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Styling der Stars : Der Oscar geht ans Kleid

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Wenn die Oscars vergeben werden, ist das Kodak Theatre Schauplatz von Roben-Oden und Kleiderkämpfen. Bild: REUTERS

Auf dem roten Teppich haben viele Schauspielerinnen den größten Auftritt ihres Lebens. Dabei spielen sie nur eine Rolle, die andere ihnen auf den Leib geschneidert haben.

          Seit Januar befindet sich der Hofstaat der A-Lister noch mehr im Ausnahmezustand als sonst. Ein Award folgt dem nächsten, begleitet von Nominierten-Lunchs, Pre- und Afterparties. Besonders wichtig sind die Critics’ Choice, Golden Globes, SAG, Bafta, Independent Spirit und schließlich die Academy Awards. Aber dazwischen finden auch noch die Filmfeste Sundance und Berlinale statt. Das sind hundert Gelegenheiten, ein gutes oder schlechtes Foto zu machen, in Listen der besten und schlechtesten Outfits aufgenommen zu werden oder, noch schlimmer, zu belanglos für eine Erwähnung zu erscheinen.

          Das Leben ist ungerecht. Während Männer in ihrem Lieblings-Smoking davon kommen können, erfordern die unzähligen Anlässe für ihre Kolleginnen einen nicht abreißenden Strom an Looks, in denen sich noch keine andere fotografieren ließ. Kein Wunder, dass die Vorbereitungen für die Oscar-Verleihung jedes Jahr absurder werden. So ist es undenkbar, dass sich heute jemand – wie Demi Moore 1989 – in einem selbstentworfenen Kleid mit Biker-Shorts auf den roten Teppich trauen würde, schon gar nicht Demi Moore selbst, die nach ihrer Trennung angeblich auch wegen des wachsenden Perfektionsdrucks zusammenbrach.

          Sich in der Öffentlichkeit zu zeigen ist eine ernste Angelegenheit geworden. Nicht nur für die größte Award-Zeremonie, sogar für den Spaziergang zu Starbucks lassen sich Prominente von Stylisten beraten, die dadurch selbst zu Prominenten wurden. Mit eigener Modekollektion und Reality-Serie ist es Rachel Zoe am gewinnbringendsten gelungen, den Ruhm der Kundinnen auf sich zu übertragen. Auf Events posiert sie Arm in Arm mit Anne Hathaway, Cameron Diaz und Eva Mendes. Sogar ihr ehemaliger Assistent Brad Goreski hat inzwischen eine Fernseh-Show. Auch die bekannteste Stylistin der Musik-Szene, June Ambrose, wird dieses Jahr ihre eigene Sendung auf VH1 starten. Bekannt wurde sie nicht nur durch Kunden wie Jay-Z, Will Smith, Kanye West oder Mary J Blidge, sondern auch, weil sie in der Sendung „X-Factor“ Nachwuchssänger für den großen Auftritt zurechtmacht. Selbstbewusst erklärt sie: „Ich bin ein Star inmitten von Stars!“ Entsprechend ironiefrei nennt sie ihre Social-Media-Präsenz „The Juniverse“.

          Wer sich in die Hände von June Ambrose begibt, der muss den öffentlichen Auftritt höchstens wegen einer Überdosis Stil fürchten.

          Job der Stylisten heute: schneller sein als die Konkurrenz

          „Muss man Star-Qualität besitzen, um als Stylist in Hollywood erfolgreich zu sein?“ Das frage ich Susan Ashbrook, die mit ihrem Buch „Will Work For Shoes“ auf ihre unterhaltsamen Erfahrungen in dem Geschäft zurückblickt. „Die Antwort ist ja“, sagt sie. „Zumindest sollte man seine Arbeit und seinen Standpunkt selbstsicher verkaufen können.“ Prominente werden ständig mit Möglichkeiten überflutet und schätzen deshalb jemanden mit Persönlichkeit, der ihnen sagt, wo es stilistisch langgeht. Ashbrook ist trotz Klienten wie Akris, Lanvin, Chopard, Swarovski oder Harry Winston eine erfrischend unaufgeregte Person in diesem Zirkus. Ich lernte sie Ende der Neunziger in New York kennen, als ich neben dem Studium bei der Modelagentur Elite die noch recht amateurhaft aufgestellte neue Celebrity-Abteilung mit betreute, während sie ihr Unternehmen „Filmfashion“ etablierte, das die Kommunikation zwischen Designern und Stars professionalisierte. Dank ihr gewann Kim Basinger 1998 einen Oscar im Escada-Kleid.

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