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Sportmode : Stylish am Crosstrainer

Mit Stil und Stella Bild: Adidas

Man kennt Stella McCartney als Tochter von Paul McCartney, Partygirl und Designerin. Aber als Sportskanone? Jetzt hat sie für Adidas eine klassische Sportswear-Kollektion entworfen und kleidet Frauen ein, die beim Training gut aussehen möchten.

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          Als Sportskanone kennt man Stella McCartney weniger. Eher schon als Partygirl, das mit Madonna und Kate Moss bis zum Morgengrauen in Londoner Diskotheken rumhängt. Oder als Designerin, die Mode für Frauen macht, die bis zum Morgengrauen in Diskotheken rumhängen. Oder als Tochter von Paul McCartney, der früher mal in Diskotheken rumhing. Oder als überzeugte Veganerin, die Schuhe aus Kunstleder trägt, auch in der Disko. Jetzt aber macht sie Sportkollektionen für eine deutsche Sportmarke.

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Tag in London. In der Lindley Hall ist ein Spielfeld aufgebaut, Zuschauertribünen, quietschende Schuhsohlen auf dem Parkett. Die Simulation einer Trainingsstunde: Models recken sich, boxen in die Luft, machen Kopfstand, klettern die Wand hoch. Die Kollektion Adidas by Stella McCartney für den nächsten Herbst und Winter wird nicht auf dem Laufsteg präsentiert, nicht während der Fashion Week oder in gestylten Showrooms, sondern in einer nachgebauten Turnhalle. Das ist als Statement zu verstehen. Denn bei der Kollektion, ihrer zweiten für Adidas, geht es nicht in erster Linie um Mode, auch nicht um Streetwear, jene in den Alltag integrierte Trainingsmode, sondern um Sportbekleidung im klassischen Sinne. Um das, was man anzieht, wenn man trainiert.

          „Natürlich trage ich sonst oft Sneakers“

          Stella McCartney trägt zur Präsentation ihrer Kollektion Röhrenjeans und Stiefeletten mit ziemlich hohen Absätzen, darüber einen grauen Gehrock. Sieht so eine Sportskanone aus? "Natürlich trage ich sonst oft Sneakers", sagt sie im Interview, "aber doch nicht zu einer Pressekonferenz." Trotzdem hat man das Gefühl, sie redet immer ein bißchen drumherum, wenn man wissen möchte, warum ein Glamourgirl plötzlich sportlich wird. "Stella, welches Training machen Sie?" ist die am häufigsten gestellte Frage an diesem Tag. "Hm, ich mache von allem ein bißchen. Ich laufe, ich fahre Fahrrad und schwimme viel. Ach ja, Yoga hab ich auch mal gemacht." Sport aus Leidenschaft klingt anders.

          Feminin und funktional
          Feminin und funktional : Bild: Adidas

          Aber vielleicht kam ihr gerade deshalb die Idee für das Konzept. Es war irgendwann in einem Fitneßstudio, als sich die Modedesignerin vermutlich leicht gelangweilt übers Laufband schleppte und ihr etwas komisch vorkam. Sie selbst trug ein billiges T-Shirt, die Frau auf dem benachbarten Laufband ein Trainingsoutfit mit geschmacklosem Muster. Irgendwas stimmt in der Sportmode für Frauen nicht, dachte sich McCartney. Entweder gibt es sie komplett in Pink, oder sie sieht aus wie männliche Sportmode nur in kleinen Größen, ohne entsprechende Paßform. Was aber ist mit funktionaler Mode, auf die Frau zugeschnitten mit schönem Design?

          „Wir nehmen Frauen ernst“

          "So etwas hat auf dem Markt gefehlt", sagt Michael Michalsky, Global Creative Director von Adidas, "mit dieser Kollektion nehmen wir Frauen ernst." Stella McCartney ergänzt: "Ich glaube, Männer beschäftigen sich viel mehr mit ihrem Sportoutfit. Sie haben die richtigen Schuhe, den richtigen Trainingsanzug. Frauen oft nicht. Wir wollen ein Sortiment anbieten, dem Frauen vertrauen können: Wenn du hier einen Laufschuh wählst, kriegst du den besten."

          Die Zusammenarbeit mit der britischen Designerin begann 2002 mit einem Schuh, den sie für das fränkische Unternehmen entwarf. Im vergangenen Jahr startete das Projekt Adidas by Stella McCartney. Die erste Kollektion für diesen Sommer wurde nur in ausgesuchten Läden verkauft. Die zweite, die von August an im Handel sein wird, soll einen breiteren Markt erreichen und in 300 Geschäften weltweit erhältlich sein. Die Teile kosten zwischen 30 und 350 Euro.

          Klassische Sportmode

          Der schnelle Erfolg ist um so erstaunlicher, weil Sportmarken derzeit eher in die andere Richtung gehen: Sie plazieren ihre Produkte außerhalb von Turnhallen und Fitneßstudios, um neue Käuferschichten zu erreichen. Auch Adidas macht das mit Y3 - die Kollektion des Japaners Yoshji Yamamoto, die urbane Coolness transportiert. Sie läuft bei dem fränkischen Unternehmen unter "Sport Style". Das, was Stella McCartney macht, gehört dagegen zu "Sport Performance", der klassischen Sportmode. Das Ziel von Adidas ist es, eine männergeprägte Marke weiblicher erscheinen zu lassen. Das lockt neue Kundschaft an. "Für Frauen, die Sport so ernst nehmen wie Style", umreißt man die Zielgruppe. "Ehrlich" nennt McCartney ihre Produkte.

          Wie aber definiert die britische Designerin Mode zum Joggen, Freeclimben, Fahrradfahren und Yoga? Erstaunlich sportlich. Für McCartney war die Funktionalität wichtig, sie ließ sich von Leistungssportlerinnen beraten, fragte, was sie wann brauchen und was sie vermissen. Das Team von Adidas, mit dem sie zusammenarbeitete, führte sie in die Welt der Sportmaterialien ein. Stoffe, die atmen, die wasserabweisend sind und Hitze vom Körper fernhalten. Zusammen gingen sie Sportart für Sportart durch. Beispiel Laufen: Hier wurde ein besonders dünner Fleece-Stoff entwickelt, an dem Sweater sind herunterklappbare Handwärmer angebracht. An den Turnschuhen kann man Spikes fürs Crosstraining befestigen. Beispiel Radfahren: Das Team hat einen schmalen Rucksack mit Trinkbehälter entwickelt, in Altrosa, vorne zusammengeschnürt.

          „I'am a winner“

          Das Besondere aber ist der Charme, den Stella McCartney den Produkten verleiht. Ihre Details sind feminin, ohne den Sportcharakter der Artikel zu zerstören. "I'm a winner" steht auf einem T-Shirt. Ein anderes ist mit Blumen und Spinnen bedruckt. Effekte werden durch Nähte erzielt, die den Stoff kräuseln oder bei den eng anliegenden Hosen Strukturen schaffen. Wie in ihrer eigenen Kollektion liebt sie den Gegensatz: Zarte Farben kombiniert sie mit Türkis oder Pink. Den Hotpants stellt sie einen voluminösen Sweater zur Seite. So werden die Outfits sexy, ohne an den billigen Aerobic-Stil der achtziger Jahre anzuknüpfen.

          Ihre eigene Kollektion, die sie unter dem Dach der Gucci-Gruppe entwirft, hat in gut drei Jahren noch nicht den Durchbruch geschafft. Bei Adidas, so scheint es, hat Stella McCartney dies binnen zweier Saisons erreicht.

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