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Versteigerung in Hollywood : Was vom Filmen übrig bleibt

  • -Aktualisiert am

Der Zauberer von Oz: Judie Garlands paillierte Slipper Bild: REUTERS

In Beverly Hills wird eine imposante Sammlung von Hollywood-Kostümen versteigert. Auch Marylin Monroes berühmtes Neckholder-Kleid ist dabei, das einst in New York über einem U-Bahn-Schacht flatterte.

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          Vor der Vitrine mit Elizabeth Taylors Kopfschmuck aus „Cleopatra“ rollen bei Ethel dann doch die Tränen. „Sie sah einfach umwerfend aus. Ihre Augen, das ganze Auftreten. Liz war eben ein echter Star“, erinnert sich die Siebenundsiebzigjährige an Hollywoods glamouröseste Diva. „Wir alle haben sie damals kopiert, ihren Lidstrich, ihre katzenhaften Bewegungen und ihren Lippenstift.“ Heute ist Taylor tot, der Lippenstift verblasst und mit ihm die Erinnerung an Hollywoods Goldene Ära, die sich mit ihrem Pomp und Starkult selten so zur Schau stellte wie im Jahr 1963 in Joseph Mankiewicz’ Historiendrama.

          Was bleibt, sind die detaillversessenen Kostüme der Designerin Irene Sharaff. Aber auch von denen müssen sich Ethel und ihre Nachbarin Angela nun verabschieden. Aus Glendale bei Los Angeles sind die beiden betagten Filmfans in dieser Woche nach Beverly Hills gereist, um im Paley Center for Media am Beverly Drive ein letztes Mal Taylors tiefroten Kopfschmuck mit dem ägyptisch anmutenden Goldaufsatz zu bestaunen.

          Die Energie der Schauspieler steckt noch in den Kostümen

          Wie ein paar Tausend weitere Kostüme und Requisiten wird das Stück, das Taylor zu Beginn ihrer Romanze mit Richard Burton bei den Dreharbeiten zu „Cleopatra“ trug, an diesem Samstag versteigert. „Es ist wirklich traurig, dass die Sammlung jetzt zerpflückt und Stück für Stück verkauft wird“, meint der Auktionator Joe Maddalena. „Debbie hatte leider keine andere Wahl.“ Hinter „Debbie“ verbirgt sich die amerikanische Schauspielerin Debbie Reynolds, die mit Taylor fast 60 Jahre lang Hollywoods Rampenlicht und ein paar Monate auch ihren Ehemann Eddie Fisher teilte. Als Filmstudios wie Metro-Goldwyn-Mayer und Universal Pictures wirtschaftlich ins Schleudern gerieten und ihren Fundus verkauften, startete Reynolds einen Rettungsversuch. Sie kaufte Requisiten wie Julie Andrews’ Gitarre aus dem Musikfilm „The Sound of Music“, den roten MG-Zweisitzer aus „Monkey Business“ mit Cary Grant, Tausende Filmplakate, Kameras und viele Kostüme.

          Debbie Reynolds und ihr Outfit aus „Singin´ in the Rain”

          In den vergangenen Wochen haben täglich Hunderte Besucher im Paley Center Raritäten wie Charlie Chaplins Bowler-Hut bewundert, Vivien Leighs federgeschmückten Gardinenhut aus „Vom Winde verweht“ sowie ein halbes Dutzend Uniformen von Marlon Brando und seinen Offizieren, die 1962 auf Hollywoods Version der „Bounty“ meuterten. „Die Kostüme geben die Energie der Schauspieler wieder, die sie einmal trugen“, meint Reynolds’ Tochter, die Schauspielerin Carrie Fisher. „Sie sind erfüllt von der Faszination für die Stars und den Geschichten, die uns inspiriert haben.“

          Ihrer Mutter ist es in den vergangenen fünf Jahrzehnten gelungen, die mit mehr als 35.000 Exponaten größte Sammlung von Memorabilien aus Hollywoods Glanzzeit zusammenzutragen. Aber der Lebenstraum der Neunundsiebzigjährigen erfüllte sich nicht. „Debbie wollte die Stücke in einem Museum ausstellen, ist damit aber immer wieder gescheitert“, berichtet Maddalena. Ein Geschäftspartner, der ein Stockwerk des Kodak Theatre am Hollywood Boulevard zu einer Ausstellungsfläche ausbauen wollte, verschätzte sich bei den Kosten und meldete Konkurs an. Die Pläne für ein 2500 Quadratmeter großes Museum in Pigeon Forge (Tennessee) zerschlugen sich, als einer von Reynolds’ Investoren auf wirtschaftliche Schwierigkeiten stieß. Auch Versuche, bei der Filmakademie oder Branchengrößen wie Steven Spielberg und George Lucas für ein Museum zu werben, sollen fehlgeschlagen sein. „Hollywood hat anscheinend wenig Interesse an der eigenen Geschichte. Es ist vor allem profitorientiert“, klagt Maddalena.

          Auch Marilyn Monroes berühmtes Neckholder-Kleid ist dabei

          Die Zeiten, in denen Reynolds aus Kassenschlagern wie „Singin’ in the Rain“ und „The Unsinkable Molly Brown“ über üppige Gagen verfügen konnte, sind ebenfalls vorbei. Nach der Scheidung von Eddie Fisher im Jahr 1959 endeten zwei weitere Ehen mit dem Geschäftsmann Harry Karl und dem Immobilieninvestor Richard Hamlett in finanziellen Turbulenzen.

          Jahrzehntelang lagerten die mehr als 3500 Kostüme, Hunderte von Requisiten und etwa 20.000 Original-Fotografien der Debbie Reynolds Collection in Nordkalifornien. Nun ist die erste Hälfte der Sammlung in Beverly Hills eingetroffen. „Wir haben erstmal die bekanntesten Stücke ausgewählt, um bei Sammlern und Filmfans Aufmerksamkeit zu erregen, bevor im Dezember auch die zweite Hälfte versteigert wird“, erklärt Maddalena. Eine besondere Attraktion ist Marilyn Monroes Neckholder-Kleid, das in „Das verflixte siebte Jahr“ über einem New Yorker U-Bahn-Schacht flatterte. Die seit den Dreharbeiten im Jahr 1955 von Weiß zu Elfenbein mutierte Crepe-Kreation des Kostümbildners William Travilla soll bei der Versteigerung des von Maddalena gegründeten Auktionshauses „Profiles in History“ für bis zu zwei Millionen Dollar einen neuen Liebhaber finden. Zu den auffälligsten Erinnerungsstücken an das alte Hollywood gehört auch die goldene Robe, die Barbra Streisand in „Hello, Dolly!“ zu einem ihrer spektakulärsten Auftritte verhalf. Als Sharaff das Kleid 1969 für Streisand entwarf, ließ die Designerin für 100.000 Dollar mehr als zehn Kilogramm Goldfäden auf die Seide applizieren. Bis heute ist das makellos erhaltene Kostüm das teuerste, das jemals für einen Hollywood-Film genäht wurde. Das Mindestgebot von 60.000 Dollar mutet dagegen fast bescheiden an.

          „Die Stücke zu verkaufen ist das Schwerste, das ich je tun musste“

          Im Paley Center nur hinter Glas zu bestaunen ist das kornblumenblaue Trägerkleid aus dem amerikanischen Klassiker „Der Zauberer von Oz“. Reynolds’ Freundin Judy Garland, die in dem Film von 1939 als Dorothy die Hauptrolle spielte, trug damals auch die berühmten rubinroten Schuhe, eine weitere Attraktion der Versteigerung. Ein schlichtes Ersatzpaar des glitzernden Schuhwerks wurde im Mai 2000 für einen Rekordpreis von 666.000 Dollar versteigert, ein weiteres Paar der „ruby slippers“ wird im Smithsonian Institute in Washington ausgestellt. Da Reynolds’ Schuhe aber lediglich während der ersten Wochen der Dreharbeiten benutzt wurden und in der Endversion des „Zauberers von Oz“ nicht zu sehen sind, könnten sie für nur 140.000 Dollar ersteigert werden.

          Ebenfalls aus dem Fundus des Studios Metro-Goldwyn-Mayer stammt das weiß-grüne Kleid mit Blättermotiv, das Reynolds als Siebzehnjährige an der Seite von Gene Kelly in „Singin’ in the Rain“ trug. Es soll heute ebenso einen neuen Eigentümer finden wie Charlton Hestons Tunika aus „Ben Hur“, Audrey Hepburns opulentes Schleppenkleid aus „My Fair Lady“ und Rudolph Valentinos Matador-Kostüm aus dem Stummfilmdrama „Blood and Sand“. Dass Reynolds dabei sein wird, wenn sich etwa 1000 Gäste bei der Versteigerung ihrer auf zehn Millionen Dollar geschätzten Sammlung in Beverly Hills einfinden, scheint dennoch unwahrscheinlich. „Die Stücke zu verkaufen ist das Schwerste, das ich in meinem Leben tun musste“, ließ die Schauspielerin wissen. Bei einer Frau, deren Ehemann sie für eine Affäre mit der als „Schönste Frau der Welt“ titulierten Elizabeth Taylor sitzenließ, sagt das wohl alles.

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