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Victoria Beckham : Die Audrey für Arme

Der Mode-Kosmos des ehemaligen Spice Girls ist vor allem ein Marken-Kosmos. Ihr Ratgeber liest sich wie die Produktpalette eines Nobelkaufhauses. Wir erfahren, welche Körperlotion Victoria nimmt, wie ihr Selbstbräuner heißt, welches Haarspray sie bevorzugt, daß sie ihre Body-Lotion nur im Body-Shop kauft und Make-up nur von Armani trägt. Allerdings propagiert sie nicht nur teure Marken, sondern scheint ab und zu doch noch auf ihre alte Zielgruppe zu schielen: Gönnerhaft erzählt sie etwa, daß auch Teile von Marks & Spencer in ihrem Kleiderschrank hängen. Vor allem aber ist sie auf du und du mit den großen Designern aus Paris, Mailand und New York. La Beckham verbreitet belanglose Anekdoten über Roberto Cavalli und Donatella Versace, die sich wiederum mit Lobeshymnen auf Victoria revanchieren. Sie sehe im wirklichen Leben noch besser aus als auf Fotos (Manolo Blahnik), sie könne so toll mit Accessoires umgehen (Valentino), und Roberto Cavalli findet sie nicht nur glamourös und schön, sondern will ihre „wahre Seele“ entdeckt haben.

Cinderella in der ersten Reihe

Dennoch stilisiert sie sich immer noch als „Mädchen von nebenan“, das durch Zufall in eine Märchenwelt geraten ist. Als sie das erste Mal bei Versace in der ersten Reihe saß (damals noch als „Spice Girl“), habe sie sich wie Cinderella gefühlt. Und so berauscht sie sich bis heute an der Konsumwelt, die ihr als Mädchen aus einer englischen Kleinstadt unter normalen Umständen versagt geblieben wäre. Nun aber, so schreibt sie in ihrem Buch, möchte sie das Erlebte teilen und die Geheimnisse ihres Stils preisgeben. „Sie kann jeden Raum in der Modewelt betreten und weiß genausoviel wie alle anderen, wenn nicht sogar mehr“, verkündet ihr Manager.

Aber was weiß sie wirklich? Victoria Beckhams Wundertüte ist ein Tischfeuerwerk, das nicht zündet, die Tips der Style-Queen so lau wie ein englisches Frühstückswürstchen. Jeder Friseurlehrling weiß zum Beispiel, daß Haare fülliger wirken, wenn man mit dem Kopf nach unten fönt. Oder wäre man nicht selbst darauf gekommen, unter enge T-Shirts keine Spitzen-BHs anzuziehen, weil die auftragen? Oder daß man seine Haut vor Sonne schützen muß und Tagescreme mit Lichtschutzfaktor nehmen sollte? Oder daß man zu einem gemusterten Rock am besten ein schlichtes Oberteil anzieht? Und seine Garderobe am Vorabend plant, um nicht in Hektik zu geraten? Solche hausbackenen Ratschläge ziehen sich über Seiten hin, und man fragt sich besorgt, was Coautor Hadley Freeman, Fashion-Editor beim „Guardian“, eigentlich zu dem Meisterwerk beigetragen hat.

Boulevardblätter feiern sie als neue Stilikone

Echte Lebenshilfe gibt es allerdings im Kapitel „Parties“ - zumindest für alle, die demnächst mal über den roten Teppich laufen müssen. Zur Vorbereitung auf einen solchen Abend, so erfahren wir, sollte man Frank Sinatra hören und vierzig Minuten fürs Make-up einplanen. Trägt man ein schulterfreies Kleid ohne BH, sollte man nicht vergessen, die Brüste mit Perücken-Kleber am Kleid zu befestigen. Anschließend sollte man seine Mutter anrufen und fragen, ob sie das Outfit okay findet. Gut zu wissen.

In englischen Bestsellerlisten steht ihr Stilratgeber bereits auf Platz 2, die Regenbogen-Blätter feiern sie als neue Stilikone und preisen ihren Look. Fullers Plan scheint einmal mehr aufgegangen zu sein. Und um auf Nummer Sicher zu gehen, verrät Victoria in Interviews Intimitäten aus ihrem Privatleben. Einem englischen Magazin erzählte sie, daß sie auf Haarverlängerung verzichtet habe, weil es im Schlafzimmer zu Problemen gekommen sei: „Ich war auf dem Höhepunkt der Lust und meine Extensions kamen raus - das war so peinlich.“ So etwas mag zwar dem Buchverkauf dienen, mit Stil hat es wenig zu tun.

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