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„Topmodel“-Finale in Reclam-Optik : „So richtig so wusch“

  • -Aktualisiert am

Grischa Stanjek und Gregor Weichbrodt mit ihrer Version von „GNTM“. Bild: Stanjek / Weichbrodt

Zwei Grafikdesigner aus Berlin haben das Finale der letzten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ transkribiert und als Buch herausgebracht – ein Drama in sechs Aufzügen, im Reclam-Format.

          Gregor Weichbrodt und Grischa Stanjek sind sie schon länger leid, die Fernsehkultur. Daher verwandelten die beiden Grafikdesigner das Finale der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) in ein bürgerliches Trauerspiel: Im Rahmen einer Semesterarbeit im Fach „Typografie & Layout“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin haben die beiden, die nicht einmal einen Fernseher haben, das komplette Finale der Sendung transkribiert, mehr als 20 Stunden lang.

          Nach drei Monaten war ihr Heft im Reclam-Stil fertig. „Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet“, heißt es in Anlehnung an ein Zitat von GNTM-Moderatorin Heidi Klum. Schon die klassische Dramenform arbeitet die ohnehin fragwürdige Eloquenz der Model-Mama in besonderer Weise heraus. Es ist ein Drama in sechs Aufzügen, eine Geschichte, die fortwährend auf die Klimax hinarbeitet, nämlich das Erscheinen von Lady Gaga „nach der Werbung“, die später im Gespräch mit Klum nicht viel mehr sagen wird als „Yes“, „Hello“ und „Congratulations“.

          „Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet“, heißt das Buch in Anlehnung an ein Zitat von GNTM-Moderatorin Heidi Klum. Bilderstrecke

          120 Seiten voller Wows und Wuschs, alles super und toll und „wie so richtig aus’m All“ (Klum): „Das ganze Format besitzt Dramencharakter: Alles ist inszeniert, es wird immer dramatischer, und findet seinen Höhepunkt im Finale“, sagt Grischa. „Heidi Klums Vokabular besteht nur aus Superlativen: Alles ist ‚super‘ und ‚riesig‘ und ‚top‘. Das wird konsequent reproduziert. Die Sprache bleibt dabei immer sehr oberflächlich.“

          Zwischen den Aufzügen: Werbung. Abstrakte Bilder, in Grautönen gehalten, verwischt und unwirklich. „Die Dramaturgie der Sendung wollten wir beibehalten“, sagt Gregor. Und Grischa ergänzt: „Das bietet Gelegenheit, auch mal Pause zu machen und darüber nachzudenken, was man da gerade gelesen hat.“ Die puristische Typografie entlarvt die Oberflächlichkeit der Sendung und gibt dem Stück eine Tiefe, die nur ohne akustische Dauerpenetration oder die beißende Stimme der Moderatorin zu erkennen ist.

          Der Reclam-Verlag täte gut daran, das Werk zu veröffentlichen. Denn die Resonanz ist überwältigend: Hunderte Anfragen gingen schon bei den Berlinern ein. „Von Verlag oder Produzenten haben wir bislang aber nichts gehört“, sagt Grischa. Ihr handgebundenes Exemplar kostete sie 75 Euro. Hat es Potential für den Schulunterricht? „Ich hätte mich gefreut, wenn wir uns im Abitur mit diesem Stoff auseinandergesetzt hätten“, sagt Gregor. Es hätten sich bereits Lehrer gemeldet, die das Buch gern im Unterricht verwenden würden.

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