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Victoria Beckham : Die Audrey für Arme

Victorias New Look: Eine große Sonnenbrille macht noch keine zweite Hepburn Bild: AFP

Victoria Beckham plant einen Imagewandel: Aus dem ehemaligen Spice Girl soll jetzt eine richtige Dame werden. Die ersten Versuche, Grace Kelly oder Audrey Hepburn zu kopieren, sind allerdings ziemlich peinlich geraten.

          4 Min.

          Auf den ersten Blick ist es eine gewöhnliche Vorher-nachher-Geschichte, wie man sie aus Modemagazinen kennt. Sie handelt von einer jungen Frau, die ihren Stil verändern möchte. Mit der Arbeit läuft es gerade nicht so besonders, und der Mann ist kurz davor, seinen Job zu verlieren. Also: neue Frisur, neue Klamotten, neues Make-up. Victoria Beckham trägt jetzt kurze Haare statt Extensions und dunkle Kostüme statt Hot pants und Tank tops. In der Post-WM-Zeit ist sie eleganter geworden, damenhafter. Doch die gelernte Sängerin will noch mehr: Sie will sich in der Modewelt etablieren. Sie will Stilikone sein, Designerin und Ratgeberin in Kleidungsfragen.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Handelt es sich etwa um die mißglückte Vermittlungstätigkeit einer britischen Arbeitsagentur? Tatsächlich dürfte die Umschulung der Sängerin zur Modeexpertin schiefgehen, denn der „Style“ der Fußballergattin kann nicht überzeugen. Er basierte bislang auf falschen Fingernägeln aus Acryl und angelöteten Haaren - daß auch ihr Dekolleté „fake“ ist, bestreitet sie. Nun will sie aber nicht mehr nur von englischen Unterschichten-Teenagern kopiert werden, sondern auch von Leserinnen der „Vogue“, die sich Chanel und Dior leisten können. Plötzlich sitzt sie nicht mehr bei dem gelinde gesagt stilistisch umstrittenen Designer Roberto Cavalli in der ersten Reihe, sondern bei Chanel und Marc Jacobs. Victoria Beckham will weg vom Massengeschmack, sie will eine High-End-Ikone werden. Und zwar um jeden Preis.

          Nur noch die Frau eines Fußballspielers

          Hinter dem Modefeldzug steckt das verzweifelte Bemühen um Anerkennung. Die 32 Jahre alte Victoria Beckham ist zwar eine der meistfotografierten Britinnen, aber nach dem Scheitern ihrer Solokarriere war sie nur noch die Ehefrau eines erfolgreichen Fußballers. Seit Beckhams Formtief hat sich auch das geändert: Sie ist nur noch die Frau eines Fußballspielers, der die meiste Zeit auf der Ersatzbank verbringt. Das „Golden Couple“ aus England droht in der Bedeutungslosigkeit zu enden. Victoria Beckham muß handeln.

          Stilikone? Victoria Beckham bei einer Modenschau

          Deshalb hat ihr Manager Simon Fuller - der Erfinder der „Spice Girls“ - einen Schlachtplan entworfen. Victoria Beckham wird ihr eigenes Jeans-Label herausbringen (bisher hat sie nur für die amerikanische Marke „Rock & Republic“ entworfen) und eine eigene Fashion-Show für das Fernsehen entwickeln. Stufe eins des Fullerschen Plans, Victoria zur internationalen Style-Queen zu machen, aber ist ein Stilratgeber, den sie jetzt in England herausgebracht hat (“That Extra Half an Inch - Hair, Heels and everything between“, Penguin-Verlag, zirka 30 Euro). So zielstrebig hat noch niemand versucht, die Modewelt zu erobern.

          Grace Kelly und Audrey Hepburn sind Modevorbilder

          Doch nach der Lektüre des Buches fragt man sich vor allem eines: Warum um alles in der Welt sollte man diese Frau kopieren? Das Buch offenbart das Grundproblem Victoria Beckhams: Sie ist selbst nur eine unscharfe Kopie von vielen Originalen. Ihr eigener Stil verschwimmt. Als ihre Modevorbilder gibt sie Grace Kelly und Audrey Hepburn an - die Allround-Ikonen seit Jahrzehnten. Das ist nicht besonders einfallsreich. In ihrem Buch trägt Victoria Hermès-Tücher um den Kopf geschlungen und imitiert den Hepburn-Look aus „Frühstück bei Tiffany“ - mit kleinem Schwarzen, großer Sonnenbrille und Hochsteckfrisur. Aber Victoria Beckham hat soviel mit Audrey Hepburn zu tun wie Michael Schumacher mit Cary Grant. Offenbar weiß sie nicht, daß man ein bestimmter Typ sein muß, um wie Audrey Hepburn zu wirken. Daß man dann keine Fingernägel aus Acryl tragen und über eine gewisse Grazie verfügen sollte. Da reicht es nicht, sich auf Größe 32 herunterzuhungern, mit der Folge, daß der Kopf im Verhältnis zum Körper zu groß wirkt. Die britischen Medien nennen sie deshalb „Lollypop-Lady“.

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