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Stella McCartney : "Für Mode darf man keine Tiere töten"

  • Aktualisiert am

Für den Verzicht auf Leder und Pelz: Stella Mc Cartney Bild: REUTERS

Wenn im Gespräch von getöteten Tieren die Rede ist, wird Designerin Stella McCartney leidenschaftlich: dann predigt, erklärt, überredet die überzeugte Vegetarierin. Nebenbei spricht sie auch noch über Mode, Berlin und London als Zentrum der Welt.

          5 Min.

          Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Stella McCartney über ihre Heimatstadt London als Zentrum der Welt, Design in Zeiten der Krise - und über den Verzicht auf Leder und Pelz.

          Willkommen in Berlin! Wie gefällt Ihnen die Aussicht hier von der Dachterrasse des Hotel de Rome auf die Stadt?

          Ziemlich cool! Man erkennt gleich den Gegensatz von Alt und Neu. Sieht sofort symbolisch aus.

          Sieht aus wie Leder, ist aber kein Leder
          Sieht aus wie Leder, ist aber kein Leder : Bild: ©Helmut Fricke

          Waren Sie schon oft hier?

          Schon ganz früher, als mein Vater hier Auftritte hatte, und vor ein paar Jahren noch mal - da hab ich mir den Reichstag von Norman Foster angeschaut.

          Haben Sie auch schon gehört, dass hier unten auf dem Platz gerade eine Modewoche stattfand?

          Vage.

          Berlin will London als drittwichtigste Modestadt ablösen.

          Viel Glück! Aber da gibt's keine Chance, da bin ich sehr patriotisch. Ihr werdet uns nicht vom Thron stoßen. Andererseits finde ich es sehr sympathisch, wenn man hohe Ansprüche hat.

          Aber wenn man London betrachtet, nach der Finanzkrise, mit der Konsummüdigkeit, mit den Designern, die nach Mailand, Paris und New York abwandern - verliert die Stadt nicht an Glanz?

          Wird das jetzt hier eine Standortdebatte? Was für eine lächerliche Frage: Verliert London seinen Glanz? Das mag ja eine nette Überschrift sein. Aber London bleibt das Zentrum des Universums.

          Sie selbst zeigen Ihre Kollektionen in Paris!

          Wichtig ist doch, dass ich in London lebe und meine Zentrale in London liegt. In den meisten wichtigen Designteams der Welt arbeiten Londoner, Absolventen von Central Saint Martin's. Aber jetzt zwingen Sie mich dazu, hier London zu verteidigen. Ich bin halbe Liverpoolerin! Und ich arbeite mit Leuten aus aller Welt zusammen!

          Versuchen wir die Krise anders zu greifen. Viele Marken gehen gerade pleite, Christian Lacroix zum Beispiel, bei dem Sie einst als Praktikantin begannen . . .

          . . . ja, das ist traurig. Aber der Mode geht es nicht anders als anderen Künsten und Wirtschaftszweigen. Jeder ist betroffen. Es macht mich genauso traurig, wenn ein Arbeiter bei der U-Bahn gefeuert wird, wie wenn Lacroix pleitegeht.

          Was hat sich denn für Sie durch die Krise verändert?

          Ich muss mehr arbeiten. Aber ich drehe das Ganze um: Ich finde die Krise spannend. Wir sind ja ein kleines Team, schnell, agil, flexibel, nicht maßlos. Exzesse sind nicht gut: weder im Leben noch im Geschäft, noch in der Persönlichkeit.

          Viele Designer machen jetzt Trunkshows, um die Kunden jenseits der Modestädte zu erreichen.

          Ja, ich auch. Angefangen habe ich damit zu College-Zeiten. Meine erste war bei Bergdorf Goodman, als ich gerade mal 23 war. Inzwischen werden es mehr. Wenn man sich zu fein ist, Kunden zu treffen, kommt man in Schwierigkeiten. Jetzt - mit drei Kindern, für die ich kurz Pause gemacht habe und die ich auch stillen musste - kann ich wieder mehr reisen, wie etwa zum Cocktailempfang in der Boutique "The Corner" hier in Berlin.

          Sie haben die Marke 2007 in die schwarzen Zahlen gebracht. Wie sieht's denn heute aus?

          Ha, was darf ich dazu sagen?

          Wahrscheinlich wenig, da Ihre Marke zu PPR-Gucci gehört.

          Oder sogar nichts!

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