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Sonnenbrillen-Trends : Blick zurück nach vorn

Groß, rund, oben flach: Gab es so ähnlich schon in den vierziger Jahren Bild: Katja Hentschel

Retro ist immer noch der wichtigste Trend bei Sonnenbrillen. Zitiert wird alles - Hauptsache, man sieht das Individuelle: Von Blütenornamenten über Cat-Eye-Optik aus den Fünfzigern bis hin zu Perlmuttrahmen.

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          Zeige mir deine Sonnenbrille, und ich sage dir, wer du bist - oder sein willst. Eine Sonnenbrille aufzuziehen ist immer noch die einfachste Art, sich selbst zu inszenieren. Denn wer seine Augen nur vor der Sonne schützen wollte, könnte schließlich auch einfach blinzeln. Mit dem richtigen Modell auf der Nase aber kann man sich ganz leicht ein bisschen Hollywood-Glamour, italienische Lebensart oder amerikanischen Traum erobern.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Bestens dazu passt der Retro-Trend, der auch in diesem Sommer wieder die Sonnenbrillen-Kollektionen bestimmt. Waren in den vergangenen Jahren vor allem die siebziger Jahre das große Stilvorbild für die It-Brillen der It-Girls, kommen jetzt die sechziger und fünfziger Jahre. Aber auch die vierziger, achtziger und neunziger. Zitiert wird munter durch die Jahrzehnte. Hauptsache, das Ergebnis wirkt individuell oder glamourös. Generell geht der Trend wieder zur etwas kleineren Form, gerne rund, gerne oval. Kräftige Kunststoffrahmen bleiben, betonte Oberbalken kommen und werden häufig schräg gestellt.

          Helle Rahmen zu dunklen Gläsern

          Zum Beispiel bei Chanel. Die Kollektion „Retro-Baroque“ erinnert mit vergleichsweise schmalen ovalen Gläsern an den Chic der sechziger Jahre. Als hätte man sich abgesprochen, heißt es bei Prada „Minimal Baroque“. Hier zieren ausladende Ornamente, die wie hochgezogene Augenbrauen aussehen, breite Kunststoffrahmen. Das ist eher ironische Aneignung als Retro-Design. Damenmodelle von Dolce & Gabbana prunken mit Blüten- und Spitzen-Ornamenten; schräge und gerundete Oberbalken verweisen auf die Cat-Eye-Formen der Fünfziger. Auch der Berliner Brillenhersteller Mykita zeigt Katzenaugen. „Joanie“ mit perlmuttweißem Rahmen sieht beinahe aus wie die Sonnenbrille von Goldsmith, die Audrey Hepburn in „Wie klaut man eine Million“ trug. Überhaupt sind helle Rahmen zu dunkleren Gläsern wieder angesagt - ein Trend, der bereits in den vierziger Jahren en vogue war.

          Geschwungen: Auf ihrer Nase ist Jackie O. das Stilvorbild

          Also alles schon mal dagewesen? So einfach ist es nicht, denn eins zu eins wird kaum eine Form übernommen. Oder neue Materialien geben dem Altbekannten eine andere Optik. „Retro-Wellen haben seit den neunziger Jahren stark zugenommen“, sagt Sara Hausmann, die zusammen mit Achim Böhmer ein Buch über Retro-Design geschrieben hat. Die beiden Grafikdesigner sehen im vielfältigen Nebeneinander von Zitaten den eigentlichen Stil unserer Gegenwart. In einer zunehmend unübersichtlichen Welt biete der Rückgriff auf historische Vorbilder Orientierung, für Designer wie für Kunden. Stilzitate sind gewissermaßen der Wortschatz, mit dem sich modische Aussagen machen lassen. So transportiert die Sonnenbrille im Stil der fünfziger Jahre unweigerlich etwas vom Glamour des alten Hollywood, eine Sixties-Brille Lebensfreude, Eleganz oder wohlkalkulierte Spießigkeit, eine Hornbrille nach Art der Vierziger Traditionsbewusstsein. Jeder kann sich aus dem Fundus der Formen bedienen und sie individuell kombinieren.

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