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„Vogue Italia“ : Kontroverse um Magermodel-Fotos

  • -Aktualisiert am

Zu dünn? Model Karlie Kloss Bild: ASSOCIATED PRESS

Erst löste die italienische Vogue mit Fotos eines Magermodels einen Sturm der Entrüstung aus. Dann nahm sie die Bilder von ihrer Website. Und nun sagt die Chefredakteurin, das Löschen der Bilder sei ein Fehler gewesen.

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          Als die italienische Vogue in ihrer Dezemberausgabe das amerikanische Model Karlie Kloss zum ersten Mal nackt zeigte, brach ein Sturm der Entrüstung im Internet los. Ein Bild des Fotografen Steven Meisel, auf dem Kloss in eingedrehter Pose in die Kamera blickt, vermittle magersüchtigen Mädchen ein verqueres weibliches Idealbild, meinten Kritiker. Die Redaktion nahm das Foto daraufhin von der Website.

          Jetzt meldet sich die Chefredakteurin Franca Sozzani in ihrem Blog zu Wort: Ein Schuldeingeständnis sei das Löschen des Fotos nicht gewesen. „Nur wenige Menschen verstehen etwas von Fotografie. Wenn die Brust ungleichmäßig zum Becken gerichtet ist und der Körper nicht frontal abgebildet wird, wirken die Hüften breiter und die Taille schmaler. Karlie ist keineswegs magersüchtig.“

          Karlie Kloss auf der Schau von Victoria’s Secret Bilderstrecke
          Karlie Kloss auf der Schau von Victoria’s Secret :

          Dennoch tauchte das Bild nach seiner Veröffentlichung vermehrt in sogenannten „Pro Ana“-Foren auf – Seiten, auf denen sich junge, magersüchtige Mädchen über ihr Schlankheitsideal austauschen. Einige Vogue-Leser sehen in der Veröffentlichung des Bildes einen Bruch mit der hauseigenen Linie, gegen Anorexie einzutreten: „Mode wird seit jeher für Magersucht verantwortlich gemacht, und unsere Haltung soll zeigen, dass wir bereit sind, an vorderster Front gegen diese Störung anzukämpfen“, schreibt Chefredakteurin Sozzani.

          Vogue Italia bekannt für provokante Fotos

          Die Vogue Italia gilt im internationalen Vergleich als besonders künstlerisch und provokant, und ist auch dafür bekannt, die Grenzen des guten Geschmacks gelegentlich zu überschreiten. Erst im Oktober war die Online-Ausgabe vogue.it in die Kritik geraten, nachdem auf der Website „Sklaven-Ohrringe“ angepriesen worden waren. Dennoch erfährt das Blatt auch viel Lob, weil es sich für Andersartige und Minderheiten einsetzt. In der “All Black Issue“ vom Juli 2008 zeigte es beispielsweise ausnahmslos schwarze Models.

          Sozzani verteidigt die progressive Art des Magazins: „Ich würde eher einen Fotografiekurs anbieten, als auf experimentelle Bilder verzichten zu müssen. Ich habe das Bild von Karlie entfernt, weil mir bewusst geworden ist, dass manche Menschen es falsch auffassen könnten. Das war ein Fehler. Das Bild ist schön. Und mehr ist dazu nicht zu sagen.“

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