit einem Umsatz von 253 Millionen Euro um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr steigerte, ist unter ihrer Ägide aus den Schuhen hinausgewachsen und macht nun auch Damenmode, Herrenmode, Handtaschen, Lederwaren, Schals, Krawatten, Schmuck, Parfums und Brillen.

          Wanda Ferragamo kommt jeden Wochentag und fast jeden Samstag ins Büro: „Wenn es ruhig ist, kann man viel besser arbeiten.“ Sie hat zwei Sekretärinnen, bekommt viel Post - und hatte mit dem Schreiben der Weihnachtskarten schon im Frühsommer begonnen.

          Verlasse dich niemals auf den Ruhm! Der Wahlspruch bewahrte sie vor dem Schicksal der Guccis und reiht sie ein in die diskreten italienischen Modefamilien, die Zegna, Missoni und Fendi. Die Ferragamos haben nicht einmal ein Privatflugzeug. Nun gut, Wanda Ferragamo wohnt in einer Villa in den Hügeln von Fiesole, die ihr Mann Salvatore gebaut hat und in der die Kinder groß wurden. Aber sie gewinnt nicht über die Oberfläche, sondern über Disziplin, Fleiß und Bescheidenheit: „Alle meine Kinder und Enkel arbeiten - und keiner macht Blödsinn.“

          „Sie sind also der große Ferragamo?“

          Man kann nur mutmaßen, wie sie ihren sechs Kindern, den 22 Enkeln und noch mehr Urenkeln ihre Botschaften vermittelt, wie die Sitzungen des familiären Verwaltungsrats aussehen, der neben dem Empfangssaal in der „sala de consiglio“ zusammenkommt. Ist sie bei den Sitzungen immer dabei? „Immer!“ Und was, wenn sie streiten? „Gestritten wird nicht viel!“ Alle immer einig? „Die großen Entscheidungen fällen alle immer gemeinsam.“ Die subtilste Mauer der Verschwiegenheit in diesem wehrhaften Palazzo aus dem Jahr 1289, den ihr Mann 1938 kaufte, ist aber noch immer ihre Offenheit: „Ich kann Ihnen alles erzählen, was Sie wissen wollen. Zum Glück haben wir nichts zu verstecken!“

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