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Textilindustrie : „Chanel in Apolda - das ist ein Traum“

  • Aktualisiert am

Lagerfeld bei der Ausstellungseröffnung in Apolda Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Er kam, sah und handelte: Vor zwei Monaten eröffnete Karl Lagerfeld seine Fotoausstellung in der ostthüringische Stadt Apolda. Jetzt möchte er einen Teil der nächsten Chanel-Kollektion in die Strickwaren-Region produzieren lassen.

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          Er kam, sah und handelte: Nur zwei Monate ist es her, daß der Designer Karl Lagerfeld in der ostthüringische Stadt Apolda eine Ausstellung mit seinen Fotografien eröffnete. Jetzt will er die Region, die seit 400 Jahren für ihre Strickware bekannt ist, unterstützen. Der Modemacher hat angekündigt, einen Teil der Chanel-Produktion, für die er als Designer verantwortlich ist, nach Thüringen zu verlagern.

          Schon die Ankündigung hat in Apolda für große Begeisterung gesorgt. Daß ein Pariser Couture-Haus sich für thüringische Strickbetriebe interessiert, könnte der gebeutelten Region mit einer Arbeitslosenquote von 22 Prozent Auftrieb geben. Bis zur Wende 1990 waren noch 8.000 Menschen in der Textilbranche beschäftigt, die unter anderem den sowjetischen Markt belieferte, heute sind es nur noch gut 200.

          Signalwirkung für den Standort Thüringen

          Das liegt vor allem daran, daß deutsche Modefirmen in den vergangenen Jahren, um Geld zu sparen, ihre Produktion ins Ausland verlagerten. Karl Lagerfelds Vorhaben könnte Signalwirkung haben. "Wir hoffen, daß seine Initiative Nachahmer finden wird und Bewegung in die Region kommt", sagt Gerald Rosner von der Firma "Strickchic". Zusammen mit fünf anderen Strickbetrieben aus der Region hat er in der vergangenen Woche Musterexemplare, Firmenprofile und Angaben über die Maschinen zur Begutachtung nach Hamburg geschickt, wo sich die deutsche Dependance des Couture-Hauses befindet.

          Karl Lagerfeld und sein Atelier werden sich anschließend die gesammelten Proben in Paris ansehen. Dann erst wird endgültig entschieden, ob es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem französischen Modehaus und den Strickbetrieben in Apolda kommen wird und wie diese aussehen könnte.

          „Wahnsinniger Marketing-Effekt“

          Aber schon jetzt, sagt der Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Kulturpflege in Apolda, Hans Jürgen Giese, sei Karl Lagerfelds Initiative, mit der niemand auch nur gerechnet habe, ein "wahnsinniger Marketing-Effekt" für die Region. "Chanel in Apolda - das ist ein Traum."

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