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Street-Style-Blog „What Ali Wore“ : „Ali ist sehr wandelbar“

  • Aktualisiert am

28. März 2013: An diesem Tag erklärt Zoe Ali per „Google Translate“, dass er bald in der U-Bahn erkannt werden könnte. Bild: Zoe Spawton

Die Australierin Zoe Spawton, 29 Jahre alt, hat den türkischen Schneider Ali, 83 Jahre alt, berühmt gemacht. Für ihren Blog „What Ali Wore“ fotografiert sie ihn immer morgens um fünf nach neun in Neukölln.

          Miss Spawton, Sie kommen aus Melbourne, leben in Kreuzberg und waren gerade in Spandau bei Ihrer ersten türkischen Hochzeit. Eine neue Erfahrung?

          Ja, es war wunderbar! Ich war noch nie auf einer türkischen Hochzeit. Die Tochter des Nachbarn vom Chef von Ali hat geheiratet, und 380 Leute waren da. Am Ende haben Ali und ich sogar getanzt.

          Ali ist 83 Jahre alt und läuft jeden Morgen um fünf nach neun an dem Café vorbei, in dem Sie arbeiten. Seit einem halben Jahr fotografieren Sie ihn und stellen die Bilder auf die Seite What Ali Wore. Wie kam es dazu?

          Ich glaube, im letzten Sommer bin ich Ali das erste Mal begegnet. Morgens stelle ich immer die Stühle raus, und Ali läuft jeden Tag um die gleiche Uhrzeit vorbei. Eine Weile haben wir uns nur angelächelt und zugenickt. Es war eine langsame Annäherung. Eines Tages traute ich mich dann, ihn nach einem Bild zu fragen.

          Was wissen Sie von Ali?

          Ich kann nur wenig Deutsch und er fast kein Englisch. Das macht alles etwas komplizierter. Ich weiß, dass Ali vor 44 Jahren aus der Türkei nach Berlin kam. Und dass er 18 Kinder hat, die aber alle nicht in Berlin leben. Er sagt, die seien über die ganze Welt verstreut. Ali war wohl früher Arzt, arbeitet aber jetzt als Schneider, sechs Tage die Woche. Er lebt seit zehn Jahren allein und verbringt viel Zeit mit seinem Chef. Er hat mir erzählt, dass er früher auch Schuhe hergestellt hat.

          1. November 2012: „Er sieht aus“, notiert Zoe, „als ob er gerade aus einer G-Star-Anzeige herausgesprungen wäre.“

          Wissen Sie, wo er einkauft?

          Ich glaube, die meisten Sachen macht er selbst. Manches hat er auch aus der Türkei. Eines Tages kam er in Doc Martens, das hat mich doch überrascht. Seine Hosen haben oft denselben Schnitt, deshalb nehme ich an, dass er die selbst herstellt. Nur das Material unterscheidet sich. Ali sagt, er habe 80 Anzüge zu Hause.

          Er wird Ihnen ja jetzt auch einen Rock schneidern.

          Neulich kam er zu mir und sagte: „Ich mach dir jetzt einen Rock.“ Er hat da genaue Vorstellungen. Als meine Mutter mich besuchen kam, sind wir gemeinsam zu seiner Arbeit gefahren, da hat er Maß genommen. Es wird ein knielanger A-Linien-Rock aus leichter Baumwolle, ein Sommerrock. Die Stoffe hätte ich mir vielleicht nicht unbedingt ausgesucht, aber Ali weiß, was er tut. Da mischt er jetzt Leopardenprint mit grün und blau. Ich kann ja schlecht nein sagen. Aber immerhin hat er mir gezeigt, was er vorhat. Ich bin gespannt! Und um die Taille zieht sich ein schwarzes Band. Das gefällt mir.

          Sind Sie ein Modemensch?

          Ich interessiere mich nicht sonderlich für Mode, aber mir gefallen die Sachen, die Ali trägt. Wenn Menschen sich anzuziehen wissen, dann erzählt ihr Outfit eine Geschichte. Ich bekomme viele Rückmeldungen von Menschen, die sich freuen, dass es endlich einen Street-Style-Blog ohne Magermodel-Mädchen gibt.

          15. November 2012: Auf dem Weg zur Arbeit trägt Ali heute einen „Wall Street Trench Coat“, wie Zoe das nennt.

          Alis Outfits reichen von Denim über Camouflage bis hin zu Nadelstreifen.

          Er ist sehr wandelbar, lässt sich aber auch nicht zweimal mit dem gleichen Look fotografieren. Manchmal lehnt er ein Bild ab, wenn es ihm nicht gut geht oder er denkt, dass er nicht passabel aussieht. Als die Seite bekannter wurde, hat er sich dann richtig herausgeputzt.

          Wie kam die plötzliche Bekanntheit?

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